Erbschaftsteuer Familienunternehmen

Erbschaftsteuer Familienunternehmen

Die Erbschaftsteuer-Reform

Knapp zwei Jahre nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde am 14. Oktober 2016 mit Zustimmung des Bundesrates ein neues Erbschaftsteuergesetz verabschiedet. Das neue Recht ist am 9. November im Bundesgesetzblatt erschienen. Es tritt rückwirkend zum 1. Juli 2016 in Kraft.

„Die Verabschiedung des neuen Rechts ist zu begrüßen, denn damit wird die für Betriebsübergaben so wichtige Rechtssicherheit hergestellt“, sagte Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, unmittelbar nach der Zustimmung in der Länderkammer.

Mitte Juni 2017 haben die obersten Finanzbehörden der Länder die geänderten Vorschriften des Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts verabschiedet. Es handelt sich anders als üblich nicht um einen gleichlautenden Ländererlass, sondern um einen so genannten koordinierten: Nur 15 Bundesländer haben sich ihm angeschlossen, Bayern nicht.

A Das neue Erbschaftsteuerrecht: Berechnungsbeispiel für große Familienunternehmen

Die Stiftung Familienunternehmen hat die Belastungen errechnet, die sich für ein größeres Familienunternehmen durch das neue Erbschaftsteuergesetz ergeben. Danach ist in verschiedenen Konstellationen mit einer Vervielfachung der Belastung durch die Erbschaftsteuer zu rechnen. Ausgegangen wird von einem Unternehmenswert von 100 Millionen Euro.

Ein wesentlicher Grund für die erhöhte Belastung ist, dass nur noch ein geringerer Anteil des Verwaltungsvermögens nicht besteuert wird – vorher waren es bis zu 50 Prozent, jetzt sind es nur noch zehn Prozent. In unserem Beispiel steigt somit der Umfang des nicht begünstigten Verwaltungsvermögens von 2,5 Millionen Euro nach altem Recht auf 7,2 Millionen Euro nach der Gesetzesnovelle. Zum Verwaltungsvermögen zählen beispielsweise Bankguthaben, Forderungen oder Beteiligungen an Kapitalgesellschaften von unter 25 Prozent.

 
Unternehmenswert 100.000.000 Euro
 
Erbschaftsteuerzahlung (ohne Verschonung)
  Steuerschuld Steuerschuld Steuerschuld
Erbschaftsteuersatz 30 Prozent nach neuem Recht
ohne Vorwegabschlag
nach neuem Recht
mit Vorwegabschlag
nach bisherigem Recht
Gesamte Steuerschuld ohne weiteren Antrag auf Verschonungsabschlag oder Verschonungsbedarfsprüfung 30.000.000 Euro 24.434.576 Euro 30.000.000 Euro
 
Antrag auf Verschonungsabschlag (Regel- oder Optionsverschonung) oder Verschonungsbedarfsprüfung
 
Alternative A: Antrag auf Verschonungsabschlag (sogenanntes Abschmelzmodell)
  a. Regelverschonung (85 % Abschlag)
  nach neuem Recht
ohne Vorwegabschlag
nach neuem Recht
mit Vorwegabschlag
nach bisherigem Recht
Gesamte Erbschaftsteuerzahlung auf Betriebsvermögen 30.000.000 Euro 19.759.619 Euro 5.137.500 Euro
       
  b. Optionsverschonung (100 % Abschlag)
  nach neuem Recht
ohne Vorwegabschlag
nach neuem Recht
mit Vorwegabschlag
nach bisherigem Recht
Gesamte Erbschaftsteuerzahlung auf Betriebsvermögen 30.000.000 Euro 16.420.365 Euro 5.137.500 Euro
 
Alternative B: Antrag auf Verschonungsbedarfsprüfung
  ohne Vorwegabschlag mit Vorwegabschlag Vgl. zum bisherigen Recht
 
Fall 1 Fall 2
Fall 1 Fall 2
 
Vorhandenes Privatvermögen
20.000.000 Euro 50.000.000 Euro
20.000.000 Euro 50.000.000 Euro
 
Gesamte Erbschaftsteuerzahlung auf Betriebsvermögen
15.794.343 Euro 30.000.000 Euro
15.794.343 Euro 24.434.576 Euro
5.137.500 Euro

 

Beim sogenannten Abschmelzmodell kommt es zu einer deutlich höheren Steuerbelastung als bisher, denn ab einem Übertragungswert von 90 Millionen Euro gibt es keine steuerliche Verschonung mehr. Belief sich die Steuerschuld im gewählten Beispiel bisher auf rund fünf Millionen Euro, sind es künftig 30 Millionen Euro ohne Vorwegabschlag, beziehungsweise rund 16 Millionen oder knapp 20 Millionen Euro mit Vorwegabschlag – je nach vorhandenem Privatvermögen.

Der Vorwegabschlag bedeutet, dass für begünstigte Vermögensteile eine besondere Steuerbefreiung in Form von einem Abschlag von maximal 30 Prozent gewährt wird. Voraussetzung ist, dass zum Beispiel Entnahmen aus dem Unternehmensgewinn oder Ausschüttungen in der Höhe beschränkt sind und gleichzeitig weitere Beschränkungen (Verfügung, Abfindung) für die Gesellschafter des Familienunternehmens vorliegen. Der Nachweis dafür muss lückenlos über einen Zeitraum von zwei Jahren vor und 20 Jahren nach der Übergabe geführt werden.

Alternativ zum Abschmelzmodell kann auch die Verschonungsbedarfsprüfung gewählt werden, wenn die Steuerschuld nicht aus dem vererbten Vermögen beglichen werden kann. Dabei werden zusätzlich zur Besteuerung des nicht begünstigten Verwaltungsvermögens bis zu 50 Prozent des Privatvermögens zur Besteuerung herangezogen. Die Belastungsbeispiele zeigen hier sehr deutlich, dass es ganz maßgeblich darauf ankommen wird, wie viel Privatvermögen beim Erwerber vorhanden ist. Im gewählten Beispiel kommt es auch hier zu einer Vervielfachung der Steuerlast im Vergleich zum bisherigen Recht.

Die Stiftung Familienunternehmen hat in einem Kompendium die erfolgten Änderungen im Vergleich zum bisherigen Recht dargestellt. Mit zahlreichen Belastungsbeispielen werden die Wirkungen des neuen Rechts aus der Sicht der Familienunternehmen praxisnah illustriert.

 

B Länderindex Erbschaftsteuer

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen die Auswirkungen der rechtlichen Änderungen durch die jüngste Reform mit Hilfe von Simulationsrechnungen für ein Modellunternehmen mit 210 Millionen Euro Jahresumsatz quantifiziert. Diese Größe entspricht einem typischen, global agierenden Familienunternehmen in Europa.

Demnach gaben große Familienunternehmen durch die Reform der Erbschaftsteuer mit erhebli¬chen Mehrbelastungen zu rechnen. Dies gilt insbesondere beim Übergang an nur einen Erben und wachsender Größe des vererbten Betriebsvermögens. Im internationalen Vergleich von 18 OECD-Staaten ist Deutschland als Folge dieser Reform auf den letzten bzw. vorletzten Platz zurückgefallen.

Effektive Erbschaftsteuerbelastung in Mio. € für Familienunternehmen im internationalen Vergleich

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung resümiert in der Überschrift: „Alleinerben von Betrieben droht Steuerschock“.


C Rückblick: Die Entwicklung der Gesetzesreform

Mit der Zustimmung des Bundesrates findet ein längeres parlamentarisches Verfahren seinen Abschluss: Ende 2014 hatte das Bundesverfassungsgericht die seit 2009 geltenden Verschonungsregeln für Betriebsvermögen für verfassungswidrig erklärt, weil sie in ihrer Ausgestaltung nicht mit dem Gleichheitssatz des Grundgesetzes vereinbar sind. Familienunternehmen teilweise oder sogar vollständig von der Erbschaftsteuer zu befreien, um ihre Existenz und Arbeitsplätze nicht zu gefährden, hält das Gericht jedoch für grundsätzlich mit dem Grundgesetz vereinbar. Die Karlsruher Richter hatten dem Gesetzgeber aufgegeben, bis 30. Juni 2016 eine Neuregelung zu finden.

Die Stiftung Familienunternehmen hat das Gesetzgebungsverfahren aufmerksam verfolgt und hat anhand von wissenschaftlichen Analysen die möglichen Belastungen für große Familienunternehmen aufgezeigt.

  • Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) legte Ende Februar 2015 Eckwerte zur Neuregelung der Erbschaftsteuer vor.
  • Am 2. Juni 2015 veröffentlichte das Bundesfinanzministerium den Referentenentwurf zur Erbschaftsteuerreform. Die aus Sicht der Familienunternehmen bedeutenden Regelungen hat die Stiftung in einer Übersicht gebündelt.
    • Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) schätzte für die Stiftung die volkswirtschaftliche Bedeutung der betroffenen Familienunternehmen. Demnach wäre die Verschonung des Betriebsvermögens von der Erbschaftsteuer durch die Bedürfnisprüfung für maximal rund 13.600 größere Familienunternehmen (Unternehmenswert 20 Millionen Euro und mehr) in Frage gestellt.
    • Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung untersuchte im Auftrag der Stiftung die Auswirkungen des Referentenentwurfs aus dem Bundesfinanzministerium auf die Gesamtsteuerbelastung der Familienunternehmen. Deutschland wäre danach im Vergleich von 18 OECD-Staaten vom aktuellen Rang 13 in der Gesamtsteuerbelastung auf Rang 15 (Reduzierung des Verschonungsabschlags) oder sogar Rang 18 (Wegfall des Verschonungsabschlags) zurückgefallen.
  • Das Bundeskabinett verabschiedete am 8. Juli 2015 einen Gesetzentwurf zur Umsetzung des Verfassungsgerichtsurteils.
    • Auf dieser Grundlage aktualisierte das IW-Köln seine Schätzungen, wieviel Familienunternehmen und Arbeitsplätze betroffen sind. Etwa 10.000 Familienunternehmen waren es potenziell, jeder fünfte Arbeitnehmer ist in einem dieser Unternehmen angestellt.
    • Ebenso brachte das ZEW hat seinen Länderindex auf den neuen Stand: Wird der Kabinettsentwurf umgesetzt, würde Deutschland damit vom zwölften auf den 16. Rangplatz zurückfallen.
  • Am 20. Juni 2016 einigte sich die große Koalition auf einen Erbschaftsteuerkompromiss, dessen wesentliche Eckpunkte die Stiftung zusammenfasst.
  • Am 24. Juni 2016 nahm der Deutsche Bundestag den entsprechenden Gesetzentwurf an.

    In einer ersten Stellungnahme begrüßte Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, dass nun den Familienunternehmen der Alptraum einer Periode längerer Rechtsunsicherheit erspart bliebe.
  • Der Bundesrat berief hierzu jedoch in seiner Sitzung vom 8. Juli 2016 das Vermittlungsverfahren ein.
  • In der Nacht zum 22. September 2016 einigte sich der Vermittlungsausschuss auf neue Regeln zur steuerlichen Begünstigung von Firmenerben. Gegenüber der vom Deutschen Bundestag am 24. Juni verabschiedeten Version gab es noch einige wenige Änderungen. Diese betreffen insbesondere die Ausgestaltung des vereinfachten Ertagswertverfahrens, des Vorwegabschlags sowie die Stundungsregelung.
  • Dem neuen Kompromiss hat am 29. September 2016 der Bundestag zugestimmt und schließlich auch der Bundesrat am 14. Oktober 2016.
„Die Umsetzung der Reformentwürfe würde aufgrund der aufgezeigten Mehrbelastungen zu einer Abnahme der steuerlichen Standortattraktivität Deutschlands führen.“

Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
 

D Das Reformmodell der Stiftung Familienunternehmen

Die Stiftung hatte nach dem Urteil einen Vorschlag vorgelegt, wie das Urteil vom Gesetzgeber umgesetzt werden könnte. Darin werden zentrale Forderungen des Urteils – die Bedürfnisprüfung für große Familienunternehmen, eine Neukonzeption des Verwaltungsvermögens und eine Reduktion der Missbrauchsmöglichkeiten – in einem Reformkonzept verbunden. Das neu definierte Verwaltungsvermögen bildet dabei den Dreh- und Angelpunkt. Soweit das Verwaltungsvermögen dann ausreicht, um die Erbschaftsteuer auf das produktive Unternehmensvermögen zu tragen, liegt keine Bedürftigkeit vor. Reicht es nicht aus, ist der Nachweis individueller Bedürftigkeit im Sinne des Bundesverfassungsgerichts erbracht bzw. wird der Verschonungsbedarf vermutet.

„Wir wollen nicht, dass die Erbschaftsteuer erneut vor dem Verfassungsgericht landet.“

Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen
 

Die Elemente des Modells im Überblick:

  • Der Begriff des Verwaltungsvermögens wird einfacher und weniger manipulierbar definiert durch eine konsolidierte Betrachtung des Verwaltungsvermögens über die ganze Unternehmensgruppe hinweg wie auch durch eine Nettobetrachtung des Verwaltungsvermögens (Saldierung von aktivem Verwaltungsvermögen und Schulden).
  • Das Nettoverwaltungsvermögen wird erbschaftsteuerlich nicht verschont, soweit es einen pauschal als betriebsnotwendig anerkannten Umfang von 20 Prozent des Unternehmenswerts übersteigt. Damit wird der Kritik des Bundesverfassungsgerichts an der bisher starren Grenze von 50 Prozent Rechnung getragen.
  • Die einer Bedürfnisprüfung unterliegenden großen Unternehmensübergaben werden anhand einer erwerberbezogenen Freigrenze von 120 Millionen Euro abgegrenzt.
  • Der Tatsache, dass die Erbschaftsteuer auf Unternehmerebene geschuldet ist, wird durch pauschalierte Abschläge auf das Nettoverwaltungsvermögen Rechnung getragen, um den auf Erwerberebene verwertbaren Teil dieses Vermögens zu bestimmen.
  • Es erfolgt eine eindeutige Definition des Verschonungsbedarfs, indem der auf Unternehmerebene verfügbare Teil des Nettoverwaltungsvermögens als Indikator für die Bedürfnisprüfung herangezogen wird.
  • Für den Fall, dass der Erwerber von Unternehmensanteilen unter Umständen keinen Einfluss auf die Ausschüttung bzw. Verwertung von Verwaltungsvermögen hat und Verwaltungsvermögen auch nicht immer verwertbar ist, wird eine umfassende Stundungsregelung eingeführt.
  • Es gibt eine Reinvestitionsklausel, die zu einer weiteren Entlastung bei der Erbschaftsteuer führt, wenn Verwaltungsvermögen innerhalb eines bestimmten Zeitraums in Betriebsvermögen investiert wird.

Ausführlich legten Prof. Rainer Kirchdörfer und Dr. Bertram Layer das Reformmodell der Stiftung Familienunternehmen in einem Gastbeitrag für die Fachzeitschrift  „Der Betrieb“ dar. Eine ergänzende Synopse führt die zu diesem Zeitpunkt vorliegenden wichtigsten Vorschläge von Verbänden und Rechtsexperten zur Reform der Erbschaftsteuer auf.

In der  „Börsen-Zeitung“ erklärte Prof. Kirchdörfer in Grundzügen, wie das Urteil aus Karlsruhe „minimalinvasiv“ umgesetzt werden könnte.

 

E Verfassungsrechtliches Gutachten von Prof. Di Fabio

Der frühere Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio prüfte die Vorschläge des Bundesfinanzministeriums (BMF) und der Stiftung Familienunternehmen zur Umsetzung des jüngsten Verfassungsgerichtsurteils. In seinem Gutachten „Die Reform der Erbschaftsteuer“ sieht er in den Vorschlägen aus dem Ressort von Wolfgang Schäuble an zwei Stellen beträchtliche verfassungsrechtliche Risiken: die Einbeziehung von Privatvermögen des Firmenerbens zur Zahlung der Erbschaftsteuer auf Betriebsvermögen wie auch die neue Abgrenzung von betriebsnotwendigem Vermögen, wie sie das BMF-Eckwertepapier vorsieht. Die vom BMF geplante Bedürfnisprüfung für eine Verschonung des Betriebsvermögens, die auf die Vermögenssituation des Erben abstellt, stuft er als „sehr problematischen und verfassungsrechtlich problematischen Weg“ ein.

Die Lösungsvorschläge der Stiftung in Reaktion auf das Urteil des Verfassungsgerichts seien dagegen, so Di Fabio, „ein geeignetes Modell, mit dem der Gesetzgeber den vom Gericht mehrfach betonten großen Gestaltungsspielraum in einer sinnvollen Weise auszufüllen vermag. Es erhält die unbeanstandet gebliebenen Teile des geltenden Verschonungsmodells und verändert angemessen die vom Bundesverfassungsgericht beanstandeten Teile des geltenden Rechts.“ Insbesondere sei eine Grenze von 120 Millionen Euro, ab der nach dem Vorschlag der Stiftung die Bedürfnisprüfung ansetzen soll, „verfassungsrechtlich unbedenklich“.

„Ist Schäubles Reform verfassungswidrig?“ titelte die WELT. Die überregionale Tagesszeitung hat als erstes Medium über die Ergebnisse des Gutachtens berichtet.

 Zum Artikel auf www.welt.de

„Die allgemeine Vermögenssituation des Erwerbenden kann dabei keine Rolle spielen, weil sie mit dem Erwerb unverbunden ist. Das wäre etwa so, als wenn bei der Einkommensteuer nicht nur andere Erträge eines Steuerjahres, sondern auch die Vermögenswerte selbst berücksichtigt würden, etwa um einen ‚gerechten‘ Steuersatz zu ermitteln.“

Prof. Udo Di Fabio
 

G Studie: Die Auswirkungen der Erbschaftsteuer auf Familienunternehmen

Das ifo Institut München untersuchte in einer Studie für die Stiftung Familienunternehmen, wie sich das seit 2009 geltende Erbschaftsteuerrecht auf Familienunternehmen auswirkte. Diese Studie belegte erstmals empirisch, dass die noch geltende Verschonung positive Effekte für Arbeitsplätze und Investitionen hat. 1.729 Unternehmen hatten sich 2014 an der Umfrage im Rahmen des ifo-Geschäftsklimaindex beteiligt. 43 Prozent der befragten Familienunternehmen gaben an, dass sie ohne diese Regelung beim Generationenübergang das Unternehmen oder Teile davon hätten verkaufen müssen. Die Untersuchung fand ein sehr breites Echo und wurde in der Verhandlung über die Erbschaftsteuer vor dem Bundesverfassungsgericht mehrfach zitiert.

Download Studie

 

H Erbschaftsteuerliche Verschonung im internationalen Vergleich

Vergünstigungen bei der Vererbung von Unternehmensvermögen

Eine Reihe von Ländern hat die Erbschaftsteuer gänzlich abgeschafft, darunter Österreich, Schweden und die Slowakische Republik, wie der jüngste  "Länderindex Familienunternehmen" zeigt. Seit 2014 gehört auch die Tschechische Republik zu den Ländern, die diese Steuer nicht mehr einfordern. In den europäischen Industriestaaten, die weiter eine Erbschaftsteuer erheben, ist eine Verschonung des Betriebsvermögens beim Generationenübergang der Regelfall. Die folgende Darstellung bezieht sich auf den Rechtsstand in Deutschland im Jahr 2015.

 

Land Allgemeine Vergünstigungen für Unternehmen Spezielle Vergünstigungen für Familienunternehmen
Belgien Ermäßigter Steuersatz von 3% (Brüssel/Flandern), Steuerbefreiung (Wallonien)
Schweiz 80-% Reduktion der Steuerlast
Tschechien n.a. n.a.
Deutschland 85- bzw. 100-% Bewertungsabschlag Wie allg. Vergünstigungen
Spanien 95-% Bewertungsabschlag
Finnland 60-% Bewertungsabschlag Wie allg. Vergünstigungen
Frankreich 75-% Steuerbefreiung Wie allg. Vergünstigungen
Irland 90-% Bewertungsabschlag Wie allg. Vergünstigungen
Italien Steuerbefreiung (Kind ist Erbe)
Niederlande 83-prozentiger Bewertungsabschlag Wie allg. Vergünstigungen
Polen Steuerbefreiung
Vereinigtes Königreich 50 bis 100-% Steuerbefreiung Wie allg. Vergünstigungen
 

 

Das Vereinigte Königreich gewährt für Einzelunternehmen und Beteiligungen an Personengesellschaften sowie für Anteile an nicht-börsennotierten Kapitalgesellschaften eine vollständige Steuerbefreiung. Mit einem Abschlag von 50 Prozent, also nur zur Hälfte steuerbar, sind im Gegensatz dazu Anteile börsennotierter Kapitalgesellschaften, wenn der Vermögensgeber vor der Übertragung die Mehrheit der Stimmrechte innehatte. Eine (teilweise) Steuerbefreiung setzt dabei immer voraus, dass der Erblasser in den zwei Jahren vor der Übertragung Eigentümer des Vermögens war.

Auch in Irland gibt es einen Abschlag auf das Unternehmensvermögen, der dieses zu 90 Prozent von der Erbschaftsteuer freistellt, wenn der Erblasser in den zwei Jahren vor der Übertragung Eigentümer war. Werden Anteile an Kapitalgesellschaften vererbt, ist dafür jedoch erforderlich, dass der Erblasser entweder über eine Mindestbeteiligung von zehn Prozent oder über mehr als 25 Prozent der Stimmrechte verfügt hat.

In den Niederlanden wurden im Zuge einer Reform der Erbschaftsteuer im Jahr 2009 neben der Erhöhung der Freibeträge bzw. der Senkung der Steuersätze auch vorteilhaftere Regelungen für die Unternehmensnachfolge getroffen. Für betriebliches Vermögen bis zu 1.055.022 EUR wird ein Bewertungsabschlag von 100 Prozent gewährt, darüberhinausgehend gilt ein Abschlag von 83 Prozent. Voraussetzung ist wiederum, dass das Unternehmen durch den Erwerber fortgeführt und innerhalb einer Frist von fünf Jahren nicht veräußert wird.

In Frankreich gilt ein sachlicher Freibetrag von 75 Prozent des Unternehmenswertes. Dafür ist erforderlich, dass die übertragenen Vermögenswerte bzw. Anteile in den folgenden vier Jahren nicht veräußert werden. Im Falle eines Einzelunternehmens muss der Erblasser das Unternehmen zudem zum Todeszeitpunkt mindestens zwei Jahre lang gehalten haben. Bei der Übertragung von Anteilen an Personen- und Kapitalgesellschaften ist erforderlich, dass sich der Erblasser im Vorfeld verpflichtet hat, einen Anteil von mindestens 34 Prozent (20 Prozent bei börsennotierten Gesellschaften) an der Gesellschaft, gegebenenfalls gemeinsam mit anderen Gesellschaftern, innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren nicht zu veräußern. Tritt der Todesfall vor Ablauf der Zweijahresfrist ein, geht diese Verpflichtung auf die Erben über. Dies gilt sowohl für die Übertagung eines Einzelunternehmens als auch einer Personen- oder Kapitalgesellschaft. Im Todeszeitpunkt des Erblassers muss sich darüber hinaus jeder der Erben dazu verpflichten, die Anteile noch mindestens vier Jahre weiter zu halten. Schließlich ist erforderlich, dass einer der Erben oder einer der an der Verpflichtungserklärung beteiligten Gesellschafter für mindestens fünf Jahre eine Geschäftsführungsfunktion ausübt. Auch im Falle der Übertragung eines Einzelunternehmens wird die teilweise Befreiung nur gewährt, wenn mindestens einer der Erben hauptberuflich für drei Jahre nach dem Erbfall eine geschäftsführende Position übernimmt. Schließlich ist hervorzuheben, dass Frankreich eine vollständige Steuerbefreiung für Erwerbe durch Ehegatten gewährt, die nicht auf Unternehmensvermögen beschränkt ist.

Finnland schließlich bewertet Anteile an nicht-börsennotierten Kapitalgesellschaften und Personenunternehmen mit einem Abschlag von 60 Prozent auf den anteiligen Bilanznettowert. Dies gilt, wenn der Erblasser mindestens 10 Prozent der Anteile überträgt und der Erwerber sich verpflichtet, das Unternehmen fünf Jahre fortzuführen bzw. den Anteil zu halten, ohne das Betriebsvermögen zu verringern.

Zusätzlich zu allgemeinen Vergünstigungen für Unternehmensvermögen sehen einige Staaten spezielle Vergünstigungen für Familienunternehmen vor. Zudem bestehen vereinzelt auch Vergünstigungen allgemeiner Art, die nicht auf die Übertragung von Unternehmensvermögen begrenzt sind, von denen aber auch Familienunternehmen profitieren.

Italien stellt den Übergang von Unternehmensvermögen steuerfrei, wenn der Erbe ein Abkömmling des Erblassers ist und dieser den Betrieb für mindestens fünf Jahre fortführt, eine vorherige Erklärung hierzu abgibt und die Kontrollmehrheit innehat.

Auch in Polen greift seit 2007 ein persönlicher Freibetrag von 100 Prozent für Ehegatten und Abkömmlinge, der nicht nur für Unternehmensvermögen gewährt wird, sondern auch für Vermögenswerte aller Art.

In Belgien (Brüssel) unterliegt Betriebsvermögen bei der Vererbung eines Familienunternehmens einem ermäßigten linearen Steuersatz in Höhe von drei Prozent (im Gegensatz zu regulär maximal 30 Prozent). Wesentliche Voraussetzungen für diese Vergünstigung sind die Fortführung des Unternehmens für mindestens fünf Jahre, der Erhalt von mindestens 75 Prozent der Arbeitsplätze in diesem Zeitraum und, begründet durch die übertragenen Anteile, mindestens 25 Prozent der Stimmrechte.

Im Schweizer Kanton Zürich ermäßigt sich die Erbschaftsteuer auf die Übertragung von Familienunternehmen um 80 Prozent, wenn es sich hierbei um eine Beteiligung von mindestens 51 Prozent am Kapital oder an der Stimmrechtsverteilung handelt. Weiterhin muss der vererbte Anteil am Familienunternehmen vorwiegend der Erwerbserzielung des Erben dienen. Wird eine dieser Voraussetzungen innerhalb von zehn Jahren nach dem Todeszeitpunkt nicht mehr erfüllt, erfolgt eine Nachversteuerung.

In Spanien gilt ein 95-prozentiger Bewertungsabschlag für Familienunternehmen. Voraussetzung ist die Fortführung des Unternehmens für zehn Jahre. Darüber hinaus muss der Erblasser zu mindestens 15 Prozent am Unternehmen beteiligt gewesen sein. Zudem sind nur Übertragungen an Ehegatten oder Abkömmlinge begünstigt.