Sieben Gründe, warum Familienunternehmen der Gesellschaft nützen

Wenn von „der Wirtschaft“ die Rede ist, dann müssen damit immer auch die Familienunternehmen gemeint sein. Denn was viele nicht wissen: Zu diesem Unternehmenstyp zählen 91 Prozent der Firmen in Deutschland. Darunter finden sich viele kleine und mittelgroße Unternehmen, aber auch fast 200 Umsatz-Milliardäre. Diese Mischung aus kleinen und großen, regional verwurzelten und international aufgestellten Familienunternehmen unterscheidet die hiesige Wirtschaftsstruktur von der anderer Länder. Diese Vielfalt der Familienunternehmer-Landschaft ist ein Grund für die Stärke der deutschen Wirtschaft.

 

Verantwortungsvoll gehandelt: Familienunternehmen sind größter Arbeitgeber

Unter dem Dach der Familienunternehmen findet sich der Mehrzahl der Stellen in Deutschland. Familienunternehmen wirken stabilisierend, wenn die Wirtschaft in unruhiges Fahrwasser gerät. Das hat sich zuletzt in der Finanz- und Eurokrise gezeigt. Von 2006 bis 2015 erhöhten die 500 größten Familienunternehmen die Zahl ihrer Mitarbeiter in Deutschland um 19 Prozent. Zur gleichen Zeit legten die Dax-Unternehmen, die nicht-familienkontrolliert sind, bei der Zahl ihrer Mitarbeiter lediglich um zwei Prozent zu. Das belegt die Studie  „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“ aus dem Jahr 2016, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und das Institut für Mittelstandsforschung (ifm) gemeinsam im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt haben. „Sie werden also meistens zu Recht als stabiles Eigentum in geduldigen Händen bezeichnet“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, über die Leistungen der Familienunternehmen.

 

Stiftung Familienunternehmen | Vergleich Inlandsbeschäftigung

 

Langfristig vorgesorgt: Familienunternehmen planen krisenfester

In der Forstwirtschaft etwa gilt das Prinzip der Nachhaltigkeit schon seit Jahrhunderten: Nur wer das Gleichgewicht von Einschlag und Aufforstung wahrt, garantiert einen langfristig gesunden und ertragreichen Wald für die nachfolgenden Generationen. Familienunternehmer haben dieses Prinzip verinnerlicht, weil sie ihr Erbe geordnet und gut aufgestellt an Kinder und Enkel weitergeben wollen. Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften im Streubesitz investieren Familienunternehmer ihr eigenes Geld. Deswegen spielen die langfristigen Wirkungen ihres Handelns für sie eine große Rolle. Das ist auch der Grund, warum familienkontrollierte Unternehmen nachweislich Krisen besser standhalten.

Deutlich wird das auch bei einem Vergleich der Eigenkapitalausstattung. Während die Eigenkapitalquote aller Unternehmen laut der Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Familienunternehmen in den Jahren 2013 und 2014 im Durchschnitt bei 29,5 Prozent lag, wies der Mittelwert bei den 500 größten Familienunternehmen mit 36 Prozent einen deutlich höheren Wert auf.

 

Regional verankert: Familienunternehmen und ihr Standort

Familienunternehmen sind ein wichtiger Faktor gerade für ländliche Regionen. Dort mangelt es oft an Arbeits- und Ausbildungsplätzen, da große Konzerne eher in Ballungszentren Jobs schaffen. Traditionelle Familienunternehmen bleiben ihrem Standort jedoch auch dann noch treu, wenn sie längst zum Global Player geworden sind. Zu ihnen zählen beispielsweise der Schraubenhersteller Würth, mit Stammsitz in Künzelsau östlich von Heilbronn oder das Biotechnologieunternehmen KWS Saat aus dem niedersächsischen Einbeck. Große Familienunternehmen sind nicht nur in Baden-Württemberg und Bayern konzentriert, sondern auch in Nordrhein-Westfalen.

 

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Gut eingestellt: Junge Fachkräfte schätzen Familienunternehmen

Vor allem Familienunternehmen in ländlichen Gegenden müssen sich besonders Mühe geben, um als attraktive Arbeitgeber über die Region hinaus wahrgenommen zu werden. Dies gelingt ihnen, wie eine Umfrage zeigt, welche die TU München im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt hat. Junge Akademiker gaben an, dass bei neun von 14 abgefragten Kriterien, Familienunternehmen aus ihrer Sicht als die besseren Arbeitgeber abschneiden als große Konzerne im Streubesitz. Zu diesen Kriterien zählen eine „gute Arbeitsatmosphäre und Teamgeist“, die Möglichkeit zu eigenverantwortlichem Arbeiten sowie flache Hierarchien.

 

Einschätzung von Familienunternehmen im Vergleich zu großen Publikumsgesellschaften der Teilnehmer an den Karrieretagen Familienunternehmen 2015

Stiftung Familienunternehmen | Einschätzung von Familienunternehmen im Vergleich zu großen Publikumsgesellschaften der Teilnehmer an den Karrieretagen Familienunternehmen 2013

 

Viel beigetragen: Familienunternehmen füllen den Staatshaushalt

Allein die 500 größten Familienunternehmen zahlen fast genauso viel an Ertragsteuern, wie die 27 Dax-Unternehmen, die nicht von Familien kontrolliert werden. Durchschnittlich 28 Prozent Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Kapitalertragsteuer haben sie auf ihren Gewinn in den Jahren 2009 bis 2013 abgeführt. Das hat eine von der Stiftung Familienunternehmen in Auftrag gegebene Studie des ifo Instituts aus dem Jahr 2016 gezeigt. Bei den nicht-familienkontrollierten DAX-Konzernen sind es nur 25 Prozent gewesen. Rechnet man die Einkommensteuer der Gesellschafter von Personengesellschaften und die Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen der Kapitalgesellschaften bei den Familienunternehmen hinzu, so zahlen diese durchschnittlich sogar 40 Prozent Steuern. Die Dax-Konzerne kommen mit ihren Gesellschaftern auf 33 Prozent.

Und noch ein weiterer Unterschied ist aus Sicht der Bürger wichtig: Familienunternehmen zahlen ihre Ertragsteuern eher im Inland als Nicht-Familienunternehmen. Während die betrachteten Familienunternehmen rund 69 Prozent der Ertragsteuern in Deutschland abführten, waren es bei den nicht-familienkontrollierten Dax-Konzernen lediglich etwa 42 Prozent.

 

Vertrauen geschaffen: Sie vereinen Risiko und Kontrolle in einer Hand

Im Familienunternehmen ist Verantwortung greifbar und hat einen Namen: Risiko, Haftung und Kontrolle liegen in der Hand des Eigners. Damit gelingt den Unternehmern genau das, was andere Bereiche der Wirtschaft bereits verspielt haben: Vertrauen zu schaffen. Laut einer von der Stiftung Familienunternehmen in Auftrag gegebenen Forsa-Befragung vertrauen 88 Prozent der Deutschen den Familienunternehmen. Dies ist ein viel höherer Wert als bei der eigenen Regierung (30 Prozent) oder bei in Streubesitz befindlichen internationalen Konzernen (15 Prozent).

In der Forschung gibt es bereits erste Hinweise darauf, dass die Familienunternehmen auch über sich hinaus das soziale Gefüge beeinflussen. So findet sich gerade dort ein hoher Anteil an Familienunternehmen in der lokalen Wirtschaft, wo die soziale Struktur der Gesellschaft besonders gut funktioniert und von gegenseitigem Vertrauen der Menschen geprägt ist.

Ein gängiger Indikator für hohes Sozialkapital ist die Frage nach dem Vertrauen in die Mitmenschen. Sich sicher und wohl zu fühlen stellt einen eigenen Wert dar, der Arbeitskräfte produktiver macht. Dazu trägt auch der Arbeitgeber seinen Teil bei. In Regionen mit vielen Familienunternehmen wird die Frage nach Vertrauen häufiger positiv beantwortet als anderswo. Auch Angaben zur Zahl von Freunden oder dem Engagement in bürgerschaftlichen Vereinigungen fielen höher aus. Die Forschung steht auf diesem Feld aber noch am Anfang.

 

Großzügig gespendet: Familienunternehmen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung

Familienunternehmer fühlen sich ihren Standorten persönlich eng verbunden und übernehmen auf vielfältige Art gesellschaftliche Verantwortung. Daher unterstützen sie die Gemeinschaft mit sozialen und kulturellen Projekten, die über Stiftungen und Spenden finanziert werden. Über 50 Prozent des Vermögens in gemeinnützigen Stiftungen stammt laut Bundesverband Deutscher Stiftungen aus unternehmerischer Tätigkeit. Weitere 28 Prozent kommen aus Erbschaften und Schenkungen, von denen wiederum ein guter Teil gleichfalls auf unternehmerischer Tätigkeit basiert.