Wissenschaft

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Obwohl Familienunternehmen die vorherrschende Unternehmensform in den meisten Ländern dieser Erde sind, standen sie lange nicht im Fokus der wissenschaftlichen Forschung. Die Stiftung Familienunternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Rolle der Familienunternehmen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Außerdem lässt sie bei für Familienunternehmen, Politik und Gesellschaft wichtigen Fragestellungen juristische, steuerrechtliche oder volkswirtschaftliche Gutachten anfertigen. Die Stiftung Familienunternehmen erstellt selbst keine Studien, sondern gibt Untersuchungen bei wissenschaftlichen Instituten wie z. B. beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim oder dem ifo Institut in München in Auftrag.

„Eine erfreuliche Entwicklung zeichnet sich ab: Auch die traditionsreichen Universitäten lenken ihren Blick auf die bedeutendste Unternehmensform, die ‚Urform des Wirtschaftens’.“

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Brun-Hagen Hennerkes, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Familienunternehmen
 

A Grundlagenforschung zur deutschen Unternehmenslandschaft

Die Stiftung Familienunternehmen hat erstmals 2006 das volkswirtschaftliche Gewicht der Familienunternehmen in Deutschland erheben lassen. Seitdem wird der Beitrag der Familienunternehmen zu Umsatz und Beschäftigung in Deutschland untersucht und dabei auch die 500 größten Familienunternehmen mit den nicht-familiengeführten DAX-Unternehmen verglichen.

 

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen in Deutschland

Anteil der Familienunternehmen nach Umsatzklassen | Stiftung Familienunternehmen

 

Die Studienergebnisse des ZEW Mannheim werden nicht nur in der wissenschaftlichen Literatur zitiert, sondern finden auch Eingang in die Berichterstattung über Familienunternehmen. Die FAZ widmete sich ausführlich den Ergebnissen der jüngsten Aktualisierung und betitelte ihren Beitrag mit  „Arbeitsplätze für Deutschland – Familienunternehmen schlagen den DAX.“

 Download der Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen“


Grundlagenarbeit leistet auch der  „Länderindex Familienunternehmen“, den die Stiftung Familienunternehmen ebenfalls seit 2006 regelmäßig beauftragt. Das ZEW vergleicht dafür die Standortfaktoren für Familienunternehmen in 18 OECD-Staaten. Für die Firmen ist diese umfangreiche Analyse, basierend auf harten Daten in Feldern wie Bildung, Steuern, Finanzierung und Infrastruktur ein Kompass, für die Regierungen bietet sie wichtige Vergleichsmaßstäbe für die Förderung von Familienunternehmen. Der Länderindex erscheint in zweijährigem Turnus.

 

Die Kartendarstellung zeigt, wie attraktiv die untersuchten Länder als Standort für Familienunternehmen abschneiden. Unter dem Länderkürzel ist der Rang im Länderindex genannt.

Standort für Familienunternehmen | Stiftung Familienunternehmen

 

Die WELT hat die Ergebnisse des Länderindex zusammengefasst unter der Überschrift:  „Es reicht nur zum Mittelmaß“


Eine weitere von der Stiftung initiierte Studienserie befasst sich mit der Frage, wie  Familienunternehmen als Arbeitgeber in der stark umworbenen Gruppe der hochqualifizierten Fach- und Führungskräfte wahrgenommen werden.

Die Basis der Studie bilden wissenschaftlich begleitete Befragungen auf dem „Karrieretag Familienunternehmen“. Die Erhebung, zuletzt 2014 von der TU München aktualisiert, gehört aufgrund der Stichprobengröße von 1.466 Befragten und der großen Zeitspanne, die sie abdeckt, zu den profundesten im deutschsprachigen Raum.

Im Vergleich der Erwartungen von Berufseinsteigern und Young Professionals an den künftigen Arbeitsplatz schneiden Familienunternehmen in zehn von 14 Kriterien besser ab als Nicht-Familienunternehmen. Das betrifft z.B. die „gute Arbeitsatmosphäre“, die „Möglichkeit zu eigenverantwortlichem Arbeiten“  und „flache Hierarchien“. Schwächer werden Familienunternehmen nach Ansicht der Bewerber bei Kriterien wie „Internationalität“ und „Standort“ eingestuft. „Internationale Karrieremöglichkeiten bieten jedoch große Familienunternehmen eher als in der Öffentlichkeit omnipäsente Großkonzerne“, erklärte Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, bei der Vorstellung der Ergebnisse. „Das sollten die Familienunternehmen den Bewerbern künftig viel deutlicher als bisher vor Augen führen.“

 

Kriterien bei der Arbeitgeberwahl:
Vergleich Familienunternehmen / Nicht-Familienunternehmen im Jahr 2013

Kriterien bei der Arbeitgeberwahl | Stiftung Familienunternehmen

Die Nachfolge ist mit der Entwicklung eines Familienunternehmens untrennbar verbunden. Die Einstellungen und Werte der potentiellen Nachfolger spielen dabei eine entscheidende Rolle. Daher erforscht die Zeppelin Universität Friedrichshafen seit vielen Jahren, wie  „Deutschlands nächste Unternehmergeneration“ denkt und handelt. Hinter diesem Titel verbirgt sich die größte empirische Untersuchung dieser Art, die mit Unterstützung der Stiftung Familienunternehmen initiiert wurde und im November 2015 in der dritten Aktualisierung vorgelegt wurde. Die Studie analysiert die Meinungen und Einstellungen der Generation, die in den nächsten Jahren die deutschen Familienunternehmen als Gesellschafter und/oder Geschäftsführer übernehmen wird.

 

B Der wissenschaftliche Beirat

Der Wissenschaftliche Beirat der Stiftung besteht derzeit aus fünf Mitgliedern und berät die Stiftung bei der Ausrichtung ihrer Arbeit. Stiftungsvorstand Prof. Rainer Kirchdörfer leitet das Gremium. Weitere Mitglieder sind:

  • Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Bundesverfassungsrichter a.D., Direktor für Öffentliches Recht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn
  • Prof. Dr. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München
  • Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn , ehem. Präsident des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München
  • Prof. Dr. Kay Windthorst, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Rechtsdogmatik und Rechtsdidaktik der Universität Bayreuth

 

C Förderung von wissenschaftlichen Einrichtungen

Die Stiftung fördert nicht nur einzelne Forschungsvorhaben, sondern hat zudem die Einrichtung von Lehr- und Forschungsinstituten initiiert, in denen sich Wissenschaftler mit dem Unternehmenstyp Familienunternehmen beschäftigen.

Dazu gehören:

Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen (FIF) | Stiftung Familienunternehmen

Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen (FIF)

Im Sommer 2008 wurde mit dem Aufbau des  Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen (FIF) an der Zeppelin Universität Friedrichshafen begonnen. Interdisziplinäre Forschung und Nachfolgequalifizierung sowie eine speziell an den Bedürfnissen von Familienunternehmen orientierte Unternehmerausbildung stehen dabei im Vordergrund. Das bedeutet konkret, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer, Nachfolger und Nachfolgerinnen akademisch qualifizieren können.

 
o	Das Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) | Stiftung Familienunternehmen

Das Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU)

Das  Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) an der privaten Universität Witten / Herdecke wird seit 2005 durch die Stiftung Familienunternehmen und einen Kreis von Familienunternehmen finanziert. Die Ausrichtung des Instituts ist interdisziplinär: Der betriebswirtschaftliche Lehrstuhl fokussiert die besonderen unternehmerischen Fragestellungen eines Familienunternehmens, der juristische Lehrstuhl hält die gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen im Blick und der psychologisch-soziologische Lehrstuhl befasst sich vornehmlich mit dem erfolgskritischen Zusammenspiel von Familie und Unternehmen.

„Dem Institut ist es wie keiner anderen wissenschaftlichen Einrichtung in Deutschland gelungen, neben der betriebswirtschaftlichen Analyse der Erfolgskriterien dieses Unternehmenstyps die zweite Säule ihrer Akzeptanz, nämlich die Familie, in die Gesamtbetrachtung mit einzubeziehen.“

Prof. Hennerkes
 
Forschungsstelle für Familienunternehmen (FoFamU)  | Stiftung Familienunternehmen

Die Forschungsstelle für Familienunternehmen (FoFamU) an der Universität Bayreuth

Im Mai 2012 wurde die  Forschungsstelle für Familienunternehmen an der Universität Bayreuth gegründet, die als erste in Deutschland an einer öffentlichen Universität angesiedelt ist. Im Rahmen der FoFamU wirken sieben rechtswissenschaftliche und sieben wirtschaftswissenschaftliche Lehrstühle zusammen. Zudem ist die Forschungsstelle mit insgesamt 50 Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern interdisziplinär ausgerichtet und arbeitet mit weiteren Forschungseinrichtungen der Universität Bayreuth zusammen. Neben der Beratung der Familienunternehmen zu Unternehmensrecht und -führung, bietet das FoFamU Workshops zu wichtigen rechtlichen und wirtschaftlichen Themen an und veranstaltet Tagungen zu aktuellen und grundlegenden Themen von Familienunternehmen.

 
Institut für Familienunternehmen - Ostwestfalen-Lippe (iFUn) | Stiftung Familienunternehmen

Institut für Familienunternehmen - Ostwestfalen-Lippe (iFUn)

Das  Institut für Familienunternehmen – Ostwestfalen-Lippe (iFUn) sowie eine dort angesiedelte Stiftungsprofessur „Führung von Familienunternehmen“ wurden auf Initiative des Kurators der Stiftung Familienunternehmen, Ortwin Goldbeck, 2012 ins Leben gerufen und von der Stiftung Familienunternehmen wie auch von großen Familienunternehmen und Institutionen in Ostwestfalen für zehn Jahre finanziert. Anschließend wird die Universität Bielefeld die Finanzierung übernehmen. Die Einrichtung ist an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften unter der Leitung von Prof. Fred G. Becker angesiedelt.

Das Institut für Familienunternehmen arbeitet fakultätsübergreifend und interdisziplinär. Zentraler Baustein ist, den Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in Zusammenarbeit mit den Stiftern in die regionale Wirtschaft zu erleichtern. Zum Wintersemester 2015 / 2016 hat Prof. Dr. Christina Hoon die Stiftungsprofessur übernommen. Die Gewinnung von Nachwuchsführungskräften, das „Employer Branding“ und weitere Themen zur Unternehmens- und Personalführung von Familienunternehmen bilden die Schwerpunkte der Professur.

 

Daneben unterstützt die Stiftung die Erstellung von Dissertationen und Diplomarbeiten zu ausgewählten Themen im Bereich der Forschung zu Familienunternehmen.