Impfstoff statt „Künstliches ökonomisches Koma“
Januar, 2021

Impfstoff statt „Künstliches ökonomisches Koma“

Mit großer Sorge ist die jüngst, vorwiegend in der Politik, im Kampf gegen die Corona-Pandemie entbrannte Debatte über weiter einschränkende Maßnahmen für die gesamte deutsche Wirtschaft wahrzunehmen.

Ein vollumfänglicher Wirtschafts-Lockdown würde hierbei ganz gewiss einen nachhaltigen makroökonomischen und sozialen Schaden anrichten. Dies nicht nur in Deutschland, sondern auch durch die miteinander eng verwobenen Wertschöpfungsketten mindestens innerhalb der Europäischen Union. Die deutsche und die europäische Wirtschaft würden in eine tiefere Rezession schlittern und weitere Arbeitsplatz- und Wohlstandsverluste sowie soziale Verwerfungen wären vorprogrammiert.

Die Corona-Krise der Jahre 2020/2021 kann in der Folge zu einer Finanz- und Bankenkrise mutieren. Anders als in den Jahren 2008/2009, ist jetzt der Auslöser die arg gebeutelte Realwirtschaft. Finanzwirtschaftliche und realwirtschaftliche Effekte folgen aufeinander und eine kurzfristige gesamtwirtschaftliche Erholung wird somit deutlich erschwert. Ein Herunterfahren der Wirtschaft - das Versetzen in ein „Künstliches Koma“ - würde in eine länger anhaltende, ökonomische Depression resultieren.

Nicht absehbar und schwieriger zu bewerten ist dagegen, ob ein vollumfänglicher Wirtschafts-Lockdown tatsächlich effektiv sein wird, um die Inzidenzwerte zu reduzieren. Hierzu gibt es allenfalls widersprüchliche Daten und Auswertungen. Eine Vielzahl von Unternehmen setzt bereits Hygiene- und Homeoffice-Konzepte vorbildlich um und geht in der Umsetzung von Pandemie-Vorschriften über das gesetzlich Erforderliche hinaus.

Die Unternehmen des produzierenden Gewerbes haben sehr hohe Hygienestandards bezüglich ihrer Produktions- und Logistikprozesse umgesetzt und beispielsweise Schichten entzerrt. Sie haben dem gegenwärtigen digitalen Zeitalter entsprechend, teilweise hohe Investitionen in elektronische Technologien zur Einhaltung der Mindestabstände und in Software zur Nachvollziehung von Infektionsketten getätigt.

Die Bemühungen und Investitionen, die dem größtmöglichen gesundheitlichen Schutz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Kunden und Lieferanten zu gewährleisten, findet man auch in bereits heruntergefahrene Wirtschaftszweige vor. Jedoch den kompletten Lockdown der Wirtschaft aus einem Solidaritäts- und Gerechtigkeitsempfinden mit diesen benachteiligten Wirtschaftszweigen zu postulieren, führt in eine Sackgasse. Denn jeder einzelne Wirtschaftszweig benötigt in der Zukunft zahlungskräftige und solvente Kunden.

Es ist Aufgabe der politischen Mandatsträger, eine schwierige und gewichtete Abwägung zwischen dem Schutz der Gesundheit und den wirtschaftlich-sozialen Bedürfnissen sowie den berechtigten Wohlstandsansprüchen der Bevölkerung vorzunehmen. Einen Ausweg aus diesem politisch-ethisch-ökonomischen Dilemma, sollte jedoch eine konsequent und beschleunigt umgesetzte Impfstrategie bieten:

Das Corona-Virus ist zwischenzeitlich erschreckenderweise derart mutiert, dass es infektiöser ist. Dies erfordert nun zwingendermaßen eine „Mutation“ der Impfstrategie. Die Impfstrategie muss also revidiert, verbessert und vor allen Dingen mit deutlich mehr Tempo umgesetzt werden.

Es bedarf eines nationalen Kraftaktes die Ausbringung der Impfstoff-Produktion dramatisch zu erhöhen. Hierzu ist ein Schulterschluss innerhalb der deutschen pharmazeutischen Industrie notwendig. Der deutschen Wirtschaft ist es schließlich gelungen, den ersten Impfstoff zu entwickeln, der sowohl von der US-amerikanischen als auch von der europäischen Gesundheitsbehörde freigegeben wurde.

Dies ist ein großartiger Erfolg, der Mut machen sollte, nun in einem weiteren Schritt die hervorragende Leistungsfähigkeit der deutschen pharmazeutischen Industrie einmal mehr unter Beweis zu stellen und alles wirtschaftlich, rechtlich, politisch und technologisch Notwendige zu unternehmen, damit schneller geimpft werden kann.

Schließlich könnte das beschriebene politisch-ethisch-ökonomische Dilemma auf diese Weise gemeinsam mit den Sozialpartnern gelöst werden. Die Kosten der Umsetzung einer intelligenteren Impfstrategie sind im Vergleich zu den Kosten und dem Schaden eines kompletten wirtschaftlichen Lockdowns ganz gewiss homöopathisch.


Die Wilo Gruppe ist einer der weltweit führenden Premiumanbieter von Pumpen und Pumpensystemen für die Gebäudetechnik, die Wasserwirtschaft und die Industrie. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 8.000 Mitarbeiter weltweit und erzielte im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von mehr als 1,5 Mrd. Euro. 2021 gewann Wilo den Deutschen Nachhaltigkeitspreis.