Stiftung Familienunternehmen | Stellungnahme „Bundesverfassungsgericht verhandelt Erbschaftsteuer“
Berlin, 09.07.2014

Erbschaftsteuer - Ohne Verschonung fallen sechs Jahresgewinne weg

Mündliche Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer


Karlsruhe, den 8. Juli 2014

Auszüge aus der Stellungnahme von Prof. Rainer Kirchdörfer,
Vorstand und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Familienunternehmen:

„Eine Erbschaftsteuer ohne Verschonung für Betriebsvermögen würde die Investitionsfähigkeit deutscher Familienunternehmen und ihre Wettbewerbsposition deutlich schwächen.“

„Eine Beispielsrechnung belegt dies: Ein größeres Familienunternehmen erwirtschaftet 200 Mio. Euro Umsatz und einen Gewinn von brutto 10 Mio. Euro. Der Unternehmenswert (nach vereinfachtem Ertragswertverfahren) liegt bei 100 Mio. Euro. Bei einem Generationswechsel beläuft sich die Erbschaftsteuerbelastung ohne Verschonung des Betriebsvermögens auf insgesamt 30 Mio. Euro. Zur Begleichung dieser Erbschaftsteuer bedarf es eines Unternehmensgewinnes vor Steuern von 60 Mio. Euro. Somit sind mindestens sechs Jahre erforderlich, in denen die Gewinne des Unternehmens vollständig an die Gesellschafter zu diesem Zweck ausgeschüttet werden müssen.“

„Wenn über mehrere Jahre hinweg Gewinne eines Unternehmens dazu verwendet werden müssen, um die Erbschaftsteuerbelastung der Eigentümer abzudecken, wird dies mit negativen Folgen für Investitionen, Arbeitsplätze und den langfristigen Erhalt des Unternehmens verbunden sein.“

„Zudem benachteiligt die Erbschaftsteuer Familienunternehmen gegenüber Konzernen im Streubesitz, gegenüber Unternehmen in öffentlicher Hand und gegenüber Unternehmen, die von ausländischen Investoren gehalten werden. Sie sind von der Entnahmeproblematik nicht betroffen, da entweder die Anteilseigner keine Erbschaftsteuer entrichten müssen oder wie im Fall einer Gesellschaft im Streubesitz die Aktionäre keinen unmittelbaren Einfluss auf die Ausschüttungspolitik ausüben.“

„Sofern auf Unternehmerseite Privatvermögen vorhanden ist, unterliegt dieses als solches der Erbschaftsteuer. In nur wenigen Fällen ist bei größeren Familienunternehmen davon auszugehen, dass außerhalb des Unternehmens ein Bestand liquider Mittel aufgebaut werden konnte, der es ermöglicht, eine volle Erbschaftsteuerbelastung ohne Verschonungsabschlag auf das unternehmerische Vermögen auch nur annähernd abzudecken.“
 
Andre Tauber
Leiter Kommunikation

Stiftung Familienunternehmen
Prinzregentenstraße 50
D-80538 München

Telefon: +49 (0) 89 / 12 76 400 06

E-Mail: tauber(at)familienunternehmen.de
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