München, 11.06.2015

Stiftung Familienunternehmen: Erbschaftsteuer-Reform wirft Deutschland im internationalen Standortvergleich weit zurück

Wenn der aktuell vorgelegte Referentenentwurf zur Erbschaftsteuer Gesetz werden sollte, würde sich die steuerliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Vergleich zu anderen europäischen Industriestaaten deutlich verschlechtern. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Stiftung Familienunternehmen in Auftrag gegebene Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Die Wissenschaftler haben die Auswirkungen des Eckpunktepapiers und des Referentenentwurfs aus dem Bundesfinanzministerium auf die Gesamtsteuerbelastung untersucht. Deutschland würde danach im Vergleich von 18 OECD-Staaten vom aktuellen Rang 13 in der Gesamtsteuerbelastung auf Rang 15 (Reduzierung des Verschonungsabschlags) oder sogar Rang 18 (Wegfall des Verschonungsabschlags) zurückfallen. Berechnet wurde die Wirkung am Beispiel eines Modellunternehmens (Betriebsvermögen nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren 102,9 Millionen Euro), das einem typischen großen, global agierenden Familienunternehmen entspricht.

„Große Familienunternehmen stehen heute im harten internationalen Wettbewerb. Der Verschonungsabschlag für Betriebsvermögen bestimmt maßgeblich die Höhe der Erbschaftsteuerbelastung von Familienunternehmen. Die Untersuchung des ZEW zeigt, dass die derzeit geplanten Verschlechterungen der Verschonung die Attraktivität des Standorts Deutschlands im internationalen Vergleich spürbar mindern“, erklärte Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Das ZEW hat verschiedene Übertragungskonstellationen geprüft. Werden die Unternehmensanteile zum Beispiel an ein Kind vererbt, liegt Deutschland bisher mit einer Erbschaftsteuerbelastung des Modellunternehmens von 11,2 Mio. EUR auf dem 13. Rang. Bei Umsetzung des Eckpunktepapiers oder des Referentenentwurfs fällt Deutschland in beiden Fällen deutlich zurück auf Rang 16. Ohne Verschonungsabschlag (Belastung: 37,2 Mio. EUR) nähert sich Deutschland stark an das Hochsteuer-Land Belgien (39,3 Mio. EUR) auf dem vorletztem Platz an. Nach dem Abschmelzmodell aus dem Referentenentwurf würde der Verschonungsabschlag von bisher 85 auf 30 Prozent absinken. Das Modellunternehmen würde in der Folge mit 28,1 Mio. EUR belastet und zwischen Dänemark und Ländern mit sehr hoher Erbschaftsteuer wie Belgien und USA platziert.

Abbildung: Erbschaftsteuerbelastung in Mio. EUR bei Vererbung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft an ein Kind

Erbschaftsteuerbelastung in Mio. EUR bei Vererbung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft an ein Kind
 

„Die Umsetzung der Reformentwürfe würde aufgrund der aufgezeigten Mehrbelastungen zu einer Abnahme der steuerlichen Standortattraktivität Deutschlands führen. Darüber hinaus stehen die avisierten Verschärfungen bei der Belastung von Betriebsvermögen im Gegensatz zu den Entwicklungen der Praxis anderer europäischer Länder bei der erbschaftsteuerlichen Behandlung gewerblichen Vermögens“, resümierte Prof. Friedrich Heinemann vom ZEW.

Das ZEW errechnet alle zwei Jahre im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen den „Länderindex Familienunternehmen“. Dieser Standortvergleich ist einzigartig in seiner Konzentration auf die Faktoren, die für Familienunternehmen wichtig sind. Besonders am Länderindex ist, dass er nicht auf Befragungen von Unternehmern oder Managern beruht, sondern auf statistisch messbaren Daten und Fakten.

Andre Tauber
Leiter Kommunikation

Stiftung Familienunternehmen
Prinzregentenstraße 50
D-80538 München

Telefon: +49 (0) 89 / 12 76 400 06

E-Mail: tauber(at)familienunternehmen.de
Internet: www.familienunternehmen.de

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