Vermögensteuer: Gesamtbelastung für Familienunternehmen zehrt Gewinn auf
München, 29.05.2017

Vermögensteuer: Gesamtbelastung für Familienunternehmen zehrt Gewinn auf

Würde Deutschland in der kommenden Legislaturperiode eine Vermögensteuer einführen, so wäre es eines von nur drei EU-Ländern, die beides hätten: eine Vermögensteuer und eine Erbschaftsteuer. „Aus dem Zusammenspiel von Einkommen-, Erbschaft- und Vermögensteuer könnten eine konfiskatorische Belastung und effektive Steuersätze von über 100 Prozent resultieren“, sagt Prof. Christoph Spengel vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). „In diesem Fall wird der Vermögensertrag vollständig wegbesteuert und der Rest der Steuerzahlung müsste aus der unternehmerischen Substanz entrichtet werden“, fasst Spengel eines der Ergebnisse aus der nun veröffentlichten Studie „Die Entwicklung der Vermögensteuer im internationalen Vergleich“ zusammen, die das ZEW im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt hat.

Familienunternehmen haben gegenüber anderen Unternehmenstypen Nachteile, da bei ihnen im Durchschnitt alle 30 Jahre im Generationenverlauf die Erbschaftsteuer der Eigentümerfamilie entzogen werden muss. Der Gesetzgeber hat zwar Erleichterungsmöglichkeiten bei der Erbschaftsteuer vorgesehen, die Verschonung ist aber an teilweise kaum erfüllbare und teils kontraproduktive Voraussetzungen geknüpft. So darf der Unternehmer beispielsweise dem Betriebsvermögen über viele Jahre nur wenig Liquidität entziehen. „Eine Vermögensteuer – wie auch schon die Erbschaftsteuer – würde den Familienunternehmer aber regelmäßig dazu zwingen, Geld aus dem Betriebsvermögen zu entnehmen. Anders kann die Steuerschuld des Unternehmers in der Regel nicht beglichen werden“, sagt Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Die Effektivsteuerbelastung von Unternehmen durch Körperschaft- und Gewerbesteuer ist in Deutschland außerdem seit 2009 um gut zwei Prozent gestiegen. Innerhalb der EU ist sie dagegen um durchschnittlich fünf Prozent zurückgegangen. „Insgesamt fällt Deutschland aufgrund der seit Jahren unveränderten steuerlichen Rahmenbedingungen innerhalb von EU-weiten Steuerbelastungsvergleichen bereits jetzt immer weiter zurück“, warnt Studienautor Spengel.

 

Entwicklung der Effektivsteuerbelastung von Unternehmen in Deutschland (2009 - 2015)

 

Die Wiedereinführung einer Vermögensteuer in Deutschland würde dem langfristigen internationalen Trend zuwiderlaufen, wie die Studie weiter herausstellt. Lediglich fünf der 31 untersuchten OECD-Staaten erheben noch eine Vermögensteuer, deren Ertrag zudem teilweise nur im Promillebereich des Gesamtsteueraufkommens liegt.

Vor allem deutsche Familienunternehmen würden durch die Wiedereinführung einer Vermögensteuer – je nach deren Ausgestaltung – im internationalen Belastungsvergleich und gegenüber Nicht-Familienunternehmen deutlich schlechter gestellt. Für den Staat wäre es aus Sicht der Wissenschaftler ökonomischer, Vollzugsdefizite bei den 42 bereits bestehenden Steuerarten zu beheben, anstatt eine 43. Steuerart mit hohem Verwaltungsaufwand einzuführen.

Die ZEW-Studie „Die Entwicklung der Vermögensteuer im internationalen Vergleich“ steht ab sofort unter www.familienunternehmen.de zum Download bereit.

Weitere Informationen:

Susanne Schulz
Referentin Kommunikation und Programme

Stiftung Familienunternehmen
Prinzregentenstraße 50
D-80538 München

Telefon: + 49 (0) 89 / 12 76 400 072

E-Mail: schulz(at)familienunternehmen.de
Internet: www.familienunternehmen.de


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