Es ist wichtig, dass die Politik jetzt Vertrauen schafft
München, 20.03.2020

„Es ist wichtig, dass die Politik jetzt Vertrauen schafft“

Déjà-vu in Krisenzeiten: Oft werden die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie mit der Finanzkrise von 2008/09 verglichen. So unterschiedlich die ökonomischen Schockwellen auch sind, gibt es doch Gemeinsamkeiten: Bund, Länder, Städte und Behörden zeigen, dass sie in Stresssituationen schnell und richtig handeln. Das ist ermutigend. Die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen für Bürger und Familienunternehmen sind gravierend. Umso wichtiger ist es, dass die Politik Vertrauen schafft. Wie zu Zeiten der Finanzkrise kann dies Deutschland auch dieses Mal gut gelingen. Dafür ist es notwendig, dass die Regierung erkennbare Konstruktionsfehler bei Hilfsprogrammen beseitigt.

Ähnlich wie in der Finanzkrise muss im Vordergrund stehen, die negativen wirtschaftlichen Folgen einzudämmen. Drohte damals die Kernschmelze des Finanzsystems, gilt es nun, den Kollaps der Realwirtschaft zu verhindern. Hoffnung macht, dass die Bundesregierung nach dem Motto „viel hilft viel“ verfährt. Das Instrument der Kurzarbeit hat sich bewährt. Eine entscheidende Rolle kommt den Schutzschirmen des Bundes mit einem Volumen von einer halben Billion Euro zu.

Es reicht aber nicht, hohe Bürgschaften ins Schaufenster zu stellen. Entscheidend ist, dass die staatlichen Garantien eingesetzt werden, um die Betriebe mit Krediten zu versorgen. Erste Erfahrungen unserer Familienunternehmen zeigen, dass hier dramatische Engpässe drohen. Die staatliche KfW-Bank vergibt die Kredite, doch beantragt werden müssen sie über die Hausbanken. Der Staat sichert zwar den Großteil des Risikos ab, doch Banken und Sparkassen müssen einen Eigenanteil tragen. Das erfordert aufwendige Prüfungen, für die keine Zeit vorhanden ist. Viele Unternehmen erleben zurzeit, wie das Geschäft wegbricht. Sie benötigen dringend Liquidität. Die Herausforderung liegt darin, die staatlichen Bürgschaften in Millionen von Kreditbewilligungen umzumünzen.

Nur wenn der Staat rasch und unbürokratisch Liquiditätshilfen auszahlt, können coronabedingte Insolvenzen vermieden werden. Weil Kreditinstitute und Förderbanken einen noch nie dagewesenen Ansturm zu bewältigen haben, müssen Bund und Länder den Mut zu Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren haben. Nur so erreicht das Geld schnell die Betroffenen. Wichtig ist aus Sicht der Familienunternehmen eine weitere Maßnahme: Die Regeln zur Insolvenzantragspflicht müssen gelockert werden. Unternehmen, die unter den Folgen der Corona-Krise leiden, dürfen in der nächsten Zeit nicht gezwungen werden, den Antrag auf Insolvenz stellen zu müssen. Auch hier drängt die Zeit.

Die Erfahrungen aus der Finanzkrise lehren, dass die Politik schon jetzt an die Zeit nach der Krise denken muss. Für einen schnellen Neustart ist es wichtig, dass die vorhandenen Strukturen mit Klein- und Handwerksbetrieben, Familienunternehmen und Großkonzernen intakt bleiben. Die Familienunternehmen haben in der Weltwirtschaftskrise 2008/09 bewiesen, dass sie einen langen Atem mitbringen, ihre Mitarbeiter halten wollen und zur Stabilisierung in Krisenzeiten Privatvermögen einsetzen. Diese bewährte Landschaft der Familienunternehmen brauchen wir auch nach der Pandemie. Wenn alle Akteure mit dieser Entschlossenheit an die Sache herangehen, werden wir die Herausforderung bewältigen.

Der Gastbeitrag ist zuerst in der WELT erschienen.

Weitere Informationen zum Thema sowie Ideen und Erfahrungen von Familienunternehmen unter familienunternehmen.de/fokus/familienunternehmen-und-corona

Weitere Informationen:

Andre Tauber
Leiter Kommunikation

Stiftung Familienunternehmen
Prinzregentenstraße 50
D-80538 München

Telefon: +49 (0) 89 / 12 76 400 06
Mobil: +49 (0) 172 / 63 190 09

E-Mail: tauber(at)familienunternehmen.de
Internet: www.familienunternehmen.de


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