Presseschau

Die Stiftung Familienunternehmen steht beim Thema Corona-Krise als Ansprechpartner für Medien zur Verfügung, um die wirtschaftliche Situation einzuordnen und Wege aus der Krise aufzuzeigen. Im Folgenden werden ausgewählte Artikel, Gastbeiträge und Interviews aufgeführt.  


Leistung im Homeoffice bleibt umstritten


München, 14.11.2020

dpa-Presseartikel

Viele Unternehmen äußern in einer Umfrage Zweifel an der Produktivität. Die SPD will Arbeit von zuhause stärken.

Unternehmen in Deutschland sehen einer Umfrage zufolge das Homeoffice weit weniger positiv als viele Arbeitnehmer. Demnach bemerkt nur eine kleine Minderheit von 5,7 Prozent der Unternehmen eine Steigerung der Produktivität beim mobilen Arbeiten. Dagegen melde ten 30,4 Prozent der Firmen unveränderte und 27 Prozent sogar gesunkene Produktivität ihrer Belegschaften. Für die übrigen befragten Unternehmen ist Homeoffice nicht relevant. Dies ist zum Beispiel im Bau- oder Dienstleistungssektor häufig der Fall. Das Münchner Ifo-Institut befragte im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen im Oktober dazu 1097 Unternehmen. Die Frage, ob die Tätigkeit im Heimbüro die Produktivität steigert oder nicht, ist ein politischer Zankapfel. Im Sommer hatte die Krankenkasse DAK nach der Befragung von 7000 Arbeitnehmern mitgeteilt, dass eine Mehrheit von 56 Prozent sich selbst im Homeoffice produktiver einschätze. Die DAK-Studie dient der SPD als Schützenhilfe für ihre Forderung eines gesetzlich verankerten Rechts auf Homeoffice. Auch aus anderen Ländern gibt es Studien und Umfragen zu dem Thema, mit widersprüchlichen Ergebnissen.

Ein Kompromissvorschlag von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) scheint die Debatte um ein mögliches Recht auf Homeoffice nicht voranzubringen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erteilte dem neuen Angebot Heils zügig eine Absage. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag) hatte Heil gesagt: "Da die Union bei dieser Frage offensichtlich noch nicht im Jahre 2020 angekommen ist, bin ich bereit, den Anspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr zurückzustellen."

Altmaier antwortete in der "Bild am Sonntag" und blieb damit bei seiner bisherigen Position: "Ich habe keinerlei Sympathie für Rechtsansprüche, die nur einigen wenigen Arbeitnehmern zugutekommen." Unternehmen sollten in Corona-Zeiten so viel Homeoffice ermöglichen, "wie es nur irgendwie geht, und das tun sie ja auch", führte Altmaier aus. Aber dies sei eine Ausnahmesituation. "Der Gesetzgeber sollte nicht alles mit Regularien verpflichtend bestimmen."

Anfang Oktober hatte Heil ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice vorgeschlagen, das unter anderem vorsah, dass Beschäftigte bei einer 5-Tage-Woche 24 Tage im Jahr mobil oder im Homeoffice arbeiten dürften. Das lehnen Wirtschaftsverbände und die Union ab. Ende Oktober legte der Arbeitskreis Zukunft der Unions-Bundestagsfraktion einen Gegenentwurf vor.

Konkret will Heil nun, dass Arbeitnehmer das Recht auf ein Gespräch mit ihrem Arbeitgeber zum Thema Homeoffice bekommen. "Der Arbeitgeber darf den Wunsch dann nicht einfach so vom Tisch wischen, sondern muss gut begründen, warum es mit dem mobilen Arbeiten aus betrieblichen Gründen nicht geht." Mit dieser Änderung komme er der Union "weit entgegen", sagte Heil. "Wenn sie guten Willens ist, können wir rasch ein Gesetz machen. Ich will, dass das noch in diesem Jahr gelingt. Denn das schafft endlich Rechtssicherheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer."

Wie Altmaier rückte auch der Stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Carsten Linnemann, am Samstag nicht von seiner Haltung ab. "Viele Mittelständler kämpfen derzeit ums Überleben, und neue Auflagen sind das Letzte, was sie gebrauchen können", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Eine Stellschraube sei möglicherweise das Zeitarbeitsgesetz, das aus Linnemanns Sicht aus der Zeit gefallen ist. "Hier könnte Arbeitsminister Hubertus Heil wirklich einmal etwas Gutes für Arbeitnehmer und Mittelständler tun, indem er sich nicht gegen eine Modernisierung der Arbeitszeiten im Rahmen der europäischen Vorgaben sperrt."

Die "Wirtschaftsweise" Monika Schnitzer lehnte in der "Rheinischen Post" eine gesetzliche Verankerung von Homeoffice ebenfalls ab. Diese greife in die Vertragsfreiheit und die Tarifautonomie ein. Grundsätzlich sei Homeoffice aber eine Erfolgsgeschichte: "Wir sparen Pendelzeit, können uns die Zeit besser einteilen, konzentrierter arbeiten und vermeiden Leerzeiten. Allerdings verlieren wir den Kontakt im Büro, Kommunikation erzeugt eben auch eine höhere Produktivität."

Einen klar positiven Effekt des Homeoffice zeigt eine Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW): "Vor allem die Arbeit der Beschäftigten gestaltet sich in vielen Unternehmen sichtbar digitaler als vor der Krise", sagte ZEW-Experte Daniel Erdsiek. Grund dafür dürfte besonders die Verlagerung der Arbeit vom Büro ins Homeoffice sein. Bei der Umfrage berichteten 40 Prozent der Firmen aus der Informationswirtschaft und 25 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe von Fortschritten bei der Digitalisierung der Angebotspalette, ihrer Geschäftsprozesse oder der Arbeit ihrer Mitarbeiter.

Mit freundlicher Genehmigung der dpa

Familienunternehmen nutzen staatliche Hilfen zurückhaltend


München, 09.11.2020

dpa-Presseartikel

Familienunternehmen in Deutschland nutzen staatliche Hilfsmaßnahmen laut einer Umfrage eher zurückhaltend. Demnach greift mehr als die Hälfte der Firmen auf Kurzarbeit zu, die aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert wird. Steuerstundungen nehmen rund 36 Prozent in Anspruch. Deutlicher seltener wurden mit knapp 19 Prozent Soforthilfen genutzt sowie Kredite (10 Prozent) und Mietstundungen (6,8 Prozent). Elf Prozent der Unternehmen leiteten Werks- oder Standortschließungen ein.

Das sind die Ergebnisse repräsentativer Befragungen der Stiftung Familienunternehmen, die vom Münchner Ifo-Institut für den Jahresmonitor der Stiftung erhoben wurden. Für die Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wurden von Mai bis Juni 2 452 Unternehmen befragt. Im Oktober nahmen aus diesem Kreis 1 104 Firmen erneut an der Umfrage teil.

Die Politik hatte in der Corona-Krise milliardenschwere Hilfsprogramme beschlossen, um Jobs und Firmen zu sichern. Die meisten Unternehmen bräuchten keine "staatliche Alimentierung", alle aber gute und solide Rahmenbedingungen, um Eigenkapital und Liquidität zu sichern und aufzubauen, so Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Eine deutliche Ausweitung der steuerlichen Verlustrückträge wäre das beste Mittel, um die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen in der Krise zu steigern.

Dies fordert die Wirtschaft seit langem. Unternehmen sollen damit krisenbedingte Verluste mit Gewinnen aus den Vorjahren steuerlich verrechnen können. In der schwarz-roten Koalition ist eine Ausweitung dieses Instruments aber umstritten.

Weiter hieß es in der Studie, die Pandemie habe nicht zu flächendeckenden Verlagerungen von Produktion ins Ausland oder im Inland geführt. Für den bisweilen vermuteten Trend zu einer "Deglobalisierung" der Lieferketten biete die Umfrage keine Belege, heißt es. Eine Verlagerung von Lieferketten nach Deutschland oder ins Ausland planen demnach nur drei beziehungsweise zwei Prozent der Unternehmen. Wichtiger sei für die Unternehmen der Ausbau der Lagerhaltung oder Änderungen des Zuliefernetzes.

Mit freundlicher Genehmigung der dpa

Schnelles Netz für Unternehmen wichtig gegen künftige Krisen


München, 17.08.2020

dpa-Presseartikel

Der Ausbau des schnellen Breitband-Internets ist laut einer neuen Umfrage für die ganz große Mehrheit der deutschen Unternehmen die beste Vorbeugung gegen künftige Krisen. Mehr als 90 Prozent der befragten 2452 Firmen antworteten, dass ein weiterer Ausbau der digitalen Infrastruktur geeignet oder sehr geeignet sei, um die deutsche Volkswirtschaft widerstandsfähiger zu machen, wie das Münchner Ifo Institut und das Mannheimer Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen ermittelt haben. Mehr als die Hälfte der Unternehmen würde das sogar für eine «sehr geeignete» Maßnahme halten, um für künftige Krisen besser gewappnet zu sein.

«Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass in vielen Regionen Deutschlands die Breitbandversorgung noch unzureichend ist», sagte Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung. In der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen demnach Geld für die Digitalisierung der Arbeitsabläufe in die Hand genommen. 56 Prozent der befragten Unternehmen erweiterten die Möglichkeit für die Arbeit im Heimbüro. Und vor allem größere Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern investierten in die Digitalisierung ihres Vertriebs (41,3 Prozent).

Die Stiftung lässt für ihren Jahresmonitor wechselnde Themen bei den teilnehmenden Unternehmen abfragen. Die Studie soll im September veröffentlicht werden.

Mit freundlicher Genehmigung der dpa

Gastbeitrag von Prof. Rainer Kirchdörfer in der F.A.Z.


München, 24.06.2020

Vorsicht Steuerfalle

In der Corona-Krise droht Familienunternehmen wegen der Kurzarbeit unerwartet Ärger.

Die Bundesregierung agiert in der Krise nach dem Motto „Nicht kleckern, sondern klotzen“. Der Koalitionsausschuss verständigte sich vergangene Woche auf ein Konjunkturprogramm im Umfang von 130 Milliarden. Die Maßnahmen folgen auf ein „Corona-Steuerhilfegesetz“, das der Bundestag Ende Mai verabschiedete. Das Ziel: Die von der Corona-Pandemie gezeichnete deutsche Volkswirtschaft soll wieder zum Wachstum zurückfinden.

Es ist richtig, dass wir auch Steuergeld aufwenden, um unsere Volkswirtschaft wieder zu beleben. Der Gesetzgeber sollte aber auch sicherstellen, dass kein Unternehmen nur aufgrund der Pandemie steuerlich benachteiligt wird. Ein Beispiel ist die Erbschaft- und Schenkungssteuer. Wegen der Kurzarbeit droht vielen Familienunternehmen eine unverschuldete und allein mit der Pandemie zu begründende Sonderbelastung und damit ein massiver Liquiditätsentzug.

Konkret geht es um die Lohnsummenklausel. Zum Schutz der Arbeitsplätze und zur Stabilisierung unserer Volkswirtschaft hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, in bestimmten Grenzen erbschaftsteuerliche Belastungen beim Generationenübergang zu verringern. Bedingung dafür ist unter anderem die Fortführung des Unternehmens zum Erhalt der Arbeitsplätze. Gemessen wird dies anhand einer sogenannten Lohnsummenklausel. Der durchschnittlich in den fünf Jahren vor dem Unternehmensübergang gezahlte Arbeitslohn wird als Ausgangspunkt genommen (Ausgangslohnsumme). Wurde von der Vollverschonung von Erbschaftsteuer für das begünstigte Unternehmensvermögen Gebrauch gemacht, muss diese Ausgangslohnsumme in den kommenden sieben Jahren im Durchschnitt zu 100% gehalten werden, um den vollen Verschonungsabschlag zu erhalten. Summiert auf sieben Jahre müssen somit 700% der ermittelten Ausgangslohnsumme erreicht werden.

Aufgrund des noch nie dagewesenen Umfangs an Kurzarbeit droht Unternehmen, die in den letzten Jahren im Rahmen einer schenkweisen Vorwegnahme der Erbfolge oder erbfallbedingt einen Generationswechsel hatten, eine Verletzung dieser Lohnsummenklausel. Die Kurzarbeit führt zu gekürzten Zahlungen an die betroffenen Arbeitnehmer, wodurch sich der Lohnaufwand der Unternehmen verringert. Das Kurzarbeitergeld beträgt grundsätzlich nur sechzig Prozent des Nettolohns, so dass eine entsprechend große Lücke zum Betrag des normalen Bruttolohnaufwands verbleibt.

Diese Lücke wird noch größer, wenn das Unternehmen Mitarbeiter in anderen EU-Mitgliedstaaten, die aus europarechtlichen Gründen in die Betrachtung einzubeziehen sind, beschäftigt. Häufig sind dort Kurzarbeitsregeln bisher unbekannt. Das könnte sich zwar durch das SURE-Programm der EU-Kommission ändern, das mit 100 Milliarden Euro die Folgen der Krise auf dem Arbeitsmarkt abmildern soll, doch auch hier wird eine Lücke bleiben, die mit zunehmender Dauer der Krise an Relevanz gewinnt. Der Gesetzgeber sollte daher die Lohnsummenregel um die einmaligen Kriseneffekte bereinigen. Eine vorübergehende standardisierte Krisenanpassung für die Lohnsummenklausel – beispielsweise eine Absenkung der zu erreichenden Lohnsumme um 50 bis 100 Prozentpunkte, im Falle der Vollverschonung somit von 700% auf 650% oder 600% – wäre eine Möglichkeit.

Ein solcher Schritt wäre auch im volkswirtschaftlichen Interesse. Die Forschung zeigt, dass Familienunternehmen ein stabilisierendes Element unserer Volkswirtschaft sind. Nach der vergangenen Finanzkrise waren es vor allem sie, die zu Wachstum und Beschäftigung beitrugen, das zeigt eine mehrjährige Studienreihe im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Die 500 größten Familienunternehmen steigerten ihre Beschäftigung in Deutschland zwischen 2007 und 2016 um 23 Prozent, die Dax-Konzerne, die keine Familienunternehmen sind, schafften nur ein Plus von vier Prozent.

Gastbeitrag für „Steingarts Morning Briefing“ von Prof. Rainer Kirchdörfer zum Konjunkturpaket


München, 15.06.2020

Mit Gießkannenpolitik entsteht kein dauerhaftes Wachstum

„Über den Geldbeutel erreichst du die Leute“, lautet ein Sprichwort. Die moderne Politik hat diesen Leitsatz zur Regierungsform erklärt. Der Beifall ist der Bundesregierung sicher, wenn das Bundeskabinett heute das Konjunkturpaket auf den Weg bringt. Oberste Maxime beim Füllen des Geschenkkorbs: Jeder bekommt etwas. Eines der teuersten Präsente ist die Mehrwertsteuersenkung. Insgesamt lässt die große Koalition 57 Wünsche in Erfüllung gehen. Auch für Entwicklungshilfe sind im Konjunkturpaket zusätzlich drei Milliarden Euro vorgesehen. Da geraten Verbesserungen im Unternehmenssteuerrecht zur Randnotiz. Dass der Staat in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit in die Vollen gehen muss, ist unstrittig. Angesichts der bisher einmaligen Dimension des Konjunkturpakets sollte aber mehr herauskommen als das Prinzip Hoffnung. Die schwarz-rote Geldkanone muss neu eingestellt werden.  

Die Regierung will ein Konsumfeuerwerk zünden. Die Kurzzeitsenkung des Mehrwertsteuersatzes soll Verbraucher dazu bewegen, Anschaffungen vorzuziehen. Ob das Kalkül aufgeht, ist zweifelhaft: Die Mehrwertsteuersenkung kommt nicht nur die öffentlichen Kassen mit 20 Milliarden Euro teuer zu stehen, sondern auch die Unternehmen, die die Steueränderung umsetzen müssen. Weil auch jeder kleine Einkauf vorübergehend steuerlich begünstigt wird, ist der Aufwand enorm. Steueränderungen, die nur wenige Monate wirken, verpuffen erfahrungsgemäß leicht. Das gilt erst recht in Zeiten wachsender Verunsicherung. Woran es zurzeit mangelt, ist Zuversicht. Schon deshalb besteht die Gefahr, dass die Mehrwertsteuersenkung vor allem die Sparquote erhöht. Mit Kurzfristdenken erreichen wir keinen Stimmungsumschwung. Ein Konjunkturpaket dieser Größe sollte Deutschland langfristig stärker und wettbewerbsfähiger machen. Beispiel EEG: Der Preisanstieg für erneuerbare Energien wird mit staatlichen Mitteln gebremst, was sinnvoll ist. Doch die Kostendynamik schlägt nach zwei Jahren wieder voll durch. Wir müssten das Problem an der Wurzel anpacken.   

Was im Konjunkturpaket fehlt, ist ein Versprechen über den Tag hinaus. Der Einsatz von 130 Milliarden Euro bietet die Chance, Strukturen zu verbessern. Das wäre eine nachhaltige Finanzpolitik, wie sie sich Familienunternehmen vorstellen. Nur wenn Verbraucher und Unternehmen Vertrauen fassen, werden Konsum und Investitionen wieder anziehen. Um auch die Stimmung zu verbessern, wäre es zum Beispiel sinnvoll, den Solidaritätszuschlag zum schnellstmöglichen Zeitpunkt ganz abzuschaffen. Auch der Einstieg in eine größere Unternehmenssteuerreform ist überfällig. Der internationale Steuerwettbewerb macht auch in Corona-Zeiten keine Pause. Gerade konkrete, langfristig wirkende Verbesserungen finden sich zu wenig. Dabei kommt es für Investitionsentscheidungen auf die langen Linien an. Mit Gießkannenpolitik ist es nicht getan.  

Der Mangel an Perspektive wiegt umso schwerer, wenn man die Nebenwirkungen des Konjunkturpakets betrachtet. Die Debatte dazu beginnt erst. Die Koalition wischt Bedenken zur Finanzierbarkeit mit dem Hinweis hinweg, Deutschland könne sich das schon leisten. Dafür spricht einiges. Doch klar ist auch, dass das 130-Milliarden-Euro-Paket den finanziellen Spielraum für Reformen in den kommenden Jahren stark einengen wird. Ob für Bildung, Steuerreformen oder Investitionsprogramme ­– in den nächsten Jahren herrscht das Diktat leerer Staatskassen. Deutschland zahlt für Einmaleffekte einen hohen Preis. Hier sollte die Koalition nachlegen.  

Die meisten Familienunternehmen navigieren stabil durch die Corona-Krise
Die meisten Familienunternehmen navigieren stabil durch die Corona-Krise

München, 13.05.2020

Die meisten Familienunternehmen navigieren stabil durch die Corona-Krise

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich auch bei Familienunternehmen deutlich, das geht aus der Sonderauswertung des ifo Instituts im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hervor. 85 Prozent der Familienunternehmen erwarten wegen der Krisensituation einen Umsatzrückgang. Nur vier Prozent von ihnen gehen davon aus, dass sie den verlorenen Umsatz wieder nachholen können. 52 Prozent geben den Umsatz hingegen komplett verloren.
 
Trotz der Einschnitte bleibt die Lage in den meisten Familienunternehmen weiter stabil: Nur ein Viertel von ihnen hat Staatshilfe beantragt; 46 Prozent verschieben zwar Investitionsprojekte, aber nur 21 Prozent streichen diese; 20 Prozent der Befragten müssen ihre Beschäftigung reduzieren.
 
„Familienunternehmen haben die vergangenen guten Jahre genutzt, um Schulden ab- und eine solide Eigenkapitalbasis aufzubauen“, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. „Nun sind sie vergleichsweise gut gerüstet, um stabil durch die Krise zu navigieren.“
 
Dieses solide Fundament gilt es auch künftig zu bewahren. „Die Politik sollte Abstand von Forderungen nehmen, die Familienunternehmen mit neuen Steuern und Abgaben zu belasten“, fordert Heidbreder. Schon jetzt ist Deutschland ein Höchststeuerland für Familienunternehmen. Von über 20 der größten Industrieländer der Welt weist ausschließlich Japan eine noch höhere Belastung auf, ähnlich sieht die Situation bei weiteren Standortfaktoren aus. Deshalb sind andere Mittel zur Krisenbewältigung geeigneter – etwa die Möglichkeit, jetzt anfallende Verluste für fünf Jahre zurücktragen zu können. Dies könnte den Unternehmen Liquidität zuführen, ohne den Staatshaushalt dauerhaft zu belasten.
 
Für die Untersuchung der Stiftung Familienunternehmen hat das ifo Institut Daten von 2.400 Familienunternehmen ausgewertet, die im April im Rahmen der ifo-Konjunkturbefragung erhoben worden waren.
 

Wie Familienunternehmen von der Corona-Krise betroffen sind

Repräsentative Sonderauswertung durch das ifo-Institut im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen*

Welche Maßnahmen haben Sie getroffen? Anteil an allen Firmen in Prozent  
Verstärkte Nutzung von Homeoffice 72%
Abbau von Zeitguthaben und Urlaub 67%
Kurzarbeit 51%
Verschiebungen von Investitionsprojekten 46%
Nutzung bestehender Kreditlinien 44%
Inanspruchnahme von Liquiditätshilfen 26%
Streichung von Investitionsprojekten 21%
Beschäftigungsabbau (z.B. Entlassungen, Nicht-Verlängerung) 20%
Erschließung neuer Kreditlinien 20%
Verstärkte Lagerhaltung 15%
Werksschließungen; Produktionsstopp 14%
Wechsel von Zulieferern / Diversifikation in der Beschaffung 7%
Welchen Effekt hat die Krise auf den Umsatz?  
Umsatzrückgang 85%
Stabiler Umsatz 11%
Umsatzanstieg 4%
Falls es einen Umsatzrückgang gab, kann dieser aufgeholt werden?  
Nein 52%
Teilweise 44%
Komplett 4%

 

© Stiftung Familienunternehmen
*Befragung von 2400 Familienunternehmen im April 2020

"Gipfel der Familienunternehmen" in der F.A.S
„Wir packen das aus eigener Kraft“

München, 11.05.2020

„Wir packen das aus eigener Kraft“

An dem Spitzengespräch nahmen Angelique Renkhoff-Mücke (Gesellschafterin und Vorsitzende des Vorstands, Warema Renkhoff SE), Dr. Nikolas Stihl (Vorsitzender des Beirats, STIHL), Raoul Roßmann (Geschäftsführer, ROSSMANN Drogerien), Dr. Harald Marquardt (Vorsitzender der Geschäftsführung, Marquardt Gruppe) sowie der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, Prof. Rainer Kirchdörfer, teil.

Die Krise trifft die Familienunternehmer zwar hart, trotzdem fühlen sich viele gut gerüstet, diese schwere Phase zu überstehen. Das bestätigt auch eine repräsentative Sonderauswertung des Ifo-Instituts im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. 85 Prozent der Familienunternehmen erwarten demnach Umsatzrückgänge, nur ein Viertel der Unternehmen aber hat einen Antrag auf staatliche Liquiditätshilfe gestellt.

„Jetzt zahlt sich aus, dass Familienunternehmen ihr Geld zusammenhalten“, sagte Stiftungsvorstand Kirchdörfer. „Wir erkennen in der aktuellen Krise, dass der Aufbau von Eigenkapital das Non plus ultra ist. Wäre das nicht möglich gewesen, sähe es in Deutschland noch ganz anders aus. Auch deswegen sind die zu hörenden Forderungen nach einer Vermögensabgabe falsch.“

Den gesamten Artikel kann man hier lesen.

 

Gastbeitrag von Prof. Rainer Kirchdörfer in der „WELT“
„Steuerideen aus der Mottenkiste helfen nicht weiter“

München, 24.04.2020

„Steuerideen aus der Mottenkiste helfen nicht weiter“

Vermögensabgabe, Reichensteuer, Lastenausgleich – das sind Schlagworte, mit denen einige führende Parteivertreter inmitten einer schweren Krise den Boden für Steuererhöhungen bereiten wollen.

Absurd ist aber, wenn einzelne Politiker die Folgen der Corona-Krise mit den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg und der Bewältigung der Kriegsschäden vergleichen und fordern, den Lastenausgleich als Instrument aus den 50er-Jahren zu reaktivieren. Wir dürfen die Problematik der Corona-Krise nicht herunterspielen. Sie mit den schlimmsten Zeiten unserer Geschichte zu verbinden ist aber maßlos.

Solche Debatten zeigen nur, dass der Ernst der Lage nicht überall angekommen ist. Alle Anstrengungen müssen sich heute darauf richten, wie wir – unter Einhaltung der medizinischen Erfordernisse – die Wirtschaft wieder in Fahrt bekommen. Mit reflexhaften, undurchdachten Forderungen nach Abgaben oder Steuererhöhungen gelingt das jedenfalls nicht.
Debatten über Steuererhöhungen sind jetzt Gift. Diejenigen, die diese Diskussionen befeuern, berufen sich auf eine absehbare deutlich höhere Verschuldung Deutschlands. Aber auf welche Verschuldung Deutschland bis zum Ende der Krise zuläuft, diese Frage ist heute seriös überhaupt nicht zu beantworten.

Oft wird behauptet, die Kosten der deutschen Rettungsschirme beliefen sich auf mehr als 1,3 Billionen Euro. Unbestritten mobilisiert der Staat viel Geld für die Sicherung von Beschäftigten und Unternehmen. Doch nicht alle diese Hilfen bedeuten höhere Staatsschulden. Die Kosten für das Kurzarbeitergeld werden aus der Rücklage finanziert, die Beschäftigte und Arbeitgeber mit ihren Beiträgen angespart haben.

Der überwiegende Teil der Rettungsmaßnahmen entfällt auf staatliche Garantien für KfW-Kredite. Der Ehrgeiz sollte darin bestehen, dass möglichst wenig Bürgschaften fällig werden. Dass dies möglich ist, zeigen die amerikanischen Erfahrungen mit der Bankenrettung nach 2008. Neue Schulden sind sicherlich unvermeidbar. In welcher Höhe, das weiß heute niemand.
Bei der ganzen Diskussion übersehen wird zudem, dass Deutschland wie kein zweites Industrieland für schwierige Zeiten in der Finanzpolitik gewappnet ist. Es war richtig, dass die Bundesregierung in guten Zeiten an der schwarzen Null festgehalten hat. Die Gesamtverschuldung Deutschlands ist so auf unter 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken.

Nach den Vorhersagen der Bundesregierung würde die Schuldenquote mit der Krise auf 75 Prozent anwachsen. Selbst damit würde unser Land international immer noch gut dastehen. Industrienationen wie die USA, Japan und Frankreich haben schon vor der Corona-Krise höhere Schuldenstände aufgewiesen, als es Deutschland mitsamt seinen Rettungsprogrammen hätte.
Nach der Finanzkrise hat Deutschland bewiesen, wie das Land wieder auf Wachstumskurs kommt. Damals verzichtete die Bundesregierung auf Steuererhöhungen – sieht man von der Einführung der Kernbrennstoffsteuer und der Luftverkehrsteuer ab. Die Politik konzentrierte sich seinerzeit auf die Ankurbelung des Wachstums. Nachdem der Bund für 2010 noch neue Schulden in Rekordhöhe aufnehmen musste, konnte Finanzminister Wolfgang Schäuble vier Jahre später einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren.

Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte gelingt vor allem mit mehr Beschäftigung, Investitionen und Wachstum. Steuerideen aus der Mottenkiste helfen nicht weiter. Wir benötigen vielmehr einen Plan, wie Deutschland schnell aus der Krise findet. Das gelingt nicht mit Signalen gegen, sondern nur mit Anreizen für die Familienunternehmen und die Beschäftigten.
 
„Das Kurzarbeitergeld ist zu knapp bemessen“


München, 08.04.2020

Interview mit Stefan Heidbreder in der Schwäbischen Zeitung

Wie ist die Stimmung unter den Familienunternehmern?

Stefan Heidbreder: Die Corona-Krise stellt Familienunternehmen vor ungeahnte Herausforderungen. Die Sicherheit der Mitarbeiter zu garantieren, ist die vordringlichste Aufgabe. Aber natürlich sind die Unternehmen auch besorgt, wie sich die Wirtschaft in Deutschland und der Welt entwickeln wird. Das wird auch entscheidend davon abhängen, wie lange der Lockdown des öffentlichen Lebens noch anhält.

Was sind die zurzeit größten Probleme?

Stefan Heidbreder: Ein Beispiel ist das Kurzarbeitergeld. Es ist zu knapp bemessen, um Mitarbeitern in Niedriglohnbereichen auf Dauer über die Runden zu helfen. Viele Familienunternehmen stocken das aus eigenen Mitteln auf. Aber die Mittel sind natürlich begrenzt. Den Unternehmen würde eine steuerliche Entlastung helfen, die auch nicht die Staatkassen belasten muss. Eine Möglichkeit wäre es etwa, dass steuerliche Rückstellungen für das abgelaufene Jahr nachträglich gebildet werden können.

Reichen die von der Regierung aufgespannten Rettungsschirme aus?

Stefan Heidbreder: Die Regierung hat in kürzester Zeit Hilfsprogramme für die notleidende Wirtschaft verabschiedet. Allerdings machen wir auch die Erfahrung, dass gerade bei größeren Darlehen die Prozesse langsam sind. Darüber hinaus werden Unternehmen in einigen Fällen von den Hausbanken Kreditlinien gekürzt, wenn Unternehmen den Antrag auf KfW-Kredite einreichen. In diesen Fällen erweist sich die Hilfe als Boomerang.

Exit-Strategie: Ist der Shutdown verhältnismäßig oder brauchen wir so schnell wie möglich eine Rückkehr zur sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Normalität?

Stefan Heidbreder: Es ist richtig, dass die Sicherheit der Bürger an erster Stelle steht. Wir müssen aber auch schauen, dass wir schon bald wieder geordnet zur Normalität zurückkehren. Hierfür brauchen wir einen klaren Plan. Da kein Land auf Dauer einen wirtschaftlichen Stillstand durchhalten kann, sollten rechtzeitig Szenarien entwickelt werden, in welchen Branchen und Bereichen zu gegebener Zeit Lockerungen möglich sind.

Wie könnte/müsste eine Exit-Strategie aus Ihrer Sicht aussehen?

Stefan Heidbreder: Wir müssen unser Sicherheitsbedürfnis in Einklang mit der Notwendigkeit bringen, zu einem normalen Leben zurückzukehren. Eine Grenzöffnung müsste Anfangs die Personen priorisieren, die eine entsprechende Arbeitsbescheinigung nachweisen können. In einer Übergangszeit kann es deswegen nötig sein, dass wir Masken an öffentlichen Orten tragen und Risikogruppen besondere Vorsicht walten lassen. Zahlreiche Familienunternehmen, beispielsweise Trigema, arbeiten daran, dass auch ausreichend Schutzkleidung zur Verfügung steht.

„Staatshilfen sind keine Dauerlösung“


München, 02.04.2020

Gastbeitrag von Prof. Rainer Kirchdörfer im „Handelsblatt“

Die Hilfspakete waren wichtig und richtig. Jetzt muss die Politik stärker die mittelfristigen Folgen in den Blick nehmen.

Die deutsche Politik hat in der Krise bisher vieles richtig gemacht und bewiesen, dass sie entschlossen
handelt. Das hat sich in der vergangenen Woche in Bundestag und Bundesrat gezeigt. Mit den wirtschaftlichen Hilfspaketen haben Bund und Länder weitreichende Entscheidungen getroffen, um die Coronafolgen abzufedern. Dabei demonstriert die Politik Einigkeit über Parteigrenzen hinweg, was die positive Wirkung auf die Wirtschaft nicht verfehlt. Inwiefern dies Vertrauen schafft, hängt jetzt von der Umsetzung der Hilfsprogramme ab. Die Voraussetzungen sind geschaffen worden, dass die Zuschüsse und Kredite für Selbstständige und kleine Unternehmen schnell fließen können. Genauso wichtig ist, dass die KfW-Kredite für mittlere und große Unternehmen beschleunigt werden.

Insbesondere ist der Kreditbewilligungsprozess für Darlehen über zehn Millionen Euro aus Sicht der Praxis zu schwerfällig. Aus Sicht der Familienunternehmen kommt in der Diskussion ein wichtiger Aspekt zu kurz: Staatliche Hilfen sind keine Dauerlösung. Wir benötigen dringend ein umfassendes Krisenmanagement. Die Politik muss stärker die mittelfristigen Folgen in den Blick nehmen.

Die Zwangspause ist aus medizinischen Gründen unvermeidbar. Dennoch darf die Politik die Frage, wie es weitergeht, nicht allein den Virologen überlassen. Es ist eine politische Aufgabe von Bund und Ländern, zwischen der Notwendigkeit einer effektiven Gefahrenabwehr und den langfristigen sozialen und wirtschaftlichen Folgen abzuwägen, die ein längerer Stillstand der Wirtschaft haben wird. China hat vorgemacht, wie ein Land nach dem Stopp des öffentlichen Lebens schrittweise hochfährt. Auch bei uns prüft die Politik laufend, unter welchen Sicherheitsbedingungen dies möglich ist. Darauf ist die Wirtschaft dringend angewiesen. Möglicherweise bedarf es dazu eines Vorlaufs, indem zum Beispiel Schutzmasken für Beschäftigte hergestellt werden.

Hinzukommen müssen Maßnahmen der Wirtschaftspolitik. Der beste Weg, um die drohende Rezession zu überwinden, besteht darin, diejenigen Maßnahmen zu beschließen, die Wirtschaft und Arbeitsplätze insgesamt sichern. Die Politik muss im Krisenmodus an die Zeit nach der Krise denken. Wie schnell die Unternehmen wieder Tritt fassen, hängt auch davon ab, welchen Wettbewerbsbedingungen sie unterliegen. Der Schlüssel für eine schnelle Erholung nach der Krise liegt in der Sicherstellung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Daran ist zu erinnern, wenn die südeuropäischen Länder jetzt vehement die Einführung von Euro-Bonds fordern. Die Bedenken der
Wissenschaft, dass eine Vergemeinschaftung der Haftung zulasten von Wettbewerbsfähigkeit und
Staatsfinanzen geht, bestehen weiter.

Wie Krisen zu bewältigen sind, lehrt die Erfahrung. Deutschland gilt als Musterbeispiel dafür, wie ein Land 2008/09 aus der Weltwirtschaftskrise herausfand. Zur Überwindung der Krise legten seinerzeit Bundesregierung und Bundestag mit Unterstützung der Ministerpräsidenten ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz auf. Diesen Weg sollte die Politik auch dieses Mal beschreiten.

Ziel muss es sein, die vielfältigen Wachstumsbarrieren, die Familienunternehmen in Deutschland belasten, zu beseitigen. Das fängt bei Bilanzregeln an, die vorschreiben, dass Unternehmen für Pensionsrückstellungen einen für sie nachteiligen und überhöhten Rechnungszins von sechs Prozent ansetzen müssen. Und hört bei Steuerregeln auf, die eine Verrechnung von Verlusten nur in beschränktem Umfang zulassen. Mit einem Programm, das diese und andere Schwächen korrigiert, ließe sich der Neustart einleiten.

Viele Akteure in der Bundesregierung haben dies erkannt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bereitet weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen vor. Im Vordergrund sollten nicht Konjunkturprogramme stehen, deren Wirkung schnell verpufft. Wirkungsvoller sind Anreize für Beschäftigte und Unternehmen. Das ist auch deshalb notwendig, weil die Mittel begrenzt sind und in der Krise Grenzen schnell verschwimmen. Das gerade beschlossene Hilfsprogramm sieht als Möglichkeit vor, dass der Staat Großunternehmen stützt und sich im Gegenzug an ihnen beteiligt. Das kann in Notsituationen Ultima Ratio sein, aber nur für begrenzte Zeit.

Seit der Finanzkrise hat der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft zugenommen. Abzulesen ist dies an der gestiegenen Staatsquote: rund 45 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung entfallen auf den Staat – mit steigender Tendenz. Die Staatsquote übertrifft heute den Stand der Zeit vor der Finanzkrise 2008/09. Auch wenn der Staat in der akuten Krise als Wirtschaftsakteur stärker in Erscheinung tritt, sollte ein schnellstmögliches Ausstiegsszenario Teil der Lösung sein.

„Jetzt kommt es auf die Hausbanken an“
Wirtschaftsanwalt Rainer Kirchdörfer sieht durch die Folgen der Corona-Pandemie großen Kreditbedarf von Unternehmen. Banken sollten kleinere Kredite binnen weniger Tage abwickeln können.

München, 23.03.2020

Interview mit Prof. Rainer Kirchdörfer im Handelsblatt

Wirtschaftsanwalt Rainer Kirchdörfer sieht durch die Folgen der Corona-Pandemie großen Kreditbedarf von Unternehmen. Banken sollten kleinere Kredite binnen weniger Tage abwickeln können.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen insbesondere Kleinstunternehmen beziehungsweise kleinere und mittelgroße Firmen vor nie dagewesene Probleme. Die Bundesregierung hat dafür heute ein bis dato beispielloses Paket an Hilfsmaßnahmen gebilligt.

Der Jurist Rainer Kirchdörfer befasst sich seit rund drei Jahrzehnten mit der rechtlichen und strategischen Beratung von Familienunternehmen in Finanzierungsfragen. Die vom Bund kurzfristig beschlossenen Anpassungen und Vereinfachungen bei den geplanten Hilfsmaßnahmen im Zuge der Coronakrise hält er für richtig. Während vieles dafür spricht, dass Kleinkredite binnen weniger als einer Woche fließen können, sieht er in den größeren Krediten den Lackmustest für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Weiteres Potenzial zur Unterstützung der Unternehmen sieht er im Drehen an Steuer-Stellschrauben. Eine große und wichtige Hilfe wäre etwa die Möglichkeit, Verluste aus diesem Jahr auch noch in die Jahre vor 2019 zurücktragen zu können.

Kirchdörfer ist seit 2012 Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Die gemeinnützige Institution setzt sich in der Politik und Öffentlichkeit für die Anliegen der deutschen Familienunternehmen ein, die für rund 60 Prozent der Beschäftigung in Deutschland stehen. Der Stuttgarter Jurist ist Mitglied in verschiedenen Beiräten und Aufsichtsräten, unter anderem beim Versandhändler Conrad Electronic, der Firmengruppe Handtmann sowie dem Vermögensberater DVAG.
 

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Kirchdörfer, Sie sprachen am Wochenende von Konstruktionsmängeln bei den Hilfen der Bundesregierung für durch Corona-Folgen in Not geratene Firmen. Wie beurteilen Sie die nun beschlossenen Maßnahmen?

Die Bundesregierung hat einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Sie hat zum Beispiel das Verfahren der KfW zur Auszahlung von kleinen Krediten bis zu drei Millionen Euro stark vereinfacht und beschleunigt. Nach den bisherigen Vorgaben hätten die Hausbanken auch bei solchen Kleinkrediten warten müssen, bis die KfW die Risikoprüfung abgeschlossen hätte.

Und welche Veränderungen sind nun erfolgt?

Bei diesen Kleinkrediten kommt es nun auf die Hausbanken an. Sie übernehmen die Risikoprüfung und die KfW hält sich dann an das Ergebnis, das die Hausbank vermittelt hat. Dass der Staat diese kleinen Darlehen nun bis zu 90 Prozent anstelle von 80 Prozent garantiert und die Banken entsprechend von der Haftung freistellt, dürfte die Kreditvergabe erleichtern. Bis zu zehn Millionen Euro findet zudem eine vereinfachte Prüfung statt; hier wird es auf die Handhabung der Praxis ankommen.

Wie hoch wird die Nachfrage sein und wie schnell sollten die Kredite fließen?

Schon jetzt ist klar, dass die Nachfrage nach diesen Geldern sehr hoch sein wird. Ich kann ihnen beispielsweise von einer kleineren Bank berichten, bei der allein heute am ersten Tag 150 Anträge für solche Kredite bis zu drei Millionen Euro eingegangen sind. Hier geht man davon aus, dass die Gelder innerhalb von vier Tagen ausgezahlt werden können. Auch bei anderen Banken dürfte und sollte es sehr schnell gehen.

Und wie sieht es bei größeren Unternehmen berziehungsweise größeren Krediten aus?

Hier ist das Bild durchwachsener. Die Risikoprüfung bei der Vergabe der größeren Kredite über drei Millionen Euro liegt weiter in Händen der KfW. Damit wird das Prozedere deutlich in die Länge gezogen, wir sprechen von Wochen. Hier wird nun die Praxis zeigen, ob die KfW wirklich in der Lage ist, die Menge an den zu erwartenden Anträgen in der gebotenen kurzen Zeit zu bearbeiten.

Die Gefahren für kriselnde größere Unternehmen, dass Hilfen zu spät kommen, sind damit deutlich höher einzuschätzen. Dies gilt umso mehr, als die KfW hier nur 80 Prozent des Risikos übernimmt, also die Hausbank stärker ins Obligo gehen muss. Große Unternehmen geraten aber meist auch nicht so schnell in Schieflage wie kleinere.

Hilfen des Staates beanspruchen wollen auch Firmen, die schon vor Corona in Not waren, wie die nun zahlungsunfähige Restaurantkette Vapiano. Was halten Sie davon?

Darüber, wie man Unternehmen behandelt, die schon vor März 2020 in Schieflage waren, kann man trefflich streiten. Bei manchen jetzt geplanten Gesetzesänderungen zur Abmilderung der Corona-Folgen wird es die Vermutungsregelung geben. Diese sieht so aus, dass die Coronakrise für Zahlungsprobleme ursächlich ist, wenn ein Unternehmen am 31.12.2019 noch zahlungsfähig war und nun zahlungsunfähig wird.

Mit solchen vereinfachten Annahmen wird man arbeiten müssen. Andererseits muss der Staat darauf achten, dass er Steuergelder nur für solche Unternehmen einsetzt, deren Probleme im Kern auf Corona-Auswirkungen basieren.

Für den Fall, dass Kredite nicht mehr helfen, sind Beteiligungen des Bundes an Firmen vorgesehen. Wie realistisch ist es, dass dies bei Familienunternehmen nötig wird?

Ich hoffe natürlich, dass wir daran vorbeikommen. Das dürfte aber ganz von der Dauer der Krise abhängen. In zwei bis drei Monaten werden wir klarer sehen.

Zudem wird es direkte Soforthilfen geben für Unternehmen. Wem stehen diese Hilfen zu, die nicht zurückgezahlt werden müssen?

Das Programm richtet sich vor allem an Kleinstunternehmer, Freiberufler und Soloselbständige, denen ohne Hilfen das schnelle Aus droht. Sie müssen eine Existenzbedrohung oder einen Liquiditätsengpass, bedingt durch Corona, versichern und auch, dass dies vor März 2020 noch nicht der Fall war.

Womit können die Unternehmen rechnen und woher kommt das Geld?

Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten sollen bis zu 9000 Euro erhalten, Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten bis zu 15. 000 Euro. Verteilt wird das Geld von den Ländern, die aber damit die Kommunen beauftragen können.

Was würden Sie sich zur Unterstützung der Unternehmen sonst noch wünschen?

Zusätzliche steuerliche Vereinfachungen wären eine große und wichtige Hilfe. Ich meine damit zum Beispiel die Möglichkeit, Verluste aus diesem Jahr auch noch in die Jahre vor 2019 zurücktragen zu können.

Herr Kirchdörfer, vielen Dank für das Interview.
 

Das Interview ist zuerst im Handelsblatt erschienen
Regierung plant Nachbesserungen bei Kreditprogramm


München, 22.03.2020

dpa-Presseartikel

Die Bundesregierung plant in der Coronavirus-Krise Nachbesserungen bei Kredit-Sonderprogrammen für mittelständische und große Unternehmen.

Demnach soll die staatliche Förderbank KfW bei Betriebsmittelkrediten statt wie bisher 80 Prozent nun 90 Prozent des Kreditrisikos übernehmen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums erfuhr.

Einzelheiten würden aktuell finalisiert, hieß es. Koalitionskreisen zufolge informierte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Wirtschaftspolitiker der schwarz-roten Koalition sowie der Opposition am Samstagabend über den Schritt.

Wirtschaftsverbände hatten zuvor angesichts einer drohenden Pleitewelle Kritik an zu komplizierten Programmen zu Notkrediten geäußert und Nachbesserungen gefordert. Hilfen müssten nun schnellstmöglich bei den Firmen ankommen, um Liquidität sicherzustellen. Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatten vor mehr als einer Woche ein unbegrenztes Kreditprogramm angekündigt, um angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise die Liquidität der Firmen sicherzustellen.

Die staatliche Förderbank KfW und die Kreditwirtschaft hatten am vergangenen Mittwoch erklärt, Unternehmen könnten ab sofort Hilfskredite beantragen. Die KfW bietet den Geschäftsbanken bisher je nach Programm an, bis zu 80 Prozent des Kreditrisikos zu übernehmen. Das soll den Finanzinstituten die Vergabe von Darlehen erleichtern. Die Förderbank erhält dafür staatliche Garantien. Eine Sprecherin von Altmaier hatte am Freitag angekündigt, die Hilfen sollten ab Montag zur Verfügung stehen.

Familienunternehmen etwa hatten aber „Konstruktionsmängel“ bei den Programmen kritisiert. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, hatte der dpa gesagt: „Erste Erfahrungen von Familienunternehmen zeigen, dass es zu langen Kreditprüfungen kommt und dramatische Engpässe drohen.“ Die betroffenen Unternehmen müssten schnell mit Liquidität versorgt werden. „Das geht nur mit Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren.“

Neben den Kredit-Sonderprogrammen plant die Bundesregierung weitere Milliardenhilfen für die Wirtschaft, um einen dauerhaften Absturz zu verhindern. So soll das Kabinett am Montag Hilfen für Solo-Selbstständige und Kleinstfirmen auf den Weg bringen. Außerdem ist ein staatlicher Stabilisierungsfonds geplant, der notfalls auch die Beteiligung des Staates an großen Unternehmen vorsieht.

Gastbeitrag von Prof. Rainer Kirchdörfer in der „WELT“


München, 20.03.2020

„Es ist wichtig, dass die Politik jetzt Vertrauen schafft“

Déjà-vu in Krisenzeiten: Oft werden die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie mit der Finanzkrise von 2008/09 verglichen. So unterschiedlich die ökonomischen Schockwellen auch sind, gibt es doch Gemeinsamkeiten: Bund, Länder, Städte und Behörden zeigen, dass sie in Stresssituationen schnell und richtig handeln. Das ist ermutigend. Die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen für Bürger und Familienunternehmen sind gravierend. Umso wichtiger ist es, dass die Politik Vertrauen schafft. Wie zu Zeiten der Finanzkrise kann dies Deutschland auch dieses Mal gut gelingen. Dafür ist es notwendig, dass die Regierung erkennbare Konstruktionsfehler bei Hilfsprogrammen beseitigt.

Ähnlich wie in der Finanzkrise muss im Vordergrund stehen, die negativen wirtschaftlichen Folgen einzudämmen. Drohte damals die Kernschmelze des Finanzsystems, gilt es nun, den Kollaps der Realwirtschaft zu verhindern. Hoffnung macht, dass die Bundesregierung nach dem Motto „viel hilft viel“ verfährt. Das Instrument der Kurzarbeit hat sich bewährt. Eine entscheidende Rolle kommt den Schutzschirmen des Bundes mit einem Volumen von einer halben Billion Euro zu.

Es reicht aber nicht, hohe Bürgschaften ins Schaufenster zu stellen. Entscheidend ist, dass die staatlichen Garantien eingesetzt werden, um die Betriebe mit Krediten zu versorgen. Erste Erfahrungen unserer Familienunternehmen zeigen, dass hier dramatische Engpässe drohen. Die staatliche KfW-Bank vergibt die Kredite, doch beantragt werden müssen sie über die Hausbanken. Der Staat sichert zwar den Großteil des Risikos ab, doch Banken und Sparkassen müssen einen Eigenanteil tragen. Das erfordert aufwendige Prüfungen, für die keine Zeit vorhanden ist. Viele Unternehmen erleben zurzeit, wie das Geschäft wegbricht. Sie benötigen dringend Liquidität. Die Herausforderung liegt darin, die staatlichen Bürgschaften in Millionen von Kreditbewilligungen umzumünzen.

Nur wenn der Staat rasch und unbürokratisch Liquiditätshilfen auszahlt, können coronabedingte Insolvenzen vermieden werden. Weil Kreditinstitute und Förderbanken einen noch nie dagewesenen Ansturm zu bewältigen haben, müssen Bund und Länder den Mut zu Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren haben. Nur so erreicht das Geld schnell die Betroffenen. Wichtig ist aus Sicht der Familienunternehmen eine weitere Maßnahme: Die Regeln zur Insolvenzantragspflicht müssen gelockert werden. Unternehmen, die unter den Folgen der Corona-Krise leiden, dürfen in der nächsten Zeit nicht gezwungen werden, den Antrag auf Insolvenz stellen zu müssen. Auch hier drängt die Zeit.

Die Erfahrungen aus der Finanzkrise lehren, dass die Politik schon jetzt an die Zeit nach der Krise denken muss. Für einen schnellen Neustart ist es wichtig, dass die vorhandenen Strukturen mit Klein- und Handwerksbetrieben, Familienunternehmen und Großkonzernen intakt bleiben. Die Familienunternehmen haben in der Weltwirtschaftskrise 2008/09 bewiesen, dass sie einen langen Atem mitbringen, ihre Mitarbeiter halten wollen und zur Stabilisierung in Krisenzeiten Privatvermögen einsetzen. Diese bewährte Landschaft der Familienunternehmen brauchen wir auch nach der Pandemie. Wenn alle Akteure mit dieser Entschlossenheit an die Sache herangehen, werden wir die Herausforderung bewältigen.

Der Gastbeitrag ist zuerst in der WELT erschienen.

Weitere Informationen zum Thema sowie Ideen und Erfahrungen von Familienunternehmen unter familienunternehmen.de/fokus/familienunternehmen-und-corona

Unternehmen kritisieren «Konstruktionsmängel» bei Hilfsprogrammen


München, 20.03.2020

dpa-Presseartikel

Die Corona-Krise hat dramatische Ausmaße für viele Unternehmen. Geschäfte müssen dicht machen, Aufträge und Umsätze brechen weg. Liquiditätsengpässe drohen. Wie schnell kommen versprochene Hilfen nun bei den Firmen an?

Berlin (dpa) - In der Corona-Krise haben Unternehmen «Konstruktionsmängel» bei den milliardenschweren Hilfsprogrammen beklagt. «Erste Erfahrungen von Familienunternehmen zeigen, dass es zu langen Kreditprüfungen kommt und dramatische Engpässe drohen», sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

«Die Herausforderung liegt darin, die staatlichen Bürgschaften schnellstmöglich in Millionen von Kreditbewilligungen umzumünzen.» Die betroffenen Unternehmen müssten mit Liquidität versorgt werden. «Das geht nur mit Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren», sagte Kirchdörfer. «Es reicht nicht, hohe Staatsbürgschaften ins Schaufenster zu stellen.»

Die Bundesregierung hatte ein unbegrenztes Kreditprogramm beschlossen, um angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise die Liquidität der Firmen sicherzustellen. Die staatliche Förderbank KfW bietet den Geschäftsbanken je nach Programm an, 70 bis 80 Prozent des Kreditrisikos zu übernehmen. Das soll den Finanzinstituten die Vergabe von Darlehen erleichtern. Die Förderbank erhält dafür staatliche Garantien.

Kirchdörfer sagte, mit dem Schutzschirm für Beschäftigte und Unternehmen federten Bund und Länder die Krise ab und schafften Vertrauen. Oberstes Ziel müsse es nach dem Gesundheitsschutz sein, die negativen wirtschaftlichen Folgen einzudämmen. «Es muss alles getan werden, um die vorhandenen Strukturen mit Klein- und Handwerksbetrieben, Familienunternehmen und Großkonzernen zu erhalten.»

Das Beispiel eines Unternehmens zeigt die schwierige Lage: Meinolf Brauer ist Chef des Dienstleisters Walter Services GmbH in Siegburg, einem Unternehmen aus der Call Center Industrie mit 2000 Mitarbeitern an neun Standorten. «Wir verlagern derzeit die Arbeit von den Call Centern ins Home Office», sagte Brauer der dpa. Die Firma bediene unter anderem Hotlines für Apotheken, Patienten und die Pharmabranche.

Brauer sagt, er habe bei seiner Hausbank einen Antrag auf einen KfW-Corona-Notfallkredit gestellt, um Liquidität sicherzustellen über acht Millionen, dies seien zweimal die Vollkosten der Firma. «Die hat aber gesagt, sie braucht noch zig Unterlagen wegen der KfW-20-Prozent-Hürde.» Die Bearbeitung könne 2 bis 3 Wochen dauern. «Das Land ist im Ausnahmezustand. Die Gelder der KfW sind Steuergelder. Die gehören uns allen, nicht der KfW. Es ist Zeit für beherztes Handeln, nicht für Zögern und Zaudern.»

Die Bundesregierung müsse die 20-Prozent-Haftungsregel für Kredite sofort sprengen und die Schleusen öffnen, sagte der Unternehmer. «Der Staat muss 100 Prozent des Risikos übernehmen. Sonst droht schon bald eine riesige Pleitewelle bei kleinen Unternehmen.»

Davor hatte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bereits gewarnt. Bei den Finanzhilfen, Krediten und Steuerstundungen zähle jeder Tag, hatte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der dpa gesagt. «Denn die Liquidität zerrinnt in den Betrieben extrem schnell, wenn ihr Umsatz durch die behördlichen Vorgaben quasi über Nacht von 100 auf Null gesetzt wird.»

Kampf gegen Corona – Ideen und Erfahrungswerte von Familienunternehmen
Kampf gegen Corona – Ideen und Erfahrungswerte von Familienunternehmen

München, 18.03.2020

Kampf gegen Corona – Ideen und Erfahrungswerte von Familienunternehmen

Flexible Arbeitszeiten, neue Laptops oder ein Verbot von Dienstreisen – Familienunternehmer versuchen, der Corona-Krise so gut es geht zu begegnen. Auch wenn viele Betriebe vor neue Herausforderungen gestellt werden, sind sie bestrebt, die Schwierigkeiten abzufedern.

Die Maßnahmen variieren dabei je nach Einsatzort und Teamgröße. Nicht jeder Mitarbeiter geht ins Home Office, andernorts werden automatisch Kapazitäten frei. Gemeinsam ist den Unternehmen aber, ihren Beitrag zu leisten, um die Krise für Gesellschaft und Wirtschaft zu bewältigen. „Es ist seit jeher eine Stärke von Familienunternehmen, schnell und flexibel zu reagieren – auch bei externen Schocks wie diesem“, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Die Stiftung Familienunternehmen sammelt ab sofort Erfahrungen sowie Ideen von Familienunternehmen und stellt sie auf einer Website vor. Damit können sich Unternehmen untereinander über ihre Maßnahmen informieren und möglichst effizient auf neue Entwicklungen reagieren. Jeder Familienunternehmer kann seine Erfahrungen auf der Informationsplattform anonym teilen.

Weitere Informationen unter familienunternehmen.de/fokus/familienunternehmen-und-corona/