Presseschau

Die Stiftung Familienunternehmen steht beim Thema Corona-Krise als Ansprechpartner für Medien zur Verfügung, um die wirtschaftliche Situation einzuordnen und Wege aus der Krise aufzuzeigen. Im Folgenden werden ausgewählte Artikel, Gastbeiträge und Interviews aufgeführt.  


Staatshilfen sind keine Dauerlösung
Gastbeitrag von Prof. Rainer Kirchdörfer im „Handelsblatt“


München, 02.04.2020

Staatshilfen sind keine Dauerlösung

Die Hilfspakete waren wichtig und richtig. Jetzt muss die Politik stärker die mittelfristigen Folgen in den Blick nehmen.

Die deutsche Politik hat in der Krise bisher vieles richtig gemacht und bewiesen, dass sie entschlossen handelt. Das hat sich in der vergangenen Woche in Bundestag und Bundesrat gezeigt. Mit den wirtschaftlichen Hilfspaketen haben Bund und Länder weitreichende Entscheidungen getroffen, um die Coronafolgen abzufedern. Dabei demonstriert die Politik Einigkeit über Parteigrenzen hinweg, was die positive Wirkung auf die Wirtschaft nicht verfehlt. Inwiefern dies Vertrauen schafft, hängt jetzt von der Umsetzung der Hilfsprogramme ab. Die Voraussetzungen sind geschaffen worden, dass die Zuschüsse und Kredite für Selbstständige und kleine Unternehmen schnell fließen können. Genauso wichtig ist, dass die KfW-Kredite für mittlere und große Unternehmen beschleunigt werden.
Insbesondere ist der Kreditbewilligungsprozess für Darlehen über zehn Millionen Euro aus Sicht der Praxis zu schwerfällig.

Aus Sicht der Familienunternehmen kommt in der Diskussion ein wichtiger Aspekt zu kurz: Staatliche Hilfen sind keine Dauerlösung. Wir benötigen dringend ein umfassendes Krisenmanagement. Die Politik muss stärker die mittelfristigen Folgen in den Blick nehmen.

Die Zwangspause ist aus medizinischen Gründen unvermeidbar. Dennoch darf die Politik die Frage, wie es weitergeht, nicht allein den Virologen überlassen. Es ist eine politische Aufgabe von Bund und Ländern, zwischen der Notwendigkeit einer effektiven Gefahrenabwehr und den langfristigen sozialen und wirtschaftlichen Folgen abzuwägen, die ein längerer Stillstand der Wirtschaft haben wird. China hat vorgemacht, wie ein Land nach dem Stopp des öffentlichen Lebens schrittweise hochfährt. Auch bei uns prüft die Politik laufend, unter welchen Sicherheitsbedingungen dies möglich ist. Darauf ist die Wirtschaft dringend angewiesen. Möglicherweise bedarf es dazu eines Vorlaufs, indem zum Beispiel Schutzmasken für Beschäftigte hergestellt werden.

Hinzukommen müssen Maßnahmen der Wirtschaftspolitik. Der beste Weg, um die drohende Rezession zu überwinden, besteht darin, diejenigen Maßnahmen zu beschließen, die Wirtschaft und Arbeitsplätze insgesamt sichern. Die Politik muss im Krisenmodus an die Zeit nach der Krise denken. Wie schnell die Unternehmen wieder Tritt fassen, hängt auch davon ab, welchen Wettbewerbsbedingungen sie unterliegen. Der Schlüssel für eine schnelle Erholung nach der Krise liegt in der Sicherstellung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Daran ist zu erinnern, wenn die südeuropäischen Länder jetzt vehement die Einführung von Euro-Bonds fordern. Die Bedenken der Wissenschaft, dass eine Vergemeinschaftung der Haftung zulasten von Wettbewerbsfähigkeit und Staatsfinanzen geht, bestehen weiter.

Wie Krisen zu bewältigen sind, lehrt die Erfahrung. Deutschland gilt als Musterbeispiel dafür, wie ein Land 2008/09 aus der Weltwirtschaftskrise herausfand. Zur Überwindung der Krise legten seinerzeit Bundesregierung und Bundestag mit Unterstützung der Ministerpräsidenten ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz auf. Diesen Weg sollte die Politik auch dieses Mal beschreiten.

Ziel muss es sein, die vielfältigen Wachstumsbarrieren, die Familienunternehmen in Deutschland belasten, zu beseitigen. Das fängt bei Bilanzregeln an, die vorschreiben, dass Unternehmen für Pensionsrückstellungen einen für sie nachteiligen und überhöhten Rechnungszins von sechs Prozent ansetzen müssen. Und hört bei Steuerregeln auf, die eine Verrechnung von Verlusten nur in beschränktem Umfang zulassen. Mit einem Programm, das diese und andere Schwächen korrigiert, ließe sich der Neustart einleiten.

Viele Akteure in der Bundesregierung haben dies erkannt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bereitet weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen vor. Im Vordergrund sollten nicht Konjunkturprogramme stehen, deren Wirkung schnell verpufft. Wirkungsvoller sind Anreize für Beschäftigte und Unternehmen. Das ist auch deshalb notwendig, weil die Mittel begrenzt sind und in der Krise Grenzen schnell verschwimmen. Das gerade beschlossene Hilfsprogramm sieht als Möglichkeit vor, dass der Staat Großunternehmen stützt und sich im Gegenzug an ihnen beteiligt. Das kann in Notsituationen Ultima Ratio sein, aber nur für begrenzte Zeit.

Seit der Finanzkrise hat der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft zugenommen. Abzulesen ist dies an der gestiegenen Staatsquote: rund 45 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung entfallen auf den Staat – mit steigender Tendenz. Die Staatsquote übertrifft heute den Stand der Zeit vor der Finanzkrise 2008/09. Auch wenn der Staat in der akuten Krise als Wirtschaftsakteur stärker in Erscheinung tritt, sollte ein schnellstmögliches Ausstiegsszenario Teil der Lösung sein.

„Jetzt kommt es auf die Hausbanken an“
Interview mit Prof. Rainer Kirchdörfer im Handelsblatt
Wirtschaftsanwalt Rainer Kirchdörfer sieht durch die Folgen der Corona-Pandemie großen Kreditbedarf von Unternehmen. Banken sollten kleinere Kredite binnen weniger Tage abwickeln können.

München, 23.03.2020

Familienunternehmensexperte Kirchdörfer: „Jetzt kommt es auf die Hausbanken an“

Wirtschaftsanwalt Rainer Kirchdörfer sieht durch die Folgen der Corona-Pandemie großen Kreditbedarf von Unternehmen. Banken sollten kleinere Kredite binnen weniger Tage abwickeln können.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen insbesondere Kleinstunternehmen beziehungsweise kleinere und mittelgroße Firmen vor nie dagewesene Probleme. Die Bundesregierung hat dafür heute ein bis dato beispielloses Paket an Hilfsmaßnahmen gebilligt.

Der Jurist Rainer Kirchdörfer befasst sich seit rund drei Jahrzehnten mit der rechtlichen und strategischen Beratung von Familienunternehmen in Finanzierungsfragen. Die vom Bund kurzfristig beschlossenen Anpassungen und Vereinfachungen bei den geplanten Hilfsmaßnahmen im Zuge der Coronakrise hält er für richtig. Während vieles dafür spricht, dass Kleinkredite binnen weniger als einer Woche fließen können, sieht er in den größeren Krediten den Lackmustest für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Weiteres Potenzial zur Unterstützung der Unternehmen sieht er im Drehen an Steuer-Stellschrauben. Eine große und wichtige Hilfe wäre etwa die Möglichkeit, Verluste aus diesem Jahr auch noch in die Jahre vor 2019 zurücktragen zu können.

Kirchdörfer ist seit 2012 Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Die gemeinnützige Institution setzt sich in der Politik und Öffentlichkeit für die Anliegen der deutschen Familienunternehmen ein, die für rund 60 Prozent der Beschäftigung in Deutschland stehen. Der Stuttgarter Jurist ist Mitglied in verschiedenen Beiräten und Aufsichtsräten, unter anderem beim Versandhändler Conrad Electronic, der Firmengruppe Handtmann sowie dem Vermögensberater DVAG.

 

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Kirchdörfer, Sie sprachen am Wochenende von Konstruktionsmängeln bei den Hilfen der Bundesregierung für durch Corona-Folgen in Not geratene Firmen. Wie beurteilen Sie die nun beschlossenen Maßnahmen?

Die Bundesregierung hat einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Sie hat zum Beispiel das Verfahren der KfW zur Auszahlung von kleinen Krediten bis zu drei Millionen Euro stark vereinfacht und beschleunigt. Nach den bisherigen Vorgaben hätten die Hausbanken auch bei solchen Kleinkrediten warten müssen, bis die KfW die Risikoprüfung abgeschlossen hätte.


Und welche Veränderungen sind nun erfolgt?

Bei diesen Kleinkrediten kommt es nun auf die Hausbanken an. Sie übernehmen die Risikoprüfung und die KfW hält sich dann an das Ergebnis, das die Hausbank vermittelt hat. Dass der Staat diese kleinen Darlehen nun bis zu 90 Prozent anstelle von 80 Prozent garantiert und die Banken entsprechend von der Haftung freistellt, dürfte die Kreditvergabe erleichtern. Bis zu zehn Millionen Euro findet zudem eine vereinfachte Prüfung statt; hier wird es auf die Handhabung der Praxis ankommen.


Wie hoch wird die Nachfrage sein und wie schnell sollten die Kredite fließen?

Schon jetzt ist klar, dass die Nachfrage nach diesen Geldern sehr hoch sein wird. Ich kann ihnen beispielsweise von einer kleineren Bank berichten, bei der allein heute am ersten Tag 150 Anträge für solche Kredite bis zu drei Millionen Euro eingegangen sind. Hier geht man davon aus, dass die Gelder innerhalb von vier Tagen ausgezahlt werden können. Auch bei anderen Banken dürfte und sollte es sehr schnell gehen.


Und wie sieht es bei größeren Unternehmen berziehungsweise größeren Krediten aus?

Hier ist das Bild durchwachsener. Die Risikoprüfung bei der Vergabe der größeren Kredite über drei Millionen Euro liegt weiter in Händen der KfW. Damit wird das Prozedere deutlich in die Länge gezogen, wir sprechen von Wochen. Hier wird nun die Praxis zeigen, ob die KfW wirklich in der Lage ist, die Menge an den zu erwartenden Anträgen in der gebotenen kurzen Zeit zu bearbeiten.

Die Gefahren für kriselnde größere Unternehmen, dass Hilfen zu spät kommen, sind damit deutlich höher einzuschätzen. Dies gilt umso mehr, als die KfW hier nur 80 Prozent des Risikos übernimmt, also die Hausbank stärker ins Obligo gehen muss. Große Unternehmen geraten aber meist auch nicht so schnell in Schieflage wie kleinere.


Hilfen des Staates beanspruchen wollen auch Firmen, die schon vor Corona in Not waren, wie die nun zahlungsunfähige Restaurantkette Vapiano. Was halten Sie davon?

Darüber, wie man Unternehmen behandelt, die schon vor März 2020 in Schieflage waren, kann man trefflich streiten. Bei manchen jetzt geplanten Gesetzesänderungen zur Abmilderung der Corona-Folgen wird es die Vermutungsregelung geben. Diese sieht so aus, dass die Coronakrise für Zahlungsprobleme ursächlich ist, wenn ein Unternehmen am 31.12.2019 noch zahlungsfähig war und nun zahlungsunfähig wird.

Mit solchen vereinfachten Annahmen wird man arbeiten müssen. Andererseits muss der Staat darauf achten, dass er Steuergelder nur für solche Unternehmen einsetzt, deren Probleme im Kern auf Corona-Auswirkungen basieren.


Für den Fall, dass Kredite nicht mehr helfen, sind Beteiligungen des Bundes an Firmen vorgesehen. Wie realistisch ist es, dass dies bei Familienunternehmen nötig wird?

Ich hoffe natürlich, dass wir daran vorbeikommen. Das dürfte aber ganz von der Dauer der Krise abhängen. In zwei bis drei Monaten werden wir klarer sehen.


Zudem wird es direkte Soforthilfen geben für Unternehmen. Wem stehen diese Hilfen zu, die nicht zurückgezahlt werden müssen?

Das Programm richtet sich vor allem an Kleinstunternehmer, Freiberufler und Soloselbständige, denen ohne Hilfen das schnelle Aus droht. Sie müssen eine Existenzbedrohung oder einen Liquiditätsengpass, bedingt durch Corona, versichern und auch, dass dies vor März 2020 noch nicht der Fall war.


Womit können die Unternehmen rechnen und woher kommt das Geld?

Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten sollen bis zu 9000 Euro erhalten, Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten bis zu 15. 000 Euro. Verteilt wird das Geld von den Ländern, die aber damit die Kommunen beauftragen können.


Was würden Sie sich zur Unterstützung der Unternehmen sonst noch wünschen?

Zusätzliche steuerliche Vereinfachungen wären eine große und wichtige Hilfe. Ich meine damit zum Beispiel die Möglichkeit, Verluste aus diesem Jahr auch noch in die Jahre vor 2019 zurücktragen zu können.


Herr Kirchdörfer, vielen Dank für das Interview.

Das Interview ist zuerst im Handelsblatt erschienen
„Regierung plant Nachbesserungen bei Kreditprogramm“
Dpa-Presseartikel


München, 22.03.2020

Regierung plant Nachbesserungen bei Kreditprogramm

Die Bundesregierung plant in der Coronavirus-Krise Nachbesserungen bei Kredit-Sonderprogrammen für mittelständische und große Unternehmen.

Demnach soll die staatliche Förderbank KfW bei Betriebsmittelkrediten statt wie bisher 80 Prozent nun 90 Prozent des Kreditrisikos übernehmen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums erfuhr.

Einzelheiten würden aktuell finalisiert, hieß es. Koalitionskreisen zufolge informierte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Wirtschaftspolitiker der schwarz-roten Koalition sowie der Opposition am Samstagabend über den Schritt.

Wirtschaftsverbände hatten zuvor angesichts einer drohenden Pleitewelle Kritik an zu komplizierten Programmen zu Notkrediten geäußert und Nachbesserungen gefordert. Hilfen müssten nun schnellstmöglich bei den Firmen ankommen, um Liquidität sicherzustellen. Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatten vor mehr als einer Woche ein unbegrenztes Kreditprogramm angekündigt, um angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise die Liquidität der Firmen sicherzustellen.

Die staatliche Förderbank KfW und die Kreditwirtschaft hatten am vergangenen Mittwoch erklärt, Unternehmen könnten ab sofort Hilfskredite beantragen. Die KfW bietet den Geschäftsbanken bisher je nach Programm an, bis zu 80 Prozent des Kreditrisikos zu übernehmen. Das soll den Finanzinstituten die Vergabe von Darlehen erleichtern. Die Förderbank erhält dafür staatliche Garantien. Eine Sprecherin von Altmaier hatte am Freitag angekündigt, die Hilfen sollten ab Montag zur Verfügung stehen.

Familienunternehmen etwa hatten aber „Konstruktionsmängel“ bei den Programmen kritisiert. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, hatte der dpa gesagt: „Erste Erfahrungen von Familienunternehmen zeigen, dass es zu langen Kreditprüfungen kommt und dramatische Engpässe drohen.“ Die betroffenen Unternehmen müssten schnell mit Liquidität versorgt werden. „Das geht nur mit Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren.“

Neben den Kredit-Sonderprogrammen plant die Bundesregierung weitere Milliardenhilfen für die Wirtschaft, um einen dauerhaften Absturz zu verhindern. So soll das Kabinett am Montag Hilfen für Solo-Selbstständige und Kleinstfirmen auf den Weg bringen. Außerdem ist ein staatlicher Stabilisierungsfonds geplant, der notfalls auch die Beteiligung des Staates an großen Unternehmen vorsieht.

„Es ist wichtig, dass die Politik jetzt Vertrauen schafft“
Gastbeitrag von Prof. Rainer Kirchdörfer in der "WELT"
Es ist wichtig, dass die Politik jetzt Vertrauen schafft

München, 20.03.2020

„Es ist wichtig, dass die Politik jetzt Vertrauen schafft“

Déjà-vu in Krisenzeiten: Oft werden die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie mit der Finanzkrise von 2008/09 verglichen. So unterschiedlich die ökonomischen Schockwellen auch sind, gibt es doch Gemeinsamkeiten: Bund, Länder, Städte und Behörden zeigen, dass sie in Stresssituationen schnell und richtig handeln. Das ist ermutigend. Die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen für Bürger und Familienunternehmen sind gravierend. Umso wichtiger ist es, dass die Politik Vertrauen schafft. Wie zu Zeiten der Finanzkrise kann dies Deutschland auch dieses Mal gut gelingen. Dafür ist es notwendig, dass die Regierung erkennbare Konstruktionsfehler bei Hilfsprogrammen beseitigt.

Ähnlich wie in der Finanzkrise muss im Vordergrund stehen, die negativen wirtschaftlichen Folgen einzudämmen. Drohte damals die Kernschmelze des Finanzsystems, gilt es nun, den Kollaps der Realwirtschaft zu verhindern. Hoffnung macht, dass die Bundesregierung nach dem Motto „viel hilft viel“ verfährt. Das Instrument der Kurzarbeit hat sich bewährt. Eine entscheidende Rolle kommt den Schutzschirmen des Bundes mit einem Volumen von einer halben Billion Euro zu.

Es reicht aber nicht, hohe Bürgschaften ins Schaufenster zu stellen. Entscheidend ist, dass die staatlichen Garantien eingesetzt werden, um die Betriebe mit Krediten zu versorgen. Erste Erfahrungen unserer Familienunternehmen zeigen, dass hier dramatische Engpässe drohen. Die staatliche KfW-Bank vergibt die Kredite, doch beantragt werden müssen sie über die Hausbanken. Der Staat sichert zwar den Großteil des Risikos ab, doch Banken und Sparkassen müssen einen Eigenanteil tragen. Das erfordert aufwendige Prüfungen, für die keine Zeit vorhanden ist. Viele Unternehmen erleben zurzeit, wie das Geschäft wegbricht. Sie benötigen dringend Liquidität. Die Herausforderung liegt darin, die staatlichen Bürgschaften in Millionen von Kreditbewilligungen umzumünzen.

Nur wenn der Staat rasch und unbürokratisch Liquiditätshilfen auszahlt, können coronabedingte Insolvenzen vermieden werden. Weil Kreditinstitute und Förderbanken einen noch nie dagewesenen Ansturm zu bewältigen haben, müssen Bund und Länder den Mut zu Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren haben. Nur so erreicht das Geld schnell die Betroffenen. Wichtig ist aus Sicht der Familienunternehmen eine weitere Maßnahme: Die Regeln zur Insolvenzantragspflicht müssen gelockert werden. Unternehmen, die unter den Folgen der Corona-Krise leiden, dürfen in der nächsten Zeit nicht gezwungen werden, den Antrag auf Insolvenz stellen zu müssen. Auch hier drängt die Zeit.

Die Erfahrungen aus der Finanzkrise lehren, dass die Politik schon jetzt an die Zeit nach der Krise denken muss. Für einen schnellen Neustart ist es wichtig, dass die vorhandenen Strukturen mit Klein- und Handwerksbetrieben, Familienunternehmen und Großkonzernen intakt bleiben. Die Familienunternehmen haben in der Weltwirtschaftskrise 2008/09 bewiesen, dass sie einen langen Atem mitbringen, ihre Mitarbeiter halten wollen und zur Stabilisierung in Krisenzeiten Privatvermögen einsetzen. Diese bewährte Landschaft der Familienunternehmen brauchen wir auch nach der Pandemie. Wenn alle Akteure mit dieser Entschlossenheit an die Sache herangehen, werden wir die Herausforderung bewältigen.

Der Gastbeitrag ist zuerst in der WELT erschienen.

Weitere Informationen zum Thema sowie Ideen und Erfahrungen von Familienunternehmen unter familienunternehmen.de/fokus/familienunternehmen-und-corona

"Unternehmen kritisieren «Konstruktionsmängel» bei Hilfsprogrammen"
Dpa-Presseartikel


München, 20.03.2020

Unternehmen kritisieren «Konstruktionsmängel» bei Hilfsprogrammen

Die Corona-Krise hat dramatische Ausmaße für viele Unternehmen. Geschäfte müssen dicht machen, Aufträge und Umsätze brechen weg. Liquiditätsengpässe drohen. Wie schnell kommen versprochene Hilfen nun bei den Firmen an?

Berlin (dpa) - In der Corona-Krise haben Unternehmen «Konstruktionsmängel» bei den milliardenschweren Hilfsprogrammen beklagt. «Erste Erfahrungen von Familienunternehmen zeigen, dass es zu langen Kreditprüfungen kommt und dramatische Engpässe drohen», sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

«Die Herausforderung liegt darin, die staatlichen Bürgschaften schnellstmöglich in Millionen von Kreditbewilligungen umzumünzen.» Die betroffenen Unternehmen müssten mit Liquidität versorgt werden. «Das geht nur mit Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren», sagte Kirchdörfer. «Es reicht nicht, hohe Staatsbürgschaften ins Schaufenster zu stellen.»

Die Bundesregierung hatte ein unbegrenztes Kreditprogramm beschlossen, um angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise die Liquidität der Firmen sicherzustellen. Die staatliche Förderbank KfW bietet den Geschäftsbanken je nach Programm an, 70 bis 80 Prozent des Kreditrisikos zu übernehmen. Das soll den Finanzinstituten die Vergabe von Darlehen erleichtern. Die Förderbank erhält dafür staatliche Garantien.

Kirchdörfer sagte, mit dem Schutzschirm für Beschäftigte und Unternehmen federten Bund und Länder die Krise ab und schafften Vertrauen. Oberstes Ziel müsse es nach dem Gesundheitsschutz sein, die negativen wirtschaftlichen Folgen einzudämmen. «Es muss alles getan werden, um die vorhandenen Strukturen mit Klein- und Handwerksbetrieben, Familienunternehmen und Großkonzernen zu erhalten.»

Das Beispiel eines Unternehmens zeigt die schwierige Lage: Meinolf Brauer ist Chef des Dienstleisters Walter Services GmbH in Siegburg, einem Unternehmen aus der Call Center Industrie mit 2000 Mitarbeitern an neun Standorten. «Wir verlagern derzeit die Arbeit von den Call Centern ins Home Office», sagte Brauer der dpa. Die Firma bediene unter anderem Hotlines für Apotheken, Patienten und die Pharmabranche.

Brauer sagt, er habe bei seiner Hausbank einen Antrag auf einen KfW-Corona-Notfallkredit gestellt, um Liquidität sicherzustellen über acht Millionen, dies seien zweimal die Vollkosten der Firma. «Die hat aber gesagt, sie braucht noch zig Unterlagen wegen der KfW-20-Prozent-Hürde.» Die Bearbeitung könne 2 bis 3 Wochen dauern. «Das Land ist im Ausnahmezustand. Die Gelder der KfW sind Steuergelder. Die gehören uns allen, nicht der KfW. Es ist Zeit für beherztes Handeln, nicht für Zögern und Zaudern.»

Die Bundesregierung müsse die 20-Prozent-Haftungsregel für Kredite sofort sprengen und die Schleusen öffnen, sagte der Unternehmer. «Der Staat muss 100 Prozent des Risikos übernehmen. Sonst droht schon bald eine riesige Pleitewelle bei kleinen Unternehmen.»

Davor hatte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bereits gewarnt. Bei den Finanzhilfen, Krediten und Steuerstundungen zähle jeder Tag, hatte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der dpa gesagt. «Denn die Liquidität zerrinnt in den Betrieben extrem schnell, wenn ihr Umsatz durch die behördlichen Vorgaben quasi über Nacht von 100 auf Null gesetzt wird.»

Kampf gegen Corona – Ideen und Erfahrungswerte von Familienunternehmen
Pressemeldung der Stiftung Familienunternehmen
Kampf gegen Corona – Ideen und Erfahrungswerte von Familienunternehmen

München, 18.03.2020

Kampf gegen Corona – Ideen und Erfahrungswerte von Familienunternehmen

Flexible Arbeitszeiten, neue Laptops oder ein Verbot von Dienstreisen – Familienunternehmer versuchen, der Corona-Krise so gut es geht zu begegnen. Auch wenn viele Betriebe vor neue Herausforderungen gestellt werden, sind sie bestrebt, die Schwierigkeiten abzufedern.

Die Maßnahmen variieren dabei je nach Einsatzort und Teamgröße. Nicht jeder Mitarbeiter geht ins Home Office, andernorts werden automatisch Kapazitäten frei. Gemeinsam ist den Unternehmen aber, ihren Beitrag zu leisten, um die Krise für Gesellschaft und Wirtschaft zu bewältigen. „Es ist seit jeher eine Stärke von Familienunternehmen, schnell und flexibel zu reagieren – auch bei externen Schocks wie diesem“, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Die Stiftung Familienunternehmen sammelt ab sofort Erfahrungen sowie Ideen von Familienunternehmen und stellt sie auf einer Website vor. Damit können sich Unternehmen untereinander über ihre Maßnahmen informieren und möglichst effizient auf neue Entwicklungen reagieren. Jeder Familienunternehmer kann seine Erfahrungen auf der Informationsplattform anonym teilen.

Weitere Informationen unter familienunternehmen.de/fokus/familienunternehmen-und-corona/

 

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