München, 07.02.2018

Der Brexit als Auslöser für die Wegzugssteuer

Der Brexit stellt Familienunternehmen vor enorme Herausforderungen. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union drohen etwa gewährte Stundungen der Wegzugsbesteuerung widerrufen zu werden. Prof. Dr. Stephan Kudert von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) erörtert den Sachverhalt in der „Europäischen Zeitschrift für Wirtschaftsrecht“ (EuZW).

Kudert hat sich mit der Thematik bereits in einem Gutachten „Die Internationalisierung der Unternehmerfamilie – Reformvorschläge für die Wegzugsbesteuerung“ befasst, das er im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt hat. Sein Fazit: Die Wegzugsbesteuerung hemmt die Internationalisierung der Familienunternehmen.

Mit der Wegzugsbesteuerung will sich der deutsche Fiskus die Besteuerung der stillen Reserven sichern, auch wenn Gesellschafter ins Ausland ziehen. Stille Reserven bezeichnen die Differenz zwischen Buch- und Verkehrswert. Normalerweise werden sie bei einem Verkauf besteuert.

Der Gesetzgeber verlangt in den Regeln zur Wegzugsbesteuerung hingegen, dass die stillen Reserven in Gesellschaftsanteilen schon beim Wegzug der Eigner ins Ausland realisiert und besteuert werden – unabhängig von einer Verkaufsabsicht. Das Problem liegt darin, dass ein rein fiktiver Gewinn der Steuer unterworfen werden soll, der nicht in Geld angefallen ist.

„Die Wegzugsbesteuerung schwebt als Damoklesschwert über den Familienunternehmen“, sagt Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Gesellschaftern, die ins Ausland umziehen und – wie in der Regel – nicht über die Liquidität zur Begleichung der Wegzugs-Steuerschuld verfügen, bleibt in letzter Konsequenz nur der Verkauf ihrer Anteile. Ein stabiler Gesellschafterkreis, der bereit ist, auch aus dem Ausland heraus Verantwortung für das Familienunternehmen zu übernehmen, ist aber gerade eines der Standbeine der Stabilität großer Familienunternehmen. Das erlaubt ihnen, mit langem Atem zu investieren und international Märkte effektiv zu erschließen.“

Akute Brisanz bekommt das Problem durch den britischen EU-Austritt. Die bislang zinslose Stundung der Steuerschuld beim Wegzug innerhalb der Europäischen Union kann entfallen, wenn Großbritannien zu einem EU-Drittland wird, führt Kudert in dem EuZW-Artikel näher aus.

Weitere Informationen:

Andre Tauber
Leiter Kommunikation

Stiftung Familienunternehmen
Prinzregentenstraße 50
D-80538 München

Telefon: +49 (0) 89 / 12 76 400 06

E-Mail: tauber(at)familienunternehmen.de
Internet: www.familienunternehmen.de

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