Länderindex Familienunternehmen: Frankreich landet bei Standort-Ranking mit Italien und Spanien am Tabellenende
München, 20.04.2017

Länderindex Familienunternehmen: Frankreich landet bei Standort-Ranking mit Italien und Spanien am Tabellenende

Frankreich muss nach den Präsidentschaftswahlen dringend wirtschaftspolitische Reformen umsetzen, um ein weiteres Auseinanderdriften der Eurozone zu vermeiden. Diesen Schluss legt das Standort-Ranking „Länderindex Familienunternehmen“ nahe, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt hat. Frankreich erreicht in der Gesamtwertung nur den drittletzten Platz vor Spanien und Schlusslicht Italien. Verglichen wurden 17 europäische Länder sowie die USA. „Eine weitere Auseinanderentwicklung von Nord und Süd gefährdet die politische und ökonomische Stabilität der EU zur Unzeit“, warnt Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Familienunternehmen, mit Blick auf den Brexit und die unsichere Zukunft des transatlantischen Freihandels.

Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW und Verfasser des Länderindex, sieht das schlechte Abschneiden der drei nach Deutschland größten Volkswirtschaften der Eurozone gleichfalls mit Sorge: „Die europäische Schuldenkrise hat die Schlusslicht-Positionen von Italien und Spanien zementiert und Frankreich rückt gerade bei den Finanzierungsbedingungen weiter ‚nach Süden‘.“ Gemäß der Studie haben die in Frankreich tätigen Familienunternehmen zudem die höchste effektive Steuerbelastung bei ihrer Geschäftstätigkeit zu tragen. Die Flexibilität des Arbeitsmarktes ist im europäischen Vergleich gering ausgeprägt und Frankreich landet auf dem letzten Platz im Teilindikator „Kriminalität und politische Stabilität“ – womit Unternehmen weitere Kosten aufgebürdet werden.

„Wer auch immer nach der Stichwahl im Mai in den Élysée-Palast einzieht, auf den kommt politisch äußerst schwierige Arbeit zu. Wirtschaftspolitische Reformen sind beim Wähler nicht nur unbeliebt, es dauert auch, bis sie Wirkung zeigen. Umso wichtiger ist es, jetzt unverzüglich das Ruder herumzureißen, um einem weiteren wirtschaftlichen Abstieg effektiv entgegenzuwirken“, fordert Hennerkes. Frankreich sei zwar ein wichtiger Markt für die deutschen Familienunternehmen, doch der Länderindex zeige, dass die dortige Volkswirtschaft sich immer stärker isoliere und die französischen Unternehmen zu wenig in die internationale Arbeitsteilung integriert seien. „Für den neuen Präsidenten muss die Parole lauten: Mehr Öffnung und weniger Abschottung“, so Hennerkes. Aber auch Deutschland sei als Wirtschaftsstandort im europäischen Vergleich keine eine Insel der Seligen, fügte er hinzu. „Die momentan gute Konjunktur verdeckt bei uns schwerwiegende strukturelle Mängel.“

Land Punktwert 2016 Rang 2016 Punktwert 2014 Rang 2014
Luxemburg 65,39 1 62,87 3
Vereinigtes Königreich 65,12 2 66,87 1
Schweiz 64,63 3 65,95 2
USA 62,14 4 61,92 4
Niederlande 61,24 5 60,05 7
Dänemark 60,93 6 60,86 6
Finnland 58,04 7 60,91 5
Irland 57,99 8 55,47 9
Schweden 57,76 9 57,39 8
Österreich 53,89 10 54,07 10
Tschechien 53,75 11 52,01 12
Deutschland 53,07 12 53,03 11
Polen 49,10 13 49,54 13
Slowakei 47,00 14 46,33 16
Belgien 46,15 15 46,86 15
Frankreich 45,91 16 47,72 14
Spanien 43,02 17 41,57 17
Italien 35,09 18 34,55 18

 

Der Länderindex wird im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen seit 2006 alle zwei Jahre durch das ZEW Mannheim erhoben. Basis sind internationale und nationale, messbare Faktoren. Diese werden daraufhin geprüft, in welchem Umfang ein Standort für ein größeres Familienunternehmen des verarbeitenden Gewerbes innerhalb der EU und der USA attraktiv ist. Ergänzt werden diese Daten um ModellRechnungen. Ausgegangen wird von einem Familienunternehmen mit 210 Millionen Euro Jahresumsatz. Die Studie steht erstmals auch in englischer Sprache zur Verfügung.

Weitere Informationen:

Georg Blaha
Kommunikation und Programme

Stiftung Familienunternehmen
Prinzregentenstraße 50
D-80538 München

Telefon: + 49 (0) 89 / 12 76 400 01

E-Mail: blaha(at)familienunternehmen.de
Internet: www.familienunternehmen.de
Foto: © istockphoto.com / Joel Carillet
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok
Datenschutzerklärung