Governance – die Führung der Führung im Familienunternehmen
München, 24.08.2017

Governance – die Führung der Führung im Familienunternehmen

Bislang hat sich die Forschung der Corporate Governance stets nur in Ausschnitten mit dem Spezialfall des Familienunternehmens befasst. Es gibt etwa Analysen und Anleitungen für die Gestaltungen eines Gesellschafterbeirats, aber keine ganzheitliche Gestaltungsanalyse eines Governance-Konzepts, das die Gesellschafterebene, die Geschäftsführungsebene und die Beiratsebene im Blick hat. Dr. Hermut Kormann hat mit seinem neu erschienen Werk „Governance des Familienunternehmens“, das auch zugleich seine Habilitationsschrift ist, diesen Mangel behoben.

Für Kormann ist die Zusammenführung von Eigentum und Management nicht per se ideal. Erst die richtige Abgrenzung der unterschiedlichen Rollen und Kompetenzen erlaubt es Familienunternehmen, ihren Vorteil, der in loyalen und professionellen Eigentümern begründet ist, auszuspielen. Korman schreibt: „Familienunternehmen sind nicht zuletzt deshalb erfolgreich, weil ihre Gesellschafter sich engagiert um ihr Unternehmen ‚kümmern‘. Ihr Engagement entfaltet aber nur dann seine volle Wirkung im Interesse des Unternehmens, wenn es in den Rahmen der Governance eingebunden wird.“ Der Autor spricht bei Governance von der „Führung der Führung“.

Wie sich diese Governance gestaltet, hängt im Kern von der Anzahl der Gesellschafter und der Größe des Unternehmens ab. Je größer und komplexer das Unternehmen, desto seltener gibt es auch eine familieninterne Geschäftsführung. Von der Gründungsphase bis zu späteren Nachfolgegenerationen, die sich in verschiedene Familienstämme auffächern, durchlaufen Familienunternehmen mehrere Aggregatszustände, die jeweils eine Anpassung der Governance erforderlich machen. Kormann rät, sich an den Bedürfnissen der kommenden Generation zu orientieren.

Es gibt also keine „one size fits all“-Lösung, sondern es werden „maßgeschneiderte Lösungen“ gefordert. Trotzdem sucht der Autor nach Leitlinien. „Es muss (…) eine Praxis geben, wo und wie ‚Maß genommen‘ wird und wie das ‚Schnittmuster‘ zu erstellen ist“, fasst Kormann den Zweck des Buchs zusammen. „Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Voraussetzungen für das ‚Maßschneidern‘ eines gut passenden ‚Governance-Anzugs‘ zu schaffen.“ Checklisten und ein Raster der Qualifikationsprüfung der Governance-Institutionen geben einen Leitfaden zur Erarbeitung einer maßgeschneiderten Lösung.

Ein eigenes Kapitel widmet Kormann der Störfallanalyse. Ergebnis: Streit unter den Gesellschaftern ist nicht unbedingt der häufigste und gefährlichste Wertvernichter in Familienunternehmen. Fest steht allerdings, dass eine Kumulation von Schädigungen – seien es Schwächen in der Unternehmensentwicklung oder Streit der Gesellschafter – die Untergangswahrscheinlichkeit erhöht. Kormann regt einen „Erfahrungsaustausch zwischen allen Disziplinen der betriebswirtschaftlichen, familiensoziologischen und gesellschaftsrechtlichen Beratung“ an.

Der Autor PD Dr. Hermut Kormann ist Honorarprofessor für Unternehmensführung in Familienunternehmen an der Universität Leipzig sowie Honorarprofessor für Strategie und Governance von Familienunternehmen an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Er verfügt über langjährige Managementerfahrung in einem führenden Familienunternehmen: 1991 wurde er Konzernvorstand der J.M. Voith AG, neun Jahre später übte er bis 2008 das Amt des Vorstandsvorsitzenden aus.

 

Weitere Informationen:

Andre Tauber
Leiter Kommunikation

Stiftung Familienunternehmen
Prinzregentenstraße 50
D-80538 München

Telefon: +49 (0) 89 / 12 76 400 06

E-Mail: tauber(at)familienunternehmen.de
Internet: www.familienunternehmen.de


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