Das stille Wirtschaftswunder
- Herausgeber
- Stiftung Familienunternehmen
- Veröffentlichung
- München, 2026
- Institut
- Forschungsinstitut für Industrieökonomie (IFN)
Stockholm - Isbn
- 978-3-948850-83-8
Im vergangenen Jahrhundert hat sich die Vermögensverteilung in den westlichen Industrieländern deutlich verändert: Die Menschen wurden nicht nur wesentlich wohlhabender, die Vermögensungleichheit nahm auch ab.
In seinem Essay analysiert der schwedische Ökonom Prof. Daniel Waldenström die Entwicklung von Vermögen über einen Zeitraum von 130 Jahren und zeigt auf Basis neuer Forschungsergebnisse, wie diese „stille Vermögensrevolution“ zustande kam, welche Rolle insbesondere Wohneigentum und Altersvorsorge dabei spielten und weshalb eine langfristige Perspektive verbreitete Annahmen über eine stetig zunehmende Vermögensungleichheit in Frage stellt.



Wie wurde Wohlstand im Laufe der Zeit geschaffen?
Wohlstand in der Breite entstand nicht durch Umverteilung, sondern vor allem durch Wachstum. Das Pro-Kopf-Vermögen hat sich in den westlichen Gesellschaften in den letzten 130 Jahren real fast verzehnfacht. Allein seit 1980 hat sich diese Zahl um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Wachstum und sinkende Ungleichheit gingen dabei Hand in Hand.
Den entscheidenden Anstoß gaben die demokratischen Veränderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Sie weiteten Eigentumsrechte aus und lösten Bildungs- und Arbeitsmarktreformen aus, die Produktivität und Einkommen der Arbeiterklasse steigerten und damit ihre Fähigkeit, überhaupt Vermögen aufzubauen. Die wichtigsten Vermögensformen wurden dabei Wohneigentum und Altersvorsorge, teils gefördert durch gezielte politische Maßnahmen.
Begünstigt die Marktwirtschaft automatisch die Vermögenskonzentration?
Nein, die Arbeit stellt diese verbreitete These in Frage. Vermögensaufbau ist in freien Marktwirtschaften eine positive Kraft, die den Wohlstand steigert und eng mit dem Wachstum erfolgreicher Unternehmen verknüpft ist. Diese sorgen für Arbeitsplätze, höhere Einkommen und mehr Steuereinnahmen. Damit ermöglichen sie auch die Vermögensbildung in der breiten Bevölkerung. Zentrale Triebkräfte für die Vermögensangleichung zwischen reicheren und ärmeren Schichten sind Wohneigentum und Altersvorsorge. Die Marktwirtschaft macht die Menschen also reicher und gleicher.
Ist die Erbschaftsteuer ein wirksames Instrument zur Verringerung von Vermögensungleichheit?
Nein, die Erbschaftsteuer ist eher kein wirksames Instrument zur Verringerung von Vermögensungleichheit.
Sie funktioniert in der Praxis selten so, wie sie gedacht ist. Für viele Vermögenswerte, vor allem bei nicht börsennotierten Unternehmen, sind Bewertungen schwierig. Erben können mit hohen Steuerforderungen auf Vermögen konfrontiert werden, das sich nicht ohne Weiteres liquidieren lässt, weil es zum Beispiel in Betrieben gebunden ist. Das kann Unternehmen in Bedrängnis bringen oder sogar deren Existenz gefährden. Daher werden häufig Ausnahmen und Abschläge gewährt, deren Treffsicherheit aber immer wieder Gegenstand von Diskussionen ist.
Die Studienergebnisse zeigen zudem, dass die Erbschaftsteuer weder nennenswerte Einnahmen erzielt noch die Vermögensverteilung spürbar verändert. Daher haben sich viele Staaten von ihr verabschiedet: Seit 1975 ist die Zahl der Länder, die eine Erbschaftsteuer erheben, deutlich zurückgegangen: weltweit von 63 auf 45 und innerhalb der OECD von 28 auf 18.
Welche Handlungsempfehlungen können aus den Befunden abgeleitet werden?
Es ergeben sich fünf Implikationen für die Ausgestaltung politischer Maßnahmen, um die positive Entwicklung weiter voranzutreiben:
- Die Annahme eines Verteilungskonflikts, bei dem die Gewinne der einen zwangsläufig die Verluste der anderen bedeuten, greift zu kurz. Wohlstand der Reichen und der übrigen Gesellschaft können gleichzeitig wachsen und tun es oft. Diese Erkenntnis ist Grundlage aller weiteren Empfehlungen.
- Privates Wohneigentum sollte aktiv gefördert werden, zum Beispiel durch den Bau von Eigentumswohnungen oder die Subventionierung von Hypotheken. Immobilien haben sich historisch als rentable Anlage erwiesen und tragen zur Vermögensbildung in der Mittelschicht bei.
- Die Altersvorsorge muss stärker auf kapitalgedeckte Systeme umgestellt werden. Anders als umlagefinanzierte Rentensysteme, die in Phasen des wirtschaftlichen Abschwungs unter Druck geraten, investieren kapitalgedeckte Fonds an den Finanzmärkten und erzielen langfristig stabile Renditen bei breiter Risikostreuung.
- Die Besteuerung von Arbeit muss im Rahmen der Vermögensangleichung eine konstruktive Rolle spielen: Zwar sind die Steuern auf Arbeit sind für die Finanzierung öffentlicher Leistungen notwendig, bremsen aber den Vermögensaufbau in der Breite. Ein höheres Nettoeinkommen beschleunigt die Vermögensbildung der Mittelschicht.
- Schließlich muss die Kapitalbesteuerung überdacht werden. Vermögen- und Erbschaftsteuern haben historisch kaum zur Angleichung beigetragen und sind praktisch schwer umsetzbar. Wirkungsvoller sind Kapitalertragsteuern, die sich an der tatsächlichen Zahlungsfähigkeit des Eigentümers orientieren und auch Zufallsgewinne erfassen.











