Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen

 

Definition
Vergleich der TOP 500 mit den DAX-27
Material zum Thema volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen

 

Familienunternehmen sind der prägende Unternehmenstypus in Deutschland. Mehr als 90 Prozent der deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen. Sie stellen fast 60 Prozent aller Arbeitsplätze und erweisen sich auch in konjunkturell schwierigen Zeiten als stabilisierender Faktor auf dem Arbeitsmarkt. Das geht aus Untersuchungen der Stiftung Familienunternehmen hervor.

Eine deutsche Besonderheit ist, dass es so viele große und international tätige Familienunternehmen gibt. 32 Prozent aller Unternehmen mit 250 bis 499 Mitarbeitern und 30 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind Familienunternehmen. Viele von ihnen sind Weltmarktführer in ihren jeweiligen technologischen Nischen, zum Beispiel in den Branchen Maschinenbau und Automobilindustrie.

 

Jobmotor Familienunternehmen

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Im Auf und Ab der Wirtschaft geben Familienunternehmen Sicherheit. Sie sind regional verwurzelt und sichern Beschäftigung in allen Ecken Deutschlands – selbst in wirtschaftlich schweren Zeiten. Warum das so ist, führt die Stiftung Familienunternehmen in ihrem neuen Video zur Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“ aus. Die Studie wurde von der Stiftung beim Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW Mannheim in Auftrag gegeben.

 

Definition

Familienunternehmen sind nicht an eine bestimmte Größe hinsichtlich der Beschäftigten oder des Umsatzes gebunden, sie sind in fast allen Wirtschaftszweigen anzutreffen und müssen auch keine bestimmte Rechtsform besitzen. Was also ist ein Familienunternehmen?

Für die wissenschaftliche Untersuchung von Familienunternehmen im Unterschied zu Nicht-Familienunternehmen gibt es grob gerastert zwei Definitionsrichtungen:

  1. Familienkontrollierte Unternehmen: In dieser Definition werden alle Unternehmen gemeint, die von einer überschaubaren Anzahl von natürlichen Einzelpersonen kontrolliert werden. Eigentum und Leitung müssen dabei nicht notwendigerweise übereinstimmen. Diese Definition ist die in der Öffentlichkeit wie auch in der wissenschaftlichen Literatur gebräuchlichste.
  2. Eigentümergeführte Unternehmen: Nach dieser Definition sind solche Unternehmen Familienunternehmen, die von einer überschaubaren Anzahl natürlicher Personen kontrolliert werden und in denen wenigstens einer der Eigentümer auch die Leitung des Unternehmens innehat.

Diese beiden Definitionen liegen auch der Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“ zugrunde, die das ZEW seit 2009 für die Stiftung Familienunternehmen durchführt.

Die Stiftung Familienunternehmen verwendet generell die folgende Definition:

Ein Unternehmen beliebiger Größe ist ein Familienunternehmen, wenn:

  1. sich die Mehrheit der Entscheidungsrechte im Besitz der natürlichen Person(en) befindet,
  • die das Unternehmen gegründet hat/haben, 
  • die das Gesellschaftskapital des Unternehmens erworben hat/haben
  • oder im Besitz ihrer Ehepartner, Eltern, ihres Kindes oder der direkten Erben ihres Kindes sind,
und
  1. die Mehrheit der Entscheidungsrechte direkt oder indirekt besteht, und/oder
  2. mindestens ein Vertreter der Familie oder der Angehörigen offiziell an der Leitung bzw. Kontrolle des Unternehmens beteiligt ist.

Börsennotierte Unternehmen entsprechen der Definition eines Familienunternehmens, wenn die Person, die das Unternehmen gegründet oder das Gesellschaftskapital erworben hat oder deren Familien oder Nachfahren aufgrund ihres Anteils am Gesellschaftskapital 25 Prozent der Entscheidungsrechte halten.

Diese Definition umfasst auch Familienunternehmen, die die erste Generationsübertragung noch nicht vollzogen haben. Sie umfasst weiterhin Einzelunternehmer und Selbstständige (sofern eine rechtliche Einheit besteht, die übertragen werden kann).

 

Vergleich der TOP 500 mit den DAX-27

Um eventuelle Unterschiede in der Entwicklung von Familienunternehmen gegenüber Nicht-Familienunternehmen zu erkennen, werden vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in der Studienreihe „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“ die 500 größten Familienunternehmen (TOP 500) regelmäßig mit den Dax-Unternehmen verglichen, die keine Familienunternehmen sind.

Unter den 30 gelisteten Dax-Unternehmen (Stand 2016) finden sich auch drei Familienunternehmen, und zwar die Beiersdorf AG, die Henkel AG & Co. KGaA und die Merck KGaA. Diese drei Unternehmen wurden in dieser Studie zu den Familienunternehmen gezählt.

Die Langzeituntersuchung zeigt, dass Familienunternehmen eine besonders dynamische Beschäftigungsentwicklung aufweisen. Die TOP 500 Familienunternehmen hoben von 2007 bis 2016 ihre Beschäftigtenzahl um 23 Prozent (auf 2,54 Millionen Beschäftigte) an. Die nicht familienkontrollierten 27 Dax-Unternehmen (Dax-27) erreichten im gleichen Zeitraum lediglich eine Steigerung um vier Prozent.

Vergleich TOP 500 Familienunternehmen und der DAX-26-Unternehmen

Global haben die TOP 500 zwischen 2007 und 2016 mehr als eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen. Familienunternehmen wachsen zudem kontinuierlicher. Im Durchschnitt lag die Wachstumsrate der TOP 500 Familienunternehmen bei 2,7 Prozent und die der betrachteten Dax-Unternehmen bei 1,7 Prozent.
Die Studienergebnisse sind in einer interaktiven Grafik abrufbar.

Die Studie „Börsennotierte Familienunternehmen in Deutschland“ vom Center for Entrepreneurial and Financial Studies an der Technischen Universität München (TUM) unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner, Prof. Dr. Reiner Braun und Prof. Dr. Christoph Kaserer, ermittelte, dass etwa 40 Prozent der deutschen börsennotierten Unternehmen Familienunternehmen sind. Sie sind für etwa 30 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung im CDAX verantwortlich. Die Studie basiert auf der Gesamtheit aller im CDAX notierten Unternehmen. Familienunternehmen verzeichnen im Betrachtungszeitraum 2009 bis 2018 ein höheres Wachstum in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung. So ist das jährliche Beschäftigungswachstum von Familienunternehmen mit sechs Prozent annähernd doppelt so hoch wie bei Nicht-Familienunternehmen mit drei Prozent. Auch gemessen an den Kennzahlen Return on Assets (Gesamtkapitalrendite) sowie Return on Equity (Eigenkapitalrendite) schneiden Familienunternehmen signifikant besser ab.