Klimaneutralität wird nicht auf dem Papier geschaffen
Viele Familienunternehmen stehen derzeit unter erheblichen Druck und müssen zum Teil Personal abbauen. Trotzdem fehlt es weiterhin an Fachkräften, insbesondere mit Blick auf die ökologische Transformation. Die Familienunternehmen nehmen den Klimawandel ernst und haben in den letzten Jahren verstärkt solche Fachkräfte eingestellt. Doch gerade diese Experten sind rar.



München, den 25. Februar 2026. Familienunternehmen suchten im Jahr 2024 nach Tätigkeitsprofilen mit doppelt so vielen Kompetenzen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz wie noch sieben Jahre zuvor. Diese Tendenz in Richtung „grüner Berufe“ dürfte sich fortsetzen, da ihnen klimafreundliches Wirtschaften wichtig ist. Im untersuchten Zeitraum investierten sie durch Neueinstellungen und Weiterbildung besonders in Fachkräfte, die den ökologischen Umbau der Betriebe technisch erforschten und entwickelten.
Zu diesen Ergebnissen kommt das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen in einer Studie im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Das Forscher-Team unter Leitung von Prof. Dr. Ronald Bachmann hat dafür unter anderem online-Jobanzeigen ausgewertet. Grüne Berufe wurden mithilfe des „Greenness-of-Jobs-Index“ der Bundesagentur für Arbeit identifiziert.
Bei der Transformation der Betriebe bremst aber der Fachkräftemangel. Familienunternehmen sind vor allem von Engpässen in den Berufsgruppen Mechatronik, Automatisierungstechnik und Energietechnik betroffen. Der Mangel dürfte sich durch rückläufige Zahlen beim Anteil von MINT-Studierenden zukünftig noch verstärken, so die Studie weiter. Außerdem sind sowohl MINT-Studierende als auch Auszubildende in grünen Berufen regional ungleich verteilt. Besonders wenige MINT-Studierende gibt es anteilsmäßig in Thüringen, besonders viele in Sachsen. Bei den Auszubildenden gibt es im Süden und Osten Deutschlands einen Mangel an Bewerbern, im Norden und Westen hingegen einen Überschuss.
Kein Mangel herrscht dagegen bei der Berufsgruppe der Umweltmanager und -berater. Diese Berufsgruppe verzeichnete in den vergangenen Jahren einen deutlichen Beschäftigungszuwachs. Die Forscher meinen, zunehmende Berichtspflichten zum Thema Nachhaltigkeit könnten eine Ursache dafür sein: Pflichten, die gerade für große Familienunternehmen erhebliche bürokratische Belastungen darstellen, was Expertengespräche ergaben.
Mehr Gestalter statt Berater und Verwalter
Die Forscher empfehlen den Hochschulen, in Zusammenarbeit mit Unternehmen MINT-Studiengänge attraktiver zu gestalten und für sie zu werben – unterstützt von der Bundesagentur für Arbeit.
Gleichzeitig sollte der Gesetzgeber die bestehenden Berichtspflichten so weit wie möglich vereinfachen und den administrativen Aufwand reduzieren. So könnten die Betriebe ihre Ressourcen in größerem Umfang in die echte ökologische Transformation stecken. Zudem sollten die Klimaziele langfristig festgelegt werden. Die Unternehmen bräuchten Planungssicherheit, auch bei Förderprogrammen und deren Laufzeiten.
Familienunternehmen denken seit jeher in Generationen. Nachhaltig zu wirtschaften ist ihr ureigenstes Interesse. Nachhaltigkeitsberichte sind dabei nur Arbeiten auf dem Papier – und binden Personal und Kapital. Die Politik sollte sich darauf konzentrieren, die ökologische Transformation in der Praxis zu unterstützen.
Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen
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