Wie kann CBAM funktionieren?

Optionen zur Verbesserung des europäischen CO2-Grenzausgleichs
Herausgeber
Stiftung Familienunternehmen
Veröffentlichung
München, 2026
Institut
WIFO Wien
Autoren
Prof. Gabriel Felbermayr, PH. D., Dr. Hendrik Mahlkow, Isabel Pham, MSc, Dr. Robin Sogalla, Prof. Dr. Joschka Wanner
Isbn
978-3-948850-74-6

Die EU will bis 2030 ihre CO₂ -Emissionen um 55% gegenüber dem Wert von 1990 und bis 2040 um 90% gegenüber 1990 senken. Um diese ambitionierten Klimaziele umzusetzen, müssen in den nächsten Jahren die verfügbaren Emissionsrechte massiv verknappt werden. Das wird zu einem starken Anstieg des Preises dieser Emissionsrechte führen.

Was ist die Folge dieses Preisanstiegs?

Er wird trotz zunehmender Elektrifizierung der EU-Wirtschaft die Energiepreise massiv erhöhen, denn aufgrund des aktuellen Strommarktdesigns erhöht sich der Strompreis, solange fossile Kraftwerke zur Versorgung erforderlich sind. Es ist nicht absehbar, dass die Handelspartner der EU ähnlich hohe CO₂-Preise und Energiepreise haben werden. Das kann zu einer Abwanderung energieintensiver Firmen, einer beschleunigten Deindustrialisierung und einer Einschränkung der Wirksamkeit europäischer Klimapolitik hinsichtlich globaler Emissionen führen. Daher ist ein Mechanismus erforderlich, der die negativen Effekte der europäischen CO₂-Bepreisung auf die Wettbewerbsfähigkeit ausgleicht. Die EU hat hierfür einen Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) vorgeschlagen.

Wird dieser Mechanismus funktionieren?

Der vorgeschlagene CBAM hat hohe Informationsbedarfe und damit erhebliche bürokratische Kosten, was Kompromisse erzwingt: Er umfasst bislang nur einige besonders CO₂-intensive Produkte wie Stahl, Zement oder Düngemittel. Damit werden Branchen, die diese Güter als Inputs nutzen, belastet. Zudem wird der CBAM nur importseitig angewandt, sodass die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure nicht erhalten wird. Außerdem drohen Handelspartner mit Gegenzöllen.

Was schlägt die Studie an Alternativen vor?

  • Der erste Vorschlag sieht eine uniforme Abgabe auf Importe und einen Zuschuss auf Exporte vor, so dass die Handelseffekte der CO₂ -Bepreisung exakt kompensiert werden. Die Berechnung erfordert keine Kenntnis der ausländischen CO₂ -Intensität. Die Vorteile liegen in geringerer Bürokratie und in der vollständigen Einbeziehung von Importen und Exporten. Die Nachteile bestehen in fehlenden Anreizen für Emissionsreduktionen bei ausländischen Produzenten, nach wie vor hohen Informationsbedarfen und einer erheblichen Retorsionsgefahr durch Handelspartner.
  • Der zweite Vorschlag sieht die fortwährende Zuteilung freier Zertifikate an CO₂ -intensive Industrie im EU‑Emissionshandel vor, kombiniert diese aber mit einer Abgabe auf den finalen Verbrauch betroffener Güter, unabhängig von deren Herkunft. Dieser Ansatz wäre bürokratiearm, WTO‑konform und klimapolitisch effektiv. Er wäre als Übergangslösung gut geeignet, so das Forscherteam.

Was genau spricht für den Vorschlag einer Klimaabgabe?

Simulationsergebnisse der Studie zeigen, dass diese Alternative die Produktions- und Einkommensverluste vergleichsweise minimiert, die durch höhere CO₂-Preise in der EU entstehen. Die Einnahmen sollten in die Förderung klimaneutraler Produktion gesteckt werden, so die Forscher. Es sei entscheidend, dass der CBAM (bzw. seine kluge Alternative) seine Aufgabe erfüllen könne. Scheitere er, könnte eine Deindustrialisierung die CO₂‑Bepreisung diskreditieren. Die Folge wäre vermutlich teure und weniger effektive Regulierung. Ein wohl durchdachter CBAM schütze daher auch den marktbasierten Ansatz der Klimapolitik in der EU.

Datum
12.1.2026, München

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