Der EU-Emissionshandel braucht eine Übergangslösung
Familienunternehmen sind offen für marktbasierten Klimaschutz. Doch die EU steht mit ihrem Handel von CO2-Zertifikaten noch ziemlich allein in der Welt. Wie soll es gelingen, bei steigenden CO2-Preisen Europas Unternehmen international wettbewerbsfähig zu halten? Eine Simulation der Maßnahmen zeigt: Es gibt nur zweitbeste Lösungen.

München, den 12. Januar 2026. Der CO2-Grenzausgleich der EU (im Fachjargon CBAM) ist seit wenigen Tagen scharf gestellt, aber noch unbefriedigend und weit weg von der konkreten Ausgestaltung. Ein idealtypischer CBAM (etwa nach dem Vorbild der Mehrwertsteuer) lässt sich zwar denken, aber nicht praktisch umsetzen: zu komplex die Berechnungen der Emissionen entlang der Lieferkette.
Die von der EU gewählten Vereinfachungen schützen die (Familien-)Unternehmen nur unvollständig vor ungleichen Wettbewerbsbedingungen und sind gleichzeitig sehr bürokratisch. Sie stellen die Klimaziele der EU in Frage und provozieren Vergeltungsmaßnahmen der Handelspartner. Daher hat die Stiftung Familienunternehmen zwei Alternativen durchrechnen lassen. Der Handelsökonom Professor Gabriel Felbermayr, Direktor des österreichischen WIFO, und ein Forscher-Team haben das übernommen.
Da ist zum einen der Leakage Border Adjustment Mechanism (LBAM), der den Abfluss von CO2-Emissionen ins EU-Ausland (Leakage) begrenzen will. Die Kombination aus Importzoll und Exportsubvention auf Basis der heimischen CO2-Intensität schreibt die Wettbewerbssituation der Importe und Exporte von heute fest. Wie die Berechnungen des verwendeten KITE-Modells zeigen, beugt LBAM zwar Handelsverlagerungen vor, führt aber nach wie vor zu Produktionsrückgängen im Inland. Zudem dämpft der Mechanismus die Klimaambition der Unternehmen und ist für die Behörden schwer zu steuern.

Hoffen auf Nachahmer und bessere Daten im Klimaschutz
Die zweite Alternative nennt sich „Klimaabgabe“ (also eine Produktsteuer), verbunden mit einer wie aktuell weiteren Zuteilung von kostenlosen Zertifikaten an die Produzenten CO2-intensiver Güter. Sie schützt die Industrie besser, ist unbürokratisch, handelspolitisch unbedenklich und erzeugt staatliche Einnahmen. Die Verbraucher werden zwar von der Abgabe belastet, aber die Realeinkommen sinken weniger stark als mit der derzeitigen Regelung. Anreize für einen globalen Klimaschutz sind allerdings wenig ausgeprägt.
Felbermayr hält die Klimaabgabe dennoch für eine gute Übergangslösung. Er hofft, dass andere Staaten dem Vorbild des EU-Emissionshandels folgen werden und dass die EU selbst bald bessere Daten hat zum CO2-Gehalt einzelner Produkte. Das würde ein CBAM in Reinform vielleicht ermöglichen.
Die Berechnungen zeigen: Alle Varianten sind besser als gar kein „BAM“, also gar keinen Ausgleich an der Grenze. Außerdem setzt auch die freie Zuteilung von CO2-Zertifikaten Anreize für weniger Emissionen in der EU, wenn die Anzahl nur knapp genug ist, dass sie zu einem Preis weiterverkauft werden können, so Felbermayr.
Die EU hat ihren Grenzausgleich nicht zu Ende gedacht. Viele Verarbeiter betroffener Vorprodukte sind in höchster Sorge. Auch im Export schwinden die Chancen. Das alles in dieser sehr schwachen Konjunktur. Hier braucht es Pragmatismus. Doch es ist im Grundsatz richtig, dass die EU sich immer wieder auf marktwirtschaftliche Instrumente in der Klimapolitik besinnt.
Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen
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