Wichtige Standortfaktoren für Familienunternehmen

 

Deutschland im Standortwettbewerb
Standortwettbewerb in Deutschland
Fachkräftemangel
Investitionsverhalten von Familienunternehmen
Emerging Markets im Vergleich
Material zum Thema Deutschland als Standort für Familienunternehmen

 

Größere Familienunternehmen sind meist international aktiv, aber gleichzeitig fest an ihren regionalen Standorten verwurzelt. Die internationalen Standortbedingungen sind deshalb für sie von besonderer Bedeutung. 

Die Stiftung Familienunternehmen lässt deswegen schon seit Jahren die Standortkriterien Deutschlands sowie wichtiger Industrienationen und aufstrebender Märkte aus Sicht der Familienunternehmen untersuchen. Die Studien des ifo Instituts und des Zentrums für Wirtschaftsforschung (ZEW) erlauben wichtige Rückschlüsse auf internationale Trends im Standortwettbewerb und die langfristige Entwicklung der Wettbewerbsposition Deutschlands.

 

Deutschland als Standort für Familienunternehmen

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Deutschland rutscht auf der Rangliste der besten Standorte ab, und zwar um drei Plätze. Damit landet Deutschland im unteren Tabellendrittel. Im Ländervergleich der Stiftung Familienunternehmen, den das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erstellt hat, liegt Deutschland auf Platz 17 von 21 betrachteten OECD-Staaten. Das ist die schlechteste Position in der Geschichte des Rankings. Warum der Standort Deutschland gerade für Familienunternehmen so an Attraktivität verloren hat und wie Familienunternehmen im internationalen Wettbewewerb geholfen werden kann, beantwortet das Erklär-Video der Stiftung Familienunternehmen.

 

Deutschland im Standortwettbewerb

Deutschland ist als Standort für Familienunternehmen keineswegs konkurrenzlos. Das zeigt der "Länderindex Familienunternehmen", ein Standortvergleich von 21 OECD-Staaten in sechs Themengebieten, die für Familienunternehmen von besonderer Bedeutung sind. 16 der untersuchten Industriestaaten schneiden in diesem Standortvergleich besser ab als Deutschland. Die besser positionierten Standorte sind meist kleinere Staaten West- und Nordeuropas. Sie liegen entweder seit der erstmaligen Erhebung des Ländervergleichs 2006 bereits vorne oder sie haben sich über die Jahre nach vorne gearbeitet (wie die Niederlande oder Tschechien).

Untersucht und verglichen werden die Themengebiete „Steuern“, „Arbeitskosten, Produktivität, Humankapital“, „Regulierung“, „Finanzierung“, „Öffentliche Infrastruktur“ und „Energie“.

Während Deutschland sich in den Bereichen „Unternehmensfinanzierung“ und „Regulierung“ seit Erhebungsbeginn verbessert hat, fiel es auf den Feldern „Steuern“, „Infrastruktur und Institutionen“ zurück. Ein Vergleich der einzelnen Länder und Kategorien kann über die interaktive Grafik der Stiftung Familienunternehmen zum "Länderindex Familienunternehmen" abgerufen werden.

„Deutschland ist mit einem Verlust von fünf Rangplätzen der große Verlierer in dieser Vergleichsrechnung. Negativ ist die Entwicklung insbesondere in den Bereichen ‚Steuern‘ und ‚Infrastruktur und Institutionen‘. Positive Entwicklungen sind in den Dimensionen ‚Regulierung‘, ‚Finanzierung‘ und ‚Energie‘ zu beobachten, die aber die negativen Tendenzen in den beiden genannten Bereichen nicht kompensieren können.“

Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Forschungsbereichsleiter am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW),
Autor der Studie "Länderindex Familienunternehmen"

Standortwettbewerb in Deutschland

Im föderalen System Deutschlands werden die Standortbedingungen der Bundesländer zu einem guten Teil von der jeweiligen Landespolitik bestimmt. Diese Standortbedingungen untersucht der erstmals vorgelegte Bundesländerindex der Stiftung Familienunternehmen. Das ZEW Mannheim hat unter Leitung von Professor Friedrich Heinemann eine Vielzahl von Einzelindikatoren betrachtet und gewichtet.

Die wichtigsten Ergebnisse: Bayern und Sachsen sind Spitzenreiter. Am Ende des Rankings der Flächenländer finden sich Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Bei den Stadtstaaten schneidet Bremen schlechter ab, während Berlin und Hamburg beinahe punktgleich sind. Das Ranking bezieht sich dabei auf fünf Indizes: Steuern, Arbeit und Humankapital, Finanzierung, Infrastruktur und Institutionen. Durch die transparente Darstellung der Standortbedingungen können die Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung dazulernen, Fehlentwicklungen korrigieren und Impulse aufnehmen.

Mit einer interaktiven Karte bietet die Stiftung Familienunternehmen die Möglichkeit, herauszufinden, wie das jeweilige Bundesland bei den verschiedenen Indizes abschneidet. Dabei kann ein sehr gut platziertes Flächenland punktuell einen Verbesserungsbedarf aufweisen. Und aus Unternehmenssicht kann wegen einer spezifischen Stärke ein Standort gute Chancen für Investitionen haben, der im Gesamtranking hinten liegt.

Deutschlandkarte

Fachkräftemangel

Deutschland wird vom Fachkräftemangel ausgebremst. Flächendeckend sind alle Branchen betroffen. Das hast ernste Konsequenzen: liegenbleibende Aufträge, rasant steigende Personalkosten und Mehrarbeit für die Belegschaft. Das zeigt eine Umfrage der Stiftung Familienunternehmen, durchgeführt vom ifo Institut.

Es wurden mehr als 1.700 Unternehmen befragt, darunter rund 1.300 Familienunternehmen. Auswirkungen des Fachkräftemangels spüren davon 87 Prozent. Ein Gefahr für die eigene Wettbewerbsfähigkeit sieht im Fachkräftemangel sogar eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit. Getrieben durch die Sorge vor brechenden Wertschöpfungsketten, denken mehr als die Hälfte an Outsourcing. 82 Prozent der Unternehmen bezeichnen den Aufwand zur Neubesetzung von Stellen als hoch oder sehr hoch.

Von der Politik wünscht sich die Wirtschaft ein Maßnahmenpaket. Es soll die stärkere Förderung von Ausbildungsberufen (88 Prozent Zustimmung) und die erleichterte Zuwanderung von Fachkräften (74 Prozent Zustimmung) enthalten. Zudem müssten ältere Menschen länger arbeiten können.

„Der Mangel an qualifizierten und mittlerweile an Mitarbeitern überhaupt ist neben Rohstoff- und Energieknappheit die dritte Bedrohung für den Standort Deutschland. Vor allem eine, gegen die Unternehmen und Politik etwas tun können. Die Instrumente werden auch ein Jahr nach der Bundestagswahl mehr diskutiert als präzisiert. Die Umfrage zeigt, es ist aus Sicht der Unternehmen höchste Zeit zu beginnen.“

Prof. Rainer Kirchdörfer,
Vorstand der Stiftung Familienunternehmen
„Der aktuelle Arbeitskräftemangel war absehbar und wir stehen dabei erst am Anfang dieser Entwicklung. Leider fällt es vor allem der Politik schwer, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dazu zählt auch, endlich Zuwanderung umfassend zu ermöglichen und nicht durch ein überbordendes Regelwerk auf wenige Ausnahmen zu beschränken.“

Angelique Renkhoff-Mücke,
Gesellschafterin und Vorstandsvorsitzende der Warema Renkhoff SE in Marktheidenfeld

Die Unternehmen selbst begegnen dem Fachkräftemangel, indem sie auf Weiterbildung (91 Prozent), flexiblere Arbeitszeiten (70 Prozent) und bessere Bezahlung (77 Prozent) setzen. Eine komplette Umstellung von Stellen auf Homeoffice haben aber nur knapp 17 Prozent der Unternehmen umgesetzt.

Investitionsverhalten von Familienunternehmen

Die Attraktivität eines Standortes lässt sich auch am Investitionsverhalten der Unternehmen ablesen. Das ifo Institut hat 2017 im Rahmen der Umfragereihe „Jahresmonitor der Stiftung Familienunternehmen“ 1.500 Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen zu ihrem Investitionsverhalten befragt.

Familienunternehmen stehen der Erhebung zufolge zum Standort Deutschland. 51,3 Prozent der befragten Familienunternehmen planen Investitionen auf stabilem Niveau. Allerdings kündigten nur 36,3 Prozent an, in den kommenden Jahren ihren Investitionsanteil in Deutschland erhöhen zu wollen. In den vergangenen fünf Jahren hatten noch 51,2 Prozent den Anteil der heimischen Investitionen gesteigert.

Die Befragung legt nahe, dass Kapazitätserweiterungen zunehmend im Ausland stattfinden, während in Deutschland eher in den Ersatz investiert wird. Eine Verlagerung von bestehenden Arbeitsplätzen geht damit für die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen (95,8 Prozent) allerdings nicht einher.

Negativ auf die Investitionen in Deutschland haben sich den Familienunternehmen zufolge die Lohnkosten (35,3 Prozent) sowie die wirtschaftspolitischen und steuerlichen Rahmenbedingungen (29,6 Prozent und 26,8 Prozent) ausgewirkt. Auf die Frage, was die Bundesregierung zur Investitionssteigerung tun müsse, rangiert der Bürokratieabbau bei 65,1 Prozent der befragten Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen ganz oben auf einer Prioritätenliste.

 

Emerging Markets im Vergleich

Nicht nur die Industriestaaten sind als Standorte für Familienunternehmen interessant. Die Stiftung Familienunternehmen hat daher sechs Emerging Markets im Hinblick auf ihre Standorteignung für Familienunternehmen untersucht. Der „Länderindex Familienunternehmen“ zu den Emerging Markets kommt zu dem Schluss: Russland, China und die Türkei bieten Familienunternehmen die attraktivsten Standortbedingungen unter den wichtigsten Schwellenländern. Die Studie zeigt auf, dass Staaten wie Russland und die Türkei ein hohes Potenzial für eine Intensivierung der Geschäftsbeziehungen mit der Europäischen Union bieten. Ein Ende der politischen Spannungen hätte positive wirtschaftliche und politische Folgen.

Russland konnte die Stellung als attraktivster Standort im Kreis der wichtigsten Emerging Markets ausbauen. Familienunternehmen können auf gut ausgebildete Arbeitskräfte zugreifen. Die Regelungen in den Bereichen Besteuerung, Regulierung sowie Energiekosten sind günstig. Die größte Schwäche des Standorts bleibt allerdings die Dimension „Institutionen“. In der Kategorie erzielt das Land wegen autokratischer Tendenzen das zweitschlechteste Ergebnis. Auch in den Bereichen Rechtssicherheit und Eigentumsrechte schneidet Russland schlecht ab.

Ähnlich verhält es sich mit der Türkei. Das Land hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um sich für Investoren und heimische Familienunternehmen attraktiver aufzustellen. Das Land bietet günstige Steuerregelungen und ein liberales Regulierungsumfeld sowie gut ausgebildetete Arbeitskräfte. Die institutionellen Bedingungen sind – ähnlich wie im Fall Russlands – die größte Schwachstelle.

Auch China hat seine Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Die Staatsführung geht hart gegen Kriminalität und Korruption vor, die Finanzierungsbedingungen sind gut. Die klare Standortschwäche liegt auf dem Arbeitsmarkt. Die hohen Löhne stehen einer vergleichsweise geringen Produktivität gegenüber, es gibt darüber hinaus Defizite beim Bildungsniveau.

Stärken-/Schwächen-Profile der Schwellenländer

Subindex RUS TR CHN ZA MEX IND BR
Steuern 67,04 83,04 57,02 58,64 35,51 14,89 42,37
Arbeit 68,06 67,12 29,77 57,61 58,54 41,36 37,93
Regulierung 62,75 77,28 45,59 49,73 73,99 39,55 26,27
Finanzierung 55,32 59,12 65,31 41,88 70,35 38,41 38,09
Infrastruktur 74,59 55,95 56,55 43,04 35,41 33,29 21,97
Institutionen 29,45 41,98 93,70 69,88 8,56 73,02 40,92
Energie 80,00 42,01 53,99 24,61 67,78 54,37 54,52
Gesamtindex 61,30 59,93 58,03 50,55 47,94 43,77 37,27
© Stiftung Familienunternehmen

 

Material zum Thema Deutschland als Standort für Familienunternehmen

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