Daten, Fakten, Zahlen zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Familienunternehmen

 

I.    Allgemeine Strukturzahlen

Die Stiftung Familienunternehmen hat im Jahr 2006 begonnen, grundlegende Zahlen zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Familienunternehmen1 ermitteln zu lassen. Seither werden diese Zahlen regelmäßig aktualisiert und fortgeschrieben. Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen basieren die Strukturzahlen nicht auf Hochrechnungen von Stichproben, sondern auf dem gesamten deutschen Unternehmensbestand. In die Analyse sind die Angaben von drei Millionen Unternehmen2 eingegangen.

Die Studie greift auf mehrere Definitionen von Familienunternehmen zurück. Diese Differenzierung trägt dem Umstand Rechnung, dass es keine einheitliche Definition von Familienunternehmen gibt, die in der Forschung durchgängig operationalisierbar ist.

  1. Familienkontrollierte Unternehmen: In dieser Definition werden alle Unternehmen subsumiert, die von einer überschaubaren Anzahl von natürlichen Einzelpersonen kontrolliert werden. Eigentum und Leitung müssen dabei nicht notwendigerweise übereinstimmen. Diese Definition ist die in der Öffentlichkeit wie auch in der wissenschaftlichen Literatur gebräuchlichste.
  2. Eigentümergeführte Unternehmen: Nach dieser Definition sind solche Unternehmen Familienunternehmen, die von einer überschaubaren Anzahl natürlicher Personen kontrolliert werden und in denen wenigstens einer der Eigentümer auch die Leitung des Unternehmens innehat.

Je nach Definition variiert die quantitative Bedeutung der Familienunternehmen in der Volkswirtschaft:

  1. Familienkontrollierte Unternehmen: 90 Prozent aller deutschen Unternehmen sind familienkontrollierte Unternehmen. Sie erzielen 52 Prozent der Umsätze und stellen zirka 58 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland.
  2. Eigentümergeführte Unternehmen: 86 Prozent des gesamten Unternehmensbestands sind eigentümergeführte Unternehmen, 53 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland arbeiten hier. Eigentümergeführte Familienunternehmen tragen 47 Prozent zum deutschen Gesamtumsatz bei.

Familienkontrollierte Unternehmen wiesen 2017 einen Umsatz von 2,8 Billion Euro und eigentümergeführte Unternehmen einen Umsatz von 2,5 Billion Euro auf. Die familienkontrollierten Unternehmen erwirtschaften damit rund 45 Prozent des Gesamtumsatzes aller Unternehmen der hier einbezogenen Wirtschaftszweige und 52 Prozent des Umsatzes der Privatunternehmen. Auf die eigentümergeführten Unternehmen entfiel dabei der Großteil des Umsatzes.

Die Erfassung der Gesamtheit aller Familienunternehmen zeigt auch, dass diese besonders häufig im Bausektor und im Handel, insbesondere im Einzelhandel zu finden sind. Auch regionale Unterschiede werden deutlich: In den neuen Bundesländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen ist der Anteil der Familienunternehmen besonders hoch, am niedrigsten ist er in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg oder Bremen; unter den westdeutschen Flächenländern sticht Hessen mit einem vergleichsweise geringen Anteil an Familienunternehmen hervor.

II.    Die 500 größten Familienunternehmen

Die Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Familienunternehmen identifiziert zugleich die 500 größten Familienunternehmen und vergleicht deren Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung mit den Kennzahlen der nicht-familienkontrollierten DAX-Unternehmen3.

  • In den TOP 500 Familienunternehmen (nach Beschäftigten) arbeiteten weltweit im Jahr 2016 5,1 Millionen Personen.
  • Die 500 umsatzstärksten Familienunternehmen erwirtschafteten weltweit einen Umsatz von gut 1,1 Billion Euro.

Im Zeitverlauf zeigt sich, dass Familienunternehmen kontinuierlich Arbeitsplätze in Deutschland aufgebaut haben: Die 500 größten Familienunternehmen haben im Zeitraum von 2007 bis 2016 ihre Beschäftigtenzahl in Deutschland um 23 Prozent (auf 2,54 Millionen Beschäftigte) angehoben. Die 27 nicht-familienkontrollierten DAX-Unternehmen erreichten im gleichen Zeitraum lediglich eine inländische Steigerung der Beschäftigung von vier Prozent. Insgesamt schufen die 500 größten Familienunternehmen von 2007 bis 2016 zirka mehr als eine Million neue Arbeitsplätze weltweit, die DAX‑27‑Unternehmen nur rund die Hälfte (560.000). Das Beschäftigungswachstum wies somit bei den Familienunternehmen eine deutlich größere Dynamik auf.

Vergleich der Entwicklung der Inlandsbeschäftigung der TOP 500 Familienunternehmen und der DAX-27-Unternehmen von 2007 bis 2016

Insgesamt kann der bereits in früheren Studien festgestellte Trend der Familienunternehmen beobachtet werden, auf größere Umsatzschwankungen nicht mit einer entsprechenden Beschäftigungsanpassung zu reagieren. Dies betrifft nicht nur den geringeren Abbau in Krisenzeiten, sondern auch einen gemäßigteren Aufbau im wirtschaftlichen Aufschwung.

Konzernweite Beschäftigungs- und Umsatzentwicklung der TOP 500 Familienunternehmen 2007 bis 2016

III.    Der Beitrag der Familienunternehmen zum Steueraufkommen

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der großen Familienunternehmen lässt sich auch an ihrem Beitrag zum Aufkommen der Ertragsteuern ableiten. Das ifo Institut hat im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen die steuerliche Belastung der 500 größten Familienunternehmen in Deutschland und der nicht-familienkontrollierten DAX-Konzerne verglichen4. In absoluten Zahlen wird das Ertragsteueraufkommen der 500 größten Familienunternehmen von den Wissenschaftlern für die Jahre 2009 bis 2013 im Inland auf durchschnittlich knapp elf Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Das inländische Aufkommen der nicht-familienkontrollierten DAX-Konzerne lag mit etwas mehr als elf Milliarden Euro pro Jahr im gleichen Zeitraum ähnlich hoch.

Die großen Familienunternehmen weisen laut Studie jedoch höhere Steuerquoten auf als die untersuchten DAX-Konzerne. Durchschnittlich 28 Prozent Steuern haben die 500 größten Familienunternehmen auf ihren Gewinn in den Jahren 2009 bis 2013 abgeführt, wenn allein Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und die von den Unternehmen gezahlte Kapitalertragsteuer betrachtet werden. Bei den nicht-familienkontrollierten DAX-Konzernen sind dies nur 25 Prozent. Werden auch die Einkommensteuer der Gesellschafter von Personengesellschaften und die Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen der Kapitalgesellschaften berücksichtigt, ist der Unterschied noch augenfälliger: Die 500 größten Familienunternehmen und ihre Gesellschafter zahlen durchschnittlich 40 Prozent, während die Belastung von DAX-Konzernen und ihren Gesellschaftern nur 33 Prozent erreicht.

Implizite Steuersätze (Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Kapitalertragsteuer)

Implizite Steuersätze (Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Kapitalertragsteuer mit Einkommensteuer der Gesellschafter und Abgeltungsteuer auf Dividenden)

Alle Familienunternehmen zusammen zahlten in den Jahren 2009 bis 2013 im Durchschnitt ca. 46,81 Mrd. Euro. Dies entspricht 41,7 Prozent des Ertragsteueraufkommens in Deutschland. Unternehmen zahlen außer den Ertragsteuern auch Verbrauchsteuern (insbesondere Umsatzsteuer), Verkehrsteuern, Kfz- und Energiesteuern, Grundsteuer wie auch Erbschaft- und Schenkungsteuer. Außerdem führen die Firmen die Lohnsteuer für ihre Arbeitnehmer und die Sozialversicherungsbeiträge ab.

IV.    Börsennotierte Familienunternehmen in Deutschland

Familienunternehmen stellen ein bedeutendes Phänomen am deutschen Kapitalmarkt dar, wie eine Studie der Stiftung Familienunternehmen aus dem Jahr 2019 darlegt5:

Etwa 40 Prozent der börsennotierten Unternehmen sind demnach Familienunternehmen. Sie sind für etwa 30 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung im CDAX verantwortlich.

Die Studie basiert auf der Gesamtheit aller zwischen 2009 und 2018 im CDAX notierten Unternehmen. Finanz- und Immobilienunternehmen wurden aus Vergleichbarkeitsgründen nicht berücksichtigt, womit der Datensatz 475 Unternehmen umfasst.

Deutlich unterscheiden sich Familienunternehmen von Nicht-Familienunternehmen in Bezug auf ihre Kapitalstruktur: Sie weisen eine deutlich höhere Eigenkapitalquote auf als Nicht-Familienunternehmen. Dieser Wert erhöht sich nochmals, wenn man von einem besonders starken Familieneinfluss ausgeht (modifizierte "Substantial Family Influence"-Definition oder SFImod).

Eigenkapitalrendite

Familienunternehmen verzeichneten im Betrachtungszeitraum 2009 bis 2018 auch ein höheres Wachstum in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung. So ist das jährliche Beschäftigungswachstum von Familienunternehmen mit sechs Prozent annähernd doppelt so hoch wie bei Nicht-Familienunternehmen mit drei Prozent. Auch gemessen an den Kennzahlen Return on Assets (Gesamtkapitalrendite) sowie Return on Equity (Eigenkapitalrendite).

Beschäftigungswachstum Familien- und Nicht-Familienunternehmen

Nach der engen Definition (SFImod) erzielten börsennotierte über de Untersuchungszeitraum einen durchschnittlichen Total Return (Aktien- zzgl. Dividendenrendite) von jährlich 23,2 Prozent. Nicht-Familienunternehmen kamen hingegen nur auf eine Rendite von 15,2 Prozent. Nach der weiter gefassten Definition von Familienunternehmen ist die Rendite ebenfalls höher, wenn auch  nur leicht. Ohne Marktgewichtung ist kein Unterschied erkennbar.


1 Stiftung Familienunternehmen (Hrsg.): Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen, erstellt ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und vom Institut für Mittelstandsforschung (ifm), Mannheim 2019, Download: https://www.familienunternehmen.de/media/public/pdf/publikationen-studien/studien/Die-volkswirtschaftliche-Bedeutung-der-Familienunternehmen-2019_Stiftung_Familienunternehmen.pdf

2 Die vorgestellten Ergebnisse der deskriptiven, empirischen Analysen basieren zu einem Großteil auf den Daten der Unternehmensdatenbank „Mannheimer Unternehmenspanel“ (MUP) des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Diese Datenbank ist ein Gemeinschaftsprojekt des ZEW mit der Creditreform e.V., der größten Kreditauskunftei Deutschlands, auf deren umfangreichem Unternehmensdatenbestand das MUP basiert. Sie enthält Informationen zu knapp neun Millionen aktiven und bereits geschlossenen Unternehmen, von denen rund drei Millionen aktuell existieren. Im MUP werden für das Jahresende 2017 insgesamt rund 2,7 Millionen Unternehmen in den hier betrachteten Wirtschaftszweigen mit einem Sitz in Deutschland als am Markt aktiv ausgewiesen. Nach Hochrechnungen der Gründungszahlen und Schätzung der Schließungszahlen muss zuletzt von einem Unternehmensbestand von 3,3 Millionen ausgegangen werden. Darunter sind etwa 18.000 öffentliche Unternehmen, das heißt Unternehmen, die sich mehrheitlich im Eigentum von öffentlichen Institutionen befinden. Bei diesen kann es sich definitionsgemäß nicht um Familienunternehmen handeln. Von den rund 3,3 Millionen Unternehmen sind 2,95 Millionen familienkontrollierte Unternehmen und 2,83 Millionen eigentümergeführte Familienunternehmen.

3 Zu den DAX-Unternehmen in Familienhand gehören: Beiersdorf AG (bei den 500 größten Familienunternehmen unter Maxingvest AG), Henkel AG & Co. KGaA und Merck KGaA. Die übrigen nicht-familienkontrollierten DAX-Konzerne werden im Text DAX-27-Unternehmen genannt.

4 Stiftung Familienunternehmen (Hrsg.): Beitrag der Familienunternehmen zum Steueraufkommen in Deutschland - Entwicklung der Steuern von Einkommen und Ertrag, erstellt vom ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e. V., München 2019, Download: https://www.familienunternehmen.de/media/public/pdf/publikationen-studien/studien/Studie_Stiftung_Familienunternehmen_Steuerbeitrag-der-Familienunternehmen-in-Deutschland.pdf

5 Stiftung Familienunternehmen (Hrsg.): Börsennotierte Familienunternehmen in Deutschland - Bedeutung, Merkmale, Performance, erstellt vom Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) der Technischen Universität München (TUM), München 2019, Download: https://www.familienunternehmen.de/media/public/pdf/publikationen-studien/studien/Boersennotierte-Familienunternehmen-in-Deutschland_Studie_Stiftung-Familienunternehmen_2019.pdf

München, November 2019


Ansprechpartner

Maria Krenek

Susanne Schulz

Referentin Kommunikation

Stiftung Familienunternehmen
Prinzregentenstraße 50, D-80538 München

Telefon: + 49 (0) 89 / 12 76 400 072
Telefax:  + 49 (0) 89 / 12 76 400 09

E-Mail: schulz(at)familienunternehmen.de
Internet: www.familienunternehmen.de
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok
Datenschutzerklärung