Fachkräfte für die ökologische Transformation
- Herausgeber
- Stiftung Familienunternehmen
- Veröffentlichung
- München, 2026
- Institut
- RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung - Essen
- Isbn
- 978-3-948850-69-2
Seit 2013 stellen deutsche Unternehmen immer mehr Fachkräfte ein, die die ökologische Transformation der Betriebe vorantreiben. Die "grüne" Beschäftigung hat somit in den letzten zehn Jahren messbar zugenommen. Familienunternehmen setzen dabei insbesondere auf Fachkräfte aus technischen Berufen, die in Bereichen wie Forschung, Entwicklung sowie Elektro- und Energietechnik arbeiten. Das spiegelt ihre Stärke im Bereich der Umwelttechnologien wieder.
Zu diesem Ergebnis kommt das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Das Forscher-Team hat dafür unter anderem online-Jobanzeigen ausgewertet. Grüne Berufe identifizierten sie mithilfe des „Greenness-of-Jobs-Index“ (GOJI) der Bundesagentur für Arbeit. Ein weiterer Teil der Studienerstellung war eine Umfrage unter knapp 600 Unternehmen im Mai 2025; durchgeführt in Kooperation mit dem ifo-Institut.
Die Studie unterscheidet zwischen Berufen, die die ökologische Transformation wertschöpfend, also in der Praxis, umsetzen, und solchen, die dies eher theoretisch, etwa durch Berichtspflichten, tun. Sie zeigt, dass grüne Beschäftigung vor allem in Berufen wächst, die für die praktische Umsetzung der ökologischen Transformation notwendig sind. Gleichzeitig steigt die Zahl der Umweltmanager und -berater. Ihr Aufgabenbereich konzentriert sich vor allem auf die Reporting-Pflichten der Unternehmen.


Gibt es genügend Fachkräfte für die ökologische Transformation?
In den meisten Berufen, die für die ökologische Transformation gebraucht werden, gibt es einen Fachkräftemangel. Das betrifft vor allem die in der Praxis benötigten Berufe wie Mechatroniker, Automatisierungstechniker und Energietechniker. Keinen Mangel an Fachkräften gibt es hingegen in der Berufsgruppe der Umweltmanager und -berater.
Die Bemühungen der Unternehmen, nachhaltiger zu wirtschaften, werden also teilweise vom Fachkräftemangel ausgebremst. 40 Prozent der im Rahmen der Studienerstellung befragten Betriebe geben an, dass die ökologische Transformation den Fachkräftemangel zusätzlich verschärft.
Wie gehen die Unternehmen gegen den Fachkräftemangel vor?
Die Unternehmensbefragung zeigt, dass Firmen, um die ökologische Transformation zu bewältigen, derzeit eher wenig nach neuem Personal suchen: 69 Prozent der Befragten tun dies kaum oder gar nicht.
Wenn sie jedoch nach Personal suchen, dann vor allem im Ausland (76 Prozent Zustimmung). 81 Prozent der Befragten verlagern aber auch ihre Produktion dorthin.
Die Weiterbildung der Beschäftigten spielt eine Rolle: 36 Prozent der Unternehmen setzen häufig bis sehr häufig auf diese Maßnahme.
Schließlich ersetzen knapp 32 Prozent der Befragten fehlende Fachkräfte durch Technologien, während fast 50 Prozent diese Möglichkeit kaum oder gar nicht nutzen.
Welche Berufe arbeiten mit ihren Kompetenzen und Einzeltätigkeiten am meisten an der ökologische Transformation?
Die drei Berufe mit den meisten umweltfreundlichen Tätigkeiten im Jahr 2022 sind: Umweltmanager und -berater, Umweltschutztechniker und Fahrzeugführer im Eisenbahnverkehr. Weitere sieben Berufe, die ebenfalls hohe GOJI-net-Werte aufweisen, sind in der Grafik links aufgeführt. Diese Berufe zählen zu den grünsten.
Besonders auffällig ist, dass Umweltmanager und -berater seit 2013 den größten Beschäftigungszuwachs verzeichneten. Umweltschutztechniker wurden seit 2013 hingegen moderat häufiger eingestellt. Fahrzeugführer im Eisenbahnverkehr erlebten den zweithöchsten Zuwachs. Insgesamt stieg die Beschäftigung in allen zehn betrachteten Berufsgruppen von 2013 bis 2024 an.

Wie haben sich Hochschulbildung sowie Aus- und Weiterbildung in den für die ökologische Transformation wichtigen Berufen entwickelt?
Die Zahl der Menschen, die hochqualifizierte grüne Berufe studieren, bleibt insgesamt relativ stabil. Seit 2015 sinkt jedoch die Zahl der MINT-Studierenden, die für die ökologische Transformation besonders wichtig sind. 2022 lag ihr Anteil bei 37 Prozent aller Studierenden. Die Forscher empfehlen daher den Hochschulen, in Zusammenarbeit mit Unternehmen MINT-Studiengänge attraktiver zu gestalten.
Auch die Zahl der Auszubildenden nimmt seit Jahren ab, besonders im Handwerk und im Baugewerbe. Dieser Rückgang ist bei den grünen Berufen immerhin etwas geringer. Auch die Bewerbungen für Ausbildungsplätze gehen insgesamt deutlich zurück, bleiben aber für grüne Berufe deutschlandweit konstant. Regional betrachtet gibt es im Süden und Osten einen Mangel an Auszubildenden in grünen Berufen, während im Westen und Norden ein Bewerberüberschuss herrscht.
Was empfehlen die Wissenschaftler des RWI Leibniz-Instituts der Politik?
Die Wissenschaftler empfehlen der Politik, für mehr Planungssicherheit zu sorgen. Langfristige und klare Ziele, etwa beim CO₂-Ausstoß, sind entscheidend.
Auch Förderprogramme sollten langfristig angelegt und transparent kommuniziert werden. Die Politik muss die Laufzeit klar benennen.
Zudem sollten Förderprogramme und Berichtspflichten den Unternehmen wenig bürokratischen Aufwand bereiten. Bestehende Vorschriften müssen überprüft und vereinfacht werden.












