Lars Feld: Rekordsubventionen mit dem Rasenmäher kappen

Echte Strukturreformen statt zweifelhafter Wohltaten

Es gibt gute Gründe für Subventionen: Wenn der Markt versagt oder Forschung gefördert, Infrastruktur gestärkt, Nachteile ausgeglichen werden sollen. Doch oft genug erreichen sie ihre Ziele nicht, setzen falsche Signale, führen zu Erstarrung, kosten immer mehr. Der Staat wird dadurch handlungsunfähig und sollte so nicht weitermachen, sagen die Autoren des neuen Freiburger Subventionsberichts.

Berlin, den 14. April 2026. Der Subventionsbericht, veröffentlicht diesen nicht der Finanzminister jedes Jahr selbst? Ja, aber dabei lässt er manches außen vor, verlagert immer mehr in Schattenhaushalte und hält die Zahlen nicht vergleichbar. Der Freiburger Subventionsbericht schafft Transparenz. Er ist seit diesem Jahr Nachfolger des berühmten Kieler Subventionsberichts und wird von der Stiftung Familienunternehmen gefördert.

Professor Lars Feld und sein Team vom Walter Eucken Institut in Freiburg kommen für 2026 auf Subventionen des gesamten Staates von insgesamt 321 Milliarden Euro. Das sind 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder rund 7000 Euro pro arbeitendem Bürger. Und das ist knapp unter dem teils noch Corona-bedingten Höchstwert von 2023. 86 Milliarden Euro der Subventionen entfallen auf die Bundesländer und waren nicht aktuell zu ermitteln, sondern mussten seit 2015 fortgeschrieben werden. Der Bericht konzentriert sich daher auf die Subventionen der Bundesebene, die sich nach den Berechnungen der Freiburger auf 235 Milliarden Euro bemessen.

Balkendiagramm zur Entwicklung der Bundesfinanzhilfen von 2022 bis 2026 (in Milliarden Euro). Zwei Reihen: „Finanzhilfen des Bundes im weiteren Sinne“ steigen von 85,4 Milliarden Euro (2022) über 128,9 (2023) und 113,3 (2024) auf 140,5 (2025, Soll) und 150,0 Milliarden Euro (2026, Soll). Zweite Reihe: „Finanzhilfen des Bundes nach Subventionsbericht der Bundesregierung“ - diese wachsen von 20,1 Milliarden Euro (2022) über 25,3 (2023) und 47,6 (2024) auf 58,2 (2025, Soll) und 59,4 Milliarden Euro (2026, Soll). Insgesamt deutlicher Anstieg in beiden Kategorien, besonders ab 2024.

Von dieser Summe entfallen 150 Milliarden Euro auf Finanzhilfen: drei Mal so viel wie vor einer Dekade. Drei Viertel davon „ökonomisch schwach legitimiert“ und mittlerweile zu 42 Prozent außerhalb des Kernhaushalts finanziert, so Ökonom Feld. Auf 85 Milliarden Euro summieren sich die Steuervergünstigungen. Beide Subventionsarten konzentrieren sich auf wenige große Programme und kommen auf Unternehmensseite eher großen Konzernen zugute. Der Mittelstand (nach der Definition des Bundeswirtschaftsministeriums), der die Hälfte der Steuerlast trage, erhalte etwa von den Finanzhilfen nur 1 Prozent.

Zwei Kreisdiagramme zur Konzentration der Finanzhilfen des Bundes und seiner Sonderhaushalte 2026 (in Prozent). Links: Konzentration nach Ranggruppen – die fünf größten Posten („Rang 1 bis 5“) machen 47,23 % aus, Rang 6–10: 15,22 %, Rang 11–20: 15,80 %, übrige („Sonstige“): 21,75 %. Rechts: Aufschlüsselung der fünf größten Posten – Infrastrukturbeitrag für die Erhaltung der Schienenwege der Eisenbahnen des Bundes: 10,86 %, Zuschüsse zur Entlastung beim Strompreis: 10,79 %, Abgeltung versicherungsfremder Leistungen der GKV: 9,66 %, Förderung von Maßnahmen der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien im Gebäudebereich: 7,99 %, Zuweisungen an die Länder (Regionalisierungsmittel): 7,93 %.
Balkendiagramm „Ausgaben des Bundes für Verteidigung, Forschung außerhalb des Unternehmenssektors und Bildung im Vergleich mit den Bundesfinanzhilfen 2026“ (in Milliarden Euro). Finanzhilfen sind mit 150,0 Milliarden Euro deutlich am höchsten. Es folgen Ausgaben für Verteidigung mit 98,2 Milliarden Euro, für Forschung mit 16,6 Milliarden Euro und für Bildung mit 6,6 Milliarden Euro. Die Grafik zeigt, dass Finanzhilfen die anderen Ausgabenbereiche deutlich übersteigen.
Zwei Kreisdiagramme „Konzentration der Steuervergünstigungen 2026“ (in Prozent). Links: Die fünf größten Steuervergünstigungen (Rang 1 bis 5) machen 55,58 % aus, Rang 6–10: 16,12 %, Rang 11–20: 16,55 %, übrige („Sonstige“): 11,80 %. Rechts: Aufschlüsselung der fünf größten Posten – Gesundheits- und Sozialwesen: 27,91 %, Erbschaftsteuerfreibeträge und -ermäßigungen für Betriebsvermögen bei Unternehmensnachfolge: 10,32 %, Entfernungspauschale: 7,15 %, Abzug der Kirchensteuer als Sonderausgabe: 5,16 %, ermäßigter Umsatzsteuersatz für kulturelle und unterhaltende Leistungen: 5,04 %.

Positive Wachstumswirkung nicht zu erkennen
Erfüllt das viele Geld wenigstens seinen Zweck? Feld meint: „Eine positive Wachstumswirkung lässt sich bislang noch nicht erkennen.“ Hohe Summen fließen seit Jahren in das Schienennetz der Deutschen Bahn, deren Zuverlässigkeit immer weiter abnimmt. Mit gewaltiger Geschwindigkeit wachsen die umweltpolitischen Subventionen (seit 2022 um das 3,5fache), die etwa den CO2-Ausstoß vermindern sollen; doch jede Menge andere Subventionen bewirken gerade das Gegenteil. Feld empfiehlt hier stattdessen das bewährte Instrument der Bepreisung und Besteuerung des Umweltverbrauchs in Verbindung mit gezielten Einkommensbeihilfen.

Der Freiburger Subventionsbericht deckt auch auf, wie riesig sich die Subventionssummen darstellen im Vergleich zu Ausgaben in Grundlagenforschung und Bildung, die das Zeug dazu hätten, Deutschland wirklich voranzubringen. Dorthin fließen auf Bundesebene nur knapp 17 Milliarden Euro. Feld meint, es sei an der Zeit und politisch am leichtesten umsetzbar, die Subventionen auf der Ausgabenseite einheitlich zu reduzieren (Rasenmähermethode), gleichzeitig Steuern zu senken und Regulierung abzubauen.

Kritisch würdigt der Bericht vor allem die Vielfalt der ermäßigten Umsatzsteuersätze für die verschiedensten Klientele, die sehr teuer, aber wenig zielführend seien. Auch die Freibeträge und Verschonungsregeln für Betriebsvermögen im Erbfall (knapp 9 Milliarden Euro Vergünstigung) untersucht Feld und diskutiert die dahinterstehenden Argumente.

Teaserbild © Oliver Kern

Cor­ne­lia Knust​

Leiterin Kommunikation​
Datum
14.4.2026, Berlin

Weitere Materialien

Publikationen zum Thema

Neuigkeiten zu verwandten Themen

Unsere Webseite benutzt eine Anzahl von Cookies um die Nutzererfahrung für Sie zu verbessern. Lesen Sie hier mehr über diese Cookies.
Wenn Sie ablehnen, werden Ihre Informationen beim Besuch dieser Website nicht erfasst. Ein einzelnes Cookie wird in
Ihrem Browser verwendet, um daran zu erinnern, dass Sie nicht nachverfolgt werden möchten.