Sachsen und Bayern sind die Starken beim Standort
Sachsen stößt Bayern vom Thron, Niedersachsen arbeitet sich nach vorn, Sachsen-Anhalt ist besonders zukunftsorientiert, Rheinland-Pfalz im Hintertreffen. Die Ergebnisse des zweiten Bundesländerindex der Stiftung Familienunternehmen sind teils überraschend. Er will zum Lernen motivieren und Orientierung geben für den Einsatz der Milliarden aus dem Sondervermögen.


München, den 29. Januar 2026. In fünf Bundesländern wird dieses Jahr gewählt. Wie schlagen sich diese Länder wirtschaftspolitisch im Vergleich? Wo liegen ihre Stärken bei den Standortbedingungen, und wo haben sie Nachholbedarf? Und vor allem: Richten sie den Einsatz ihrer Ressourcen konsequent auf die Zukunft aus? Das klärt nach 2022 nun zum zweiten Mal das ZEW Mannheim rund um Professor Friedrich Heinemann mit frischen Zahlen.
Sachsen und Bayern stehen mit deutlichem Abstand an der Spitze des Rankings, das eine Vielzahl von Einzelindikatoren zu fünf Subindizes zusammenfasst: Steuern, Arbeit/Humankapital, Finanzierung, Infrastruktur, Institutionen. Wichtig: Die Subindizes Infrastruktur und Arbeit/Humankapital gehen (auf Basis einer Befragung von Familienunternehmen im Jahr 2021) mit höherer Gewichtung in den Gesamtindex ein.
Aber auch die Spitzenreiter sind nicht überall spitze. Sachsen schneidet bei Steuern und Institutionen eher durchschnittlich ab, Bayern überzeugt nicht so recht bei der Infrastruktur. Hier ist Niedersachsen (im Gesamtranking jetzt auf Platz drei) besonders gut. Dagegen zeigt auch Baden-Württemberg (Platz fünf) bei der Infrastruktur Schwächen und hat im Gesamtranking am stärksten Punkte verloren. Schlusslicht Rheinland-Pfalz konnte sich bei der Verschuldung etwas verbessern; dagegen rutschen Nordrhein-Westfalen (NRW), Bremen und Berlin hier weiter ab.
Bundesländerindex Familienunternehmen 2022 und 2025
Interaktive Grafik
Wie man als Land beim Subindex Steuern platziert ist, dafür können Veränderungen bei der Gewerbesteuer der Kommunen und bei der Grunderwerbssteuer eine Rolle spielen. Demographie und Schulbildung beeinflussen das Abschneiden bei Arbeit/Humankapital. Beim Thema Infrastruktur spielt unter anderem die Elektrizitätsversorgung eine Rolle, die im Süden schlechter ist. Wer die Digitalisierung der Verwaltung beherzt begonnen hat, wird wie NRW mit einem guten Rangplatz beim Index Institutionen belohnt. Die Beurteilung ist also komplex, und nicht alles lässt sich politischen Entscheidungen zurechnen, wie Heinemann betont.
Sachsen-Anhalt glänzt mit Zukunftsorientierung
Seine Sorge ist, dass die Länder versucht sein könnten, eine kurzsichtige Finanzpolitik zu betreiben und die Zukunftsaufgaben zu vernachlässigen. Deshalb hat er diesmal die ZEW-Zukunftsquote auf die Länderhaushalte angelegt. Ausgaben, die der Mehrung des Kapitalstocks dienen, sind demnach gute Ausgaben, wobei es auch um Human- und Naturkapital geht und die Mehrung technischen Wissens. Sachsen-Anhalt hat bei der Investitionsquote die Nase vorn. Bei einer vom ZEW noch umfassender berechneten Zukunftsquote schneidet Bayern am besten ab, gefolgt von Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Thüringen.


Der neue Bundesländerindex liefert die erfreuliche Nachricht, dass gerade einige Länder im Osten die Weichen in Richtung Zukunft stellen. Aber er deutet auch auf die Verfestigung von Standortproblemen im Westen. Die Gefahr besteht, dass die Mittel aus dem Sondervermögen fahrlässig verwendet werden. Die Wähler sollten ihrer Landespolitik auf die Finger schauen.
Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen
Teaserbild ©Stiftung Familienunternehmen







