Sachsen und Bayern sind die Starken beim Standort

Bundesländerindex: Mittel des Sondervermögens für die Zukunft nutzen

Sachsen stößt Bayern vom Thron, Niedersachsen arbeitet sich nach vorn, Sachsen-Anhalt ist besonders zukunftsorientiert, Rheinland-Pfalz im Hintertreffen. Die Ergebnisse des zweiten Bundesländerindex der Stiftung Familienunternehmen sind teils überraschend. Er will zum Lernen motivieren und Orientierung geben für den Einsatz der Milliarden aus dem Sondervermögen.

Die Grafik zeigt die Veränderung der Punktwerte ausgehend vom Bundesländerindex Familienunternehmen im Jahr 2022 bis zur Erneuerung der Punktwerte in 2025. Niedersachsen hat deutlich an Punktwerten hinzugewonnen, Baden-Württemberg hat deutlich an Punktwerten verloren.
Die Grafik zeigt die Veränderung der Punktwerte ausgehend vom Bundesländerindex im Jahr 2022 bis zur Erneuerung der Punktwerte in 2025. Niedersachsen hat deutlich an Punktwerten hinzugewonnen, Baden-Württemberg hat deutlich an Punktwerten verloren.
Die Abbildung gibt die jeweiligen Punktwerte der Bundesländer für die fünf Subindizes
„Steuern“, „Arbeit und Humankapital“, „Finanzierung“, „Infrastruktur“ sowie „Institutionen“
und den Gesamtwert für den Bundesländerindex als Stärken-/Schwächen-Matrix
wieder. Die Bundesländer sind dabei separat für die Flächenländer und die
Stadtstaaten und gemäß ihrer jeweiligen Platzierung im Gesamtranking
2025 in absteigender Reihenfolge angeordnet. Dadurch liegt etwa Sachsen auf Platz 1
und Rheinland-Pfalz auf Platz 13 der Flächenländer, während Berlin beziehungsweise
Bremen als bester, respektive schlechtester Stadtstaat gelistet ist.

München, den 29. Januar 2026. In fünf Bundesländern wird dieses Jahr gewählt. Wie schlagen sich diese Länder wirtschaftspolitisch im Vergleich? Wo liegen ihre Stärken bei den Standortbedingungen, und wo haben sie Nachholbedarf? Und vor allem: Richten sie den Einsatz ihrer Ressourcen konsequent auf die Zukunft aus? Das klärt nach 2022 nun zum zweiten Mal das ZEW Mannheim rund um Professor Friedrich Heinemann mit frischen Zahlen.

Sachsen und Bayern stehen mit deutlichem Abstand an der Spitze des Rankings, das eine Vielzahl von Einzelindikatoren zu fünf Subindizes zusammenfasst: Steuern, Arbeit/Humankapital, Finanzierung, Infrastruktur, Institutionen. Wichtig: Die Subindizes Infrastruktur und Arbeit/Humankapital gehen (auf Basis einer Befragung von Familienunternehmen im Jahr 2021) mit höherer Gewichtung in den Gesamtindex ein.

Aber auch die Spitzenreiter sind nicht überall spitze. Sachsen schneidet bei Steuern und Institutionen eher durchschnittlich ab, Bayern überzeugt nicht so recht bei der Infrastruktur. Hier ist Niedersachsen (im Gesamtranking jetzt auf Platz drei) besonders gut. Dagegen zeigt auch Baden-Württemberg (Platz fünf) bei der Infrastruktur Schwächen und hat im Gesamtranking am stärksten Punkte verloren. Schlusslicht Rheinland-Pfalz konnte sich bei der Verschuldung etwas verbessern; dagegen rutschen Nordrhein-Westfalen (NRW), Bremen und Berlin hier weiter ab.

Wie man als Land beim Subindex Steuern platziert ist, dafür können Veränderungen bei der Gewerbesteuer der Kommunen und bei der Grunderwerbssteuer eine Rolle spielen. Demographie und Schulbildung beeinflussen das Abschneiden bei Arbeit/Humankapital. Beim Thema Infrastruktur spielt unter anderem die Elektrizitätsversorgung eine Rolle, die im Süden schlechter ist. Wer die Digitalisierung der Verwaltung beherzt begonnen hat, wird wie NRW mit einem guten Rangplatz beim Index Institutionen belohnt. Die Beurteilung ist also komplex, und nicht alles lässt sich politischen Entscheidungen zurechnen, wie Heinemann betont.

Sachsen-Anhalt glänzt mit Zukunftsorientierung

Seine Sorge ist, dass die Länder versucht sein könnten, eine kurzsichtige Finanzpolitik zu betreiben und die Zukunftsaufgaben zu vernachlässigen. Deshalb hat er diesmal die ZEW-Zukunftsquote auf die Länderhaushalte angelegt. Ausgaben, die der Mehrung des Kapitalstocks dienen, sind demnach gute Ausgaben, wobei es auch um Human- und Naturkapital geht und die Mehrung technischen Wissens. Sachsen-Anhalt hat bei der Investitionsquote die Nase vorn. Bei einer vom ZEW noch umfassender berechneten Zukunftsquote schneidet Bayern am besten ab, gefolgt von Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Die Abbildung zeigt die Punktwerte der einzelnen Bundesländer beim Subindex "Infrastruktur". Die Werte werden sowohl für das Jahr 2025 als auch für das Jahr 2022 wiedergegeben. Bei den Flächenländern führen im Jahr 2025 Niedersachsen und Sachsen das Ranking im Subindex „Infrastruktur“ punktgleich und mit etwas Abstand zu Nordrhein-Westfalen an.
Die Abbildung zeigt Berechnungen zu klassischen Investitionsquoten sowie zu Zukunftsquoten. Die klassische Investitionsquote beschreibt den Anteil der investiven Ausgaben an den Gesamtausgaben der Länder. Ein hoher Wert stellt also
eine starke investive Ausrichtung der Länderhaushalte dar und eine geringere Fixierung
auf laufende Ausgaben wie beispielsweise Personalausgaben. Die höchste klassische Investitionsquote unter den Flächenländern weist Sachsen-Anhalt auf, gefolgt von Sachsen, Thüringen und Bayern. Baden-Württemberg weist lediglich eine durchschnittliche Investitionsquote auf.

Für beide Varianten der Zukunftsquote schneidet Bayern jeweils mit einigem Abstand am
besten ab. Nach der Zukunftsquote 2 wendet Bayern rund jeden zweiten Euro seines Länderhaushalts für zukunftsträchtige Aufgaben aus. Dies ist getrieben durch den höchsten Anteil der Ausgaben für Bildung, Wissenschaft, Forschung und kulturelle Angelegenheiten von allen Ländern (36,01 Prozent). Gefolgt wird Bayern von einer vergleichsweise ähnlich starken Verfolgergruppe aus Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, die Werte zwischen 42 und 45 Prozent erzielen.

Der neue Bundesländerindex liefert die erfreuliche Nachricht, dass gerade einige Länder im Osten die Weichen in Richtung Zukunft stellen. Aber er deutet auch auf die Verfestigung von Standortproblemen im Westen. Die Gefahr besteht, dass die Mittel aus dem Sondervermögen fahrlässig verwendet werden. Die Wähler sollten ihrer Landespolitik auf die Finger schauen.

Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen

Teaserbild ©Stiftung Familienunternehmen

Cor­ne­lia Knust​

Leiterin Kommunikation​
Datum
29.1.2026, München

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