Unternehmenskultur wird zum harten Wettbewerbsvorteil

Familienunternehmen punkten mit Zusammenhalt und Umsetzungsstärke

Geopolitische Krisen, Digitalisierung, Fachkräftemangel und schwaches Wirtschaftswachstum stellen Unternehmen vor immer größere Herausforderungen. Welche Faktoren helfen dabei, trotz schwieriger Rahmenbedingungen erfolgreich und zukunftsfähig zu bleiben? Eine neue Studie der Stiftung Familienunternehmen zeigt: Neben Kapital und Technologie kommt der Unternehmenskultur eine entscheidende Bedeutung zu.

Horizontales Balkendiagramm zum Sozialkapital und zur Unternehmenskultur in Familienunternehmen nach Branchen. Über alle Branchen hinweg werden gegenseitiges Vertrauen und ein gutes Betriebsklima von über 90 Prozent der Befragten als besonders ausgeprägt bewertet. Unterschiede zeigen sich bei formalen Strukturen und digitalen Arbeitsweisen: Wirtschaftsnahe Dienstleistungen weisen die höchste Nutzung von KI (65,7 Prozent) und digitalen Kooperationstools (52,5 Prozent) auf, während diese Werte in den übrigen Branchen deutlich niedriger ausfallen.

München, den 21. Juli 2026. Familienunternehmen verfügen über besonders ausgeprägte Vertrauensstrukturen, ein starkes Wir-Gefühl und ein gutes Betriebsklima. Diese Faktoren stärken die Widerstandskraft der Unternehmen in Zeiten tiefgreifender Veränderungen und tragen erheblich zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen bei. Dies zeigt eine Studie der Stiftung Familienunternehmen, durchgeführt vom IW Köln unter der Leitung von Professor Dominik Enste.

Sind also Familienunternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland besonders schutzwürdig und erhaltenswert? Die Studie liefert eine klare Antwort: Familienunternehmen verfügen über kulturelle Stärken, die sie widerstandsfähiger und langfristig erfolgreicher machen. Sie schneiden bei Anpassungsfähigkeit, Zusammenhalt und Umsetzungskraft besser ab als Nicht-Familienunternehmen.

Die Untersuchung basiert auf Befragungen von 1.640 Personalverantwortlichen in deutschen Unternehmen. Dabei zeigt sich, dass Familienunternehmen noch besser imstande sind, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen, als Nicht-Familienunternehmen. So gelingt es ihnen häufiger, beschlossene Maßnahmen umzusetzen und ihre Ziele zu erreichen. 77 Prozent der Familienunternehmen bewerten ihre Anpassungsfähigkeit als sehr gut, bei den Nicht-Familienunternehmen sind es 72 Prozent.

Infografik mit dem Titel „Signifikante Zusammenhänge zwischen Sozialkapital und Performanceindikatoren bei Familienunternehmen“. Die Grafik ist in zwei Bereiche gegliedert. Im oberen Bereich zeigen blaue und graue Pfeile positive Korrelationen zwischen Faktoren des Sozialkapitals – gutes Betriebsklima, Vertrauenskultur, gemeinsame Werte, gemeinsames Feiern von Erfolgen (Anerkennungskultur), Teambuilding-Maßnahmen und exzellentes Wissensmanagement – und den Performanceindikatoren Umsatzentwicklung, Reingewinne sowie Transformationsfähigkeit in den Bereichen Klimaschutz, Energiewende und Digitalisierung. Im unteren Bereich zeigen orange und rote Pfeile negative Korrelationen zwischen den Faktoren gutes Betriebsklima, Vertrauenskultur, gemeinsame Werte, gemeinsames Feiern von Erfolgen (Anerkennungskultur) und Agilität sowie den Indikatoren steigender Krankenstand und steigende Fluktuation. Unterschiedliche Linienarten kennzeichnen die Stärke der Zusammenhänge. Eine Legende erläutert die Effektstärken der Korrelationskoeffizienten. Ein Hinweis am unteren Rand erklärt, dass Blau/Grau positive und Orange/Rot negative Korrelationen darstellen. Quelle: Stiftung Familienunternehmen, 2026.

Hohes Vertrauen in der Belegschaft

Neun von zehn Familienunternehmen berichten von einem hohen Vertrauen innerhalb der Belegschaft. Auch das Betriebsklima (95 Prozent) und das Wir-Gefühl (88 Prozent) werden überdurchschnittlich positiv bewertet. Die Studie zeigt, dass Vertrauen, gemeinsame Werte und eine gute Unternehmenskultur eng mit wirtschaftlichem Erfolg, geringerer Fluktuation und einer höheren Krisenfestigkeit zusammenhängen.

Die Befragung verdeutlicht zugleich, dass viele Unternehmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin als Belastung empfinden. Auch die Unsicherheit über politische Entscheidungen erschwert langfristige Investitionen. Umso wichtiger werden Vertrauen, klare Verantwortlichkeiten und eine Unternehmenskultur, die Anpassungsfähigkeit und Innovationsbereitschaft fördert.

Worauf es für Zukunftsfähigkeit und nachhaltigen Unternehmenserfolg ankommt: Neben Investitionen in digitale Infrastruktur und Weiterbildung gewinnen Führung, klare Verantwortlichkeiten und ein systematisches Wissensmanagement an Bedeutung. Führungskräfte sollten proaktiv erläutern, warum Anpassungen notwendig sind, Strategien transparent machen und Raum für Mitgestaltung schaffen. Es ist wichtig, in Weiterbildung zu investieren und die Fehlerkultur zu stärken.

Wer über Zukunftsfähigkeit spricht, denkt häufig zuerst an Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz. Unsere Studie zeigt jedoch, dass Vertrauen, Zusammenhalt und eine langfristige Orientierung mindestens ebenso wichtig sind – und in herausfordernden Zeiten den Unterschied machen. Familienunternehmen verfügen hier über besondere Stärken.

Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen

Teaserbild © iStock / coldsnowstorm

Datum
21.7.2026, München

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