Freiburger Bundesausgabenmonitor 2026

Eine empirische Strukturanalyse des Bundeshaushalts
Herausgeber
Stiftung Familienunternehmen
Veröffentlichung
München, 2026
Institut
Walter Eucken Institut
Autoren
Prof. Dr. Dr. h. c. Lars P. Feld, Prof. Dr. Andreas Freytag, Dr. Claus-Friedrich Laaser, Maximilian Langer, M.Sc., Dr. Astrid Rosenschon, Dr. des. Maximilian Thomas
Isbn
978-3-948850-79-1

Der Freiburger Bundesausgabenmonitor knüpft methodisch an den im Kieler Bundesausgabenmonitor entwickelten Ansatz funktionaler Ausgabengliederungen an und führt diesen systematisch fort. Die Bundesausgaben werden dabei unabhängig von ministeriellen Zuständigkeiten nach ökonomisch-funktionalen Kriterien klassifiziert.

Grundlage ist eine eigene, konsistente Ausgabendatenbank, die Haushaltsrechnungen und -pläne des Bundes einschließlich relevanter Sondervermögen umfasst und eine langfristig vergleichbare Analyse der Ausgabenstruktur seit dem Jahr 2000 ermöglicht.

Wie haben sich die Staatsausgaben entwickelt?

Seit der Finanzkrise haben sich die Staatsausgaben des Bundes strukturell ausgeweitet. Sie erreichten im Jahr 2025 ein bereinigtes Volumen von 633,8 Milliarden Euro. Für das Jahr 2026 wird ein Volumen von 689,6 Milliarden Euro erwartet. Diese Zahlen liegen deutlich oberhalb des im Kernhaushalt ausgewiesenen Budgets von 503 Milliarden Euro beziehungsweise 524,5 Milliarden Euro.

Nicht eingerechnete Ausgaben im Rahmen des Sondervermögens sowie Abweichungen von der Bruttoveranschlagung verschleiern den realen Umfang staatlicher Ausgaben.

Das Bild zeigt ein Kreisdiagramm zu den geplanten bereinigten Staatsausgaben 2026 in Prozent: Größter Anteil sind Sozialausgaben (32 %), gefolgt von Finanzhilfen (22 %) und Verteidigung (14 %). Weitere Posten sind auslandswirksame Zahlungen (9 %), Zinsen (5 %), Infrastruktur (4 %) sowie Pensionen (3 %) und Forschung außerhalb von Unternehmen (2 %). Kleinere Anteile unter 2 % umfassen u. a. Bundespolizei, Bildung und Jugend,  Energie­sicherheit, staatliche Verwaltung, Zuweisungen an Länder und sonstige Ausgaben. Darstellung: Stiftung Familienunternehmen 2026

Wohin fließen die Staatsausgaben?

Die Staatsausgaben fließen nur zu einem geringen Teil in wachstumsfördernde Maßnahmen. Umverteilungsausgaben, Finanzhilfen und Altlasten machen zusammen knapp zwei Drittel der bereinigten Bundesausgaben aus und wachsen deutlich schneller als das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP).

  • Umverteilungsausgaben des Bundes:
    Die Umverteilungsausgaben des Bundes wachsen aktuell schneller als die Wirtschaftsleistung. Sie erreichten im Jahr 2025 einen Anteil von 36 Prozent der bereinigten Ausgaben (2026: 34 Prozent) oder 5,2 Prozent des BIP (2026: ebenso 5,2 Prozent).

  • Finanzhilfen des Bundes:
    Die Finanzhilfen des Bundes einschließlich seiner Sonderhaushalte erreichten im Jahr 2025 mit 140,5 Milliarden Euro einen historischen Höchststand, der noch in 2026 mit 150 Milliarden Euro getoppt werden dürfte. Sie haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. Eine entsprechende Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Leistung erfolgte dabei nicht. Besonders dynamisch wachsen Finanzhilfen in den Bereichen Verkehr, Umwelt und Energie, sowie Gesundheit und Wohnungswesen - häufig als Reaktion auf vorausgegangene politische Eingriffe.

  • Altlasten des Bundes:
    Die Altlasten des Bundes in Form von Pensionen, Beihilfen und Zinsausgaben nehmen weiter zu. Der nach dem zinsbedingten Tiefstand des Jahres 2021 wieder angestiegene Schuldendienst bindet zunehmend fiskalische Spielräume, während die Transparenz über Zinslasten aus Sondervermögen abnimmt.

Wie entwickeln sich die Ausgaben für den deutschen Staatsapparat?

Die Ausgaben für den Staatsapparat, also für staatliche Verwaltung und den öffentlichen Dienst, wachsen neuerdings wieder stärker als das BIP. Trotz politischer Ankündigungen zum Bürokratieabbau ist keine strukturelle Begrenzung der Ausgabenentwicklung erkennbar.

Welche Gelder fließen im Vergleich in die innere und äußere Sicherheit?

Die Verteidigungsausgaben erreichten im Jahr 2025 funktional abgegrenzt (ohne Versorgungsausgaben, Ausgaben für das Ministerium, für die Bundeswehrhochschulen und Zinsen des Sondervermögens Bundeswehr) 1,7 Prozent des BIP. Für 2026 werden 2,2 Prozent des BIP erwartet. Damit sind sie gemessen an den Umverteilungs- und Subventionsausgaben vergleichsweise untergewichtet.

Wie viel Geld investiert der deutsche Staat in die Zukunft?

Wachstums- und produktivitätsfördernde Ausgaben (Bildung, Forschung, Infrastruktur) machen lediglich 9,4 Prozent (2026: 9,1 Prozent) der bereinigten Bundesausgaben aus. Selbst unter Einbeziehung entsprechender Finanzhilfen liegt ihr Anteil mit 13,6 Prozent (2026: 14,8 Prozent) deutlich unter jenem der umverteilenden Ausgaben.

Insgesamt zeigt der Freiburger Bundesausgabenmonitor, dass sich die Prioritäten der Bundesausgaben zulasten zukunftswirksamer und ordnungspolitisch zentraler Aufgaben verschoben haben, während kurzfristig wirksame, politisch schwer revidierbare Ausgaben dominieren.

Datum
14.4.2026, München

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