Fünf Hebel für mehr Produktivität

Kurz- und langfristige Wachstumspotenziale für Deutschland
Herausgeber
Stiftung Familienunternehmen
Veröffentlichung
München, 2026
Institut
IW Consult GmbH
Autoren
Dr. Henry Goecke, Prof. Dr. Michael Grömling, Christian Kestermann, Dr. Marco Trenz
Isbn
978-3-948850-85-2

Eine neue Studie des IW Köln im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zeigt, dass Deutschland über erhebliche ungenutzte Produktivitätspotenziale verfügt, die vor allem durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Innovation, Bürokratieabbau und Investitionen erschlossen werden können.

Es besteht dringender Handlungsbedarf, denn Deutschland steckt in einer anhaltenden Produktivitätsschwäche: Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er und 1990er Jahren noch um rund 2 % jährlich wuchs, liegt sie heute bei nur noch 0,3 % – obwohl angesichts des demografischen Wandels mindestens 1,6 % erforderlich wären, um den Wohlstand zu sichern.

Gestapeltes Balkendiagramm zur Entwicklung und den Determinanten der Arbeitsproduktivität in Deutschland von den 1960er- bis zu den 2020er-Jahren (bis 1990 Westdeutschland, ab 1991 Deutschland). Die grünen Punkte zeigen das durchschnittliche Wachstum der Arbeitsproduktivität je Dekade: 5,2 % (1960er), 3,8 % (1970er), 2,4 % (1980er), 2,0 % (1990er), 0,9 % (2000er), 1,1 % (2010er) und 0,3 % (2020er). Die gestapelten Balken verdeutlichen die Beiträge von Technologie und Innovation (orange) sowie Kapitalintensivierung (grau) zum Produktivitätswachstum. Während beide Faktoren in den 1960er- und 1970er-Jahren noch hohe Wachstumsbeiträge leisten, nehmen sie über die Jahrzehnte deutlich ab. Besonders in den 2020er-Jahren ist der Beitrag von Technologie und Innovation nahezu null bzw. leicht negativ, während die Kapitalintensivierung nur noch einen geringen positiven Beitrag leistet. Insgesamt veranschaulicht die Grafik den langfristigen Rückgang der Produktivitätsdynamik in Deutschland.
Balkendiagramm mit den privaten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) im Jahr 2024 als Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in ausgewählten OECD-Staaten. Israel führt das Ranking mit rund 6,3 Prozent deutlich an, gefolgt von Südkorea (4,2 Prozent), Japan (2,9 Prozent), den USA (2,7 Prozent) und Schweden (2,6 Prozent). Deutschland ist orange hervorgehoben und liegt mit rund 2,1 Prozent auf dem neunten Platz knapp über dem OECD-Durchschnitt von etwa 2,0 Prozent. Dahinter folgen unter anderem Großbritannien und Dänemark (je 1,9 Prozent), Island (1,8 Prozent), die Niederlande (1,6 Prozent), Frankreich (1,4 Prozent) sowie Estland, Tschechien und Irland (je 1,2 Prozent). Portugal und Kanada bilden mit jeweils rund 1,1 Prozent das Ende der dargestellten Länder. Die Grafik verdeutlicht, dass Deutschland zwar über dem OECD-Durchschnitt liegt, aber deutlich hinter den internationalen Spitzenreitern bei den privaten FuE-Investitionen zurückbleibt.
Die Grafik zeigt die geschätzten Produktivitätspotenziale verschiedener wirtschaftspolitischer Hebel für Deutschland im kurzfristigen und langfristigen Vergleich. Dargestellt sind fünf Handlungsfelder: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), Innovation, Investitionen und Bürokratieabbau.

Im kurzfristigen Szenario ist der Bürokratieabbau mit einem potenziellen Produktivitätszuwachs von 1,6 Prozent der mit Abstand stärkste Hebel. Es folgen der Einsatz von KI (0,6 Prozent), Investitionen (0,4 Prozent), Innovation (0,23 Prozent) und Digitalisierung (0,07 Prozent).

Im langfristigen Szenario verschieben sich die größten Potenziale deutlich: Innovation bietet mit 13,0 Prozent den höchsten möglichen Produktivitätseffekt, gefolgt von Künstlicher Intelligenz mit 9,3 Prozent. Bürokratieabbau könnte langfristig 5,6 Prozent und Digitalisierung 5,2 Prozent zur Produktivität beitragen, während Investitionen mit 0,8 Prozent den geringsten Effekt aufweisen. Die Grafik verdeutlicht, dass Bürokratieabbau vor allem kurzfristig wirkt, während Innovation und KI langfristig die größten Produktivitätsgewinne versprechen.

Wie wird Produktivität definiert?

Die Arbeitsproduktivität bezeichnet die durchschnittliche Wirtschaftsleistung, die jede erwerbstätige Person erbringt. Sie wird maßgeblich durch Faktoren wie den Arbeitseinsatz, Wissen und Qualifikationen, den Kapitalstock (z. B. Gebäude, Maschinen und Infrastruktur), den Ressourceneinsatz sowie den technologischen und organisatorischen Fortschritt bestimmt.

Eine hohe Produktivität ist die zentrale Grundlage für wirtschaftlichen Wohlstand, steigende Einkommen und langfristiges Wirtschaftswachstum.

Wie hat sich die Produktivität in Deutschland entwickelt?

Die Produktivitätsentwicklung in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgeschwächt. Während die Produktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund 2 Prozent pro Jahr wuchs, lagen die Zuwächse ab dem Jahr 2000 nur noch etwa halb so hoch und in den vergangenen sechs Jahren durchschnittlich bei lediglich 0,3 Prozent.

Ursachen sind unter anderem eine schwächere Innovations- und Investitionstätigkeit, der Fachkräftemangel, der demografische Wandel sowie der Strukturwandel hin zu personalintensiveren Dienstleistungen.

Wo liegen die größten Potenziale zur Steigerung der Produktivität?

Die vorliegende Studie zeigt, dass die größten Potenziale zur Steigerung der Produktivität in fünf Handlungsfeldern liegen: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), Innovation, Bürokratieabbau und Investitionen.

Kurzfristig bietet der Bürokratieabbau den größten Hebel – eine umfassende Reform könnte die Produktivität bereits innerhalb eines Jahres um 1,6 Prozent steigern. Langfristig sind Innovation und KI die stärksten Wachstumstreiber. Höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung könnten die Produktivität um bis zu 13 Prozent steigern, die konsequente Nutzung von KI um bis zu 9,3 Prozent.

Dabei betont die Studie, dass sich die Effekte der einzelnen Maßnahmen nicht einfach addieren lassen und insbesondere Innovationen und Digitalisierung ihre volle Wirkung erst über mehrere Jahre hinweg entfalten.

Welche Handlungsempfehlungen ergeben sich daraus?

Die Studie zeigt, dass Deutschland erhebliche Produktivitätspotenziale erschließen kann, wenn politische Reformen und unternehmerische Investitionen konsequent zusammenwirken.

Kurzfristig sollte der Fokus auf dem Abbau von Bürokratie liegen – etwa durch weniger Berichts- und Dokumentationspflichten sowie schnellere Genehmigungsverfahren. Langfristig empfiehlt die Studie, die Verbreitung digitaler Technologien und Künstlicher Intelligenz zu beschleunigen, private Investitionen in Forschung und Entwicklung zu stärken und die öffentliche Infrastruktur zu modernisieren.

Beispiele für politische Maßnahmen in anderen Ländern zeigen, wie die Hebel konkret umgelegt werden können.

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